Eine Pergola ist eine kleine Überdachung im Garten, häufig bewachsen mit Ranken. Das gleichnamige Spiel von Michal Golab Golebiowski und Przemek Wojtkowiak ist bei Rebel (Asmodee) erschienen. Das klingt also schön nach Blumen, Blüten, Gartenpflege. Dazu beeindruckt Pergola sofort beim Öffnen durch eine fantastische Materialfülle. Aber am Ende entpuppt sich die Gartenarbeit leider doch als langweilig. Warum? Das erkläre ich in dieser Rezension.
Unsere Wertung zu Pergola
Pergola: Die Materialfülle ist beeindruckend

Sofort nach dem Öffnen ist klar: Das dauert. Also das Auspöppeln und Vorbereiten. Denn die Materialfülle ist beeindruckend. Es gibt zahllose Pappteile für Pflanzen und andere Dinge, Tableaus und kleine Papierbeutel mit Holzteilen wie Libellen, Marienkäfer, Bienen und Schmetterlinge.
Wer jetzt meint, das Zeug fliegt nach der ersten Partie unkontrolliert in der Schachtel herum, irrt. Es lieben Inlays von gametrayz bei, die für übersichtliche Ordnung sorgen. Allerdings sollte die Schachtel dennoch nicht wild geschüttelt werden. Für mich ist das ein netter Bonus, ich ziehe aber Zip-Beutel vor.

Ein Kritikpunkt dazu gleich vorweg: So toll das alles durchdesignt ist: Warum Werkzeughalter und Werkzeugkübel die Schaufeln so schlecht halten, erschließt sich mir nicht. Das wäre besser möglich gewesen.
Das Thema ist toll umgesetzt
Doch, worum geht es bei Pergola eigentlich? Aufgabe aller Spielenden ist es, auf dem eigenen Tableau einen tollen Garten zu legen. Nach und nach entstehen Lavendel, Magnolien, Stockmalven und Waldreben. Insekten und Bienen stellen sich ein und steigern die Punkteausbeute. Nebenbei füllen sich Honiggläser, auf dem Teich hüpft der eigene Frosch, um weitere Aktionen zu erhalten, und das Wasser rinnt langsam den kleinen Wasserfall hinab, wo es wiederum Vorteile gibt.

Gartenschaufeln geben die Aktionsauswahl vor
Das alles ist an Gartenschaufelchen gebunden. Davon liegen jeweils vier aus, die zwei Gartenteile liefern und an eine Aktion gebunden sind. Meistens bieten sie neue Pflanzen oder Insekten. Die Aktionen erlauben das Vorrücken auf Teich und Wasserfall. Andere erlauben den Insektenflug, bei dem die Spielenden einige Tiere neu platzieren können, oder bieten Laubplättchen (weitere Aktionen oder Insekten).
Eingängige Regeln, aber eine große Aktionsvielfalt

Die Grundregeln sind einfach: Schaufel wählen, die darauf abgebildeten Teile nehmen und in den Garten legen, die Aktion ausführen und aufräumen. Das ist alles. Dabei gilt eine große Freiheit, denn alle können ihre Pflanzen nach eigenen Vorstellungen im Garten platzieren, was etwas individuelle Gärten erlaubt und den Wohlfühlfaktor steigert.
Wenig Ärgerchancen

Überhaupt ist Pergola eigentlich ein Wettbewerbsspiel, aber meistens konzentrieren sich alle auf ihren Bereich. Häufig entstehen Solospiele nebeneinander, denn die direkten Einflussmöglichkeiten auf die Konkurrenz sind beschränkt. Klar, man kann bei der Schaufelwahl dazwischenhauen oder mal ein tolles Laubplättchen abgreifen. Aber es rücken auch Optionen nach, sodass ein gezieltes Ausboten der Konkurrenten nicht möglich ist. Zugleich bieten fast alle Züge genug Chancen, irgendetwas Sinnvolles zu machen und die eigenen Punkte positiv zu beeinflussen.
Das klingt schön, lässt aber Interaktion und Druck vermissen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schaufeln recht klein bedruckt sind und auch der ungefähre Punktestand auf den Konkurrenztableaus nur schwer abzulesen ist. Hier wäre mehr Gegeneinander schöner gewesen.
Bunte Gärten, aber nur wenig Vielfalt

Ich bin ehrlich: Die Gärten sind hübsch und alles wächst nach und nach ansehnlich. Abgesehen von der Magnolie, die voll ausgebildet mitunter nicht so recht auf das Tableau passen will. Allerdings ist die Blütenpracht am Ende eben auf nur vier Pflanzen beschränkt. Das ist vielleicht wichtig für den Mechanismus, aber schränkt die Gartenpracht etwas ein.
Das tolle Material von Pergola entschädigt dafür. Die Bienen und Marienkäfer, die Schmetterlinge und Libellen machen sich gut, wenn sie auf die Blüten fliegen und so für zusätzliche Punkte sorgen. Das eigene Tableau wird zum Leben erweckt und es wimmelt mitunter prächtig.
Die Wertung bei Pergola

Nach und nach bauen so alle einen schönen Garten und nutzen die Zusatzoptionen wie Honiggläser, Lampions, Wasserfall und Teich. Nach 15 Runden ist Schluss und es kommt zur Wertung. Dabei zählen Pflanzen nach Set oder Höhe, Insekten liefern Boni, befüllte Honiggläser (dazu sind jede Menge Bienen erforderlich), gesammelte Blätter und Zusatzpunkte steigern die Ausbeute.

Die Wertung ist dabei weniger kompliziert als umfangreich, weil es für fast alles in irgendeiner Form Punkte gibt. Überraschung: In fast allen Partien gab es nur wenige Ausreißer nach oben und unten. Meistens lagen alle Spielenden eng beieinander. Das mag für oder gegen meine Runden sprechen und Spannung suggerieren. Aber es ist auch ein Indiz, dass die Aktionen weniger zielgerichtet steuerbar sind, als es scheint. Das Positive: Auch ohne Hang zum Optimieren lassen sich hier ansehnliche Punktzahlen erreichen, womit Pergola erfahrungs- und altersübergreifend funktioniert.
Der Solocharakter wird mit der Solovariante dann auf die Spitze getrieben. Der Ablauf ist fast identisch. Aber: Die Solovariante enthält Herausforderungen, die bestimmte Vorgaben für jede Partie machen.
Die Kritik: Pergola ist ein hübsch polierter Langweiler

Ich bin enttäuscht. Als ich die Spielbeschreibung las, war ich begeistert: Tolles Material und ein spannendes Thema versprachen ein schönes Familienspiel. Abgesehen von der längeren Vorbereitung der ersten Partie und einer fast schon zu ausführlichen Spielanleitung (16 Seiten mit teilweise ausufernden Erläuterungen) gelang der Einstieg recht schnell und optisch ist Pergola ein Top-Spiel. Aber der Spaß?!
Der Ablauf ist deutlich zu monoton, die Aktionen zwar umfassend, aber zu gleichförmig. Auch wenn der Garten im Laufe der Partie schön wächst, gibt es doch zu wenige Akzente, die alle setzen können. Klar, hier mal mehr Lavendel, da mal mehr Stockmalven, aber am Ende geht es darum, die Wertungssets zu sammeln. Und da belohnen die Autoren alles recht gleichmäßig. Einzig Bienen sind recht wichtig, da sie nicht nur Punkte bringen, sondern Basis für die Honiggläser. Diese wiederum können die Punkte deutlich steigern.
Eine Materialschlacht ohne Spannung

Pergola ist wirklich hübsch gemacht, auch wenn das meiste Material eher praktisch als wirklich schön ist. Aber spielerisch hat es mich trotz Vorfreude überhaupt nicht abgeholt. Für mich ist es ein Langweiler ohne Spannung. Es gibt Gartenspiele, die (auch mit weniger Material) deutlich mehr bieten wie Botanicus oder Ambrosia. Selbst einfach Legespiele wie Cottage Garden überzeugen mich mehr.
Sicher wird es Leute geben, die mit Pergola Spaß haben werden. Auch ist ganz klar die Liebe zum Detail zu erkennen. Aber dabei ist den Autoren der Blick fürs große Ganze verloren gegangen. Schade. Denn am Ende soll und „muss“ ein Brettspiel eben Spaß machen. Spielerisch bleibt mir am Ende und das schweren Herzens daher nur ein Urteil: Was für eine Materialverschwendung!
