Die Idee ist hübsch und ihre Umsetzung grundsätzlich auch. Bei Piña Coladice von Yann Dupont (Iello) geht es darum, in einer gemeinsamen Auslage in der Tischmitte eigene Marker von Cocktailgläsern so zu platzieren, dass vier in einer Reihe stehen. Das ist dann der titelgebende Cocktail, der den sofortigen Erfolg im Spiel bedeutet. Ansonsten kann Piña Coladice auch über Siegpunkte gewonnen werden, doch dazu später mehr.
Spielregeln: So funktioniert der Ablauf

Piña Coladice begegnet uns als locker-flockiges Würfelspiel mit Partythema und irgendwie auch -charakter. Zusätzlich gibt es Rennspielelemente, denn die Anzahl Einsetzfelder für die Gläser auf den Untersetzerplättchen in der 4×4-Auslage (man hätte auch von Bierdeckeln sprechen können, aber das hätte wohl eher nicht gepasst) ist arg begrenzt. Diese sind allerdings an Bedingungen geknüpft. Daher versuchen alle, als erste die verlangten Ergebnisse zu erwürfeln, um tatsächlich ein eigenes Glas auf den gewünschten Plättchen bzw. Feldern abstellen zu dürfen.
Noch ein Schuss Unberechenbarkeit
Würfel aber sind bekanntlich launische Gesellen und entsprechend unberechenbar. Wer am Zug ist, wirft die fünf Würfel höchstens dreimal und schaut dann, ob und wo ein eigenes Cocktailglas eingesetzt werden kann. Die Würfel tragen alle die Zahlen von 1 bis 6 und es gilt die Vorgabe möglichst eines von mir favorisierten Untersetzers zu erfüllen. Diese sind unterschiedlich schwer zu erreichen und geben bestimmte Zahlenwerte oder -kombinationen vor wie Paare, Doppelpaare, Drillinge, Strassen sowie Minimal- oder Maximalsummen und dergleichen.

Nach maximal drei Versuchen ist Schluss. Im Idealfall weiss ich schon, welche Anforderungen ein von mir favorisiertes Einsetzfeld aufweist. Allerdings gibt es keine Hilfsmechanismen, mit denen ich unpassende Würfelzahlen ändern könnte. Ich bin also auf Gedeih und Verderben meinem Wurfglück ausgeliefert. Und da beginnt dann oft das grosse Jammern über die ganze Würfelei und alles andere, aber das kennen wir ja.
Wenn dagegen alles passt, belege ich ein freies Einsetzfeld meiner Wahl. Eine komplette Reihe von vier Untersetzern mit eigenen Gläsern ist die titelgebende Piña Coladice, die den sofortigen Gewinn der Partie darstellt. Ich kann auch versuchen, fremde Reihen zu verunmöglichen. Und sonst erhalte ich zumindest die Siegpunkte des gerade besetzten Feldes und ebenso weitere Punkte für eigene Gläser auf benachbarten Untersetzern. Kann ich dagegen nichts belegen, gehe ich komplett leer aus und hadere mit meinem Schicksal.
Piña Coladice: Wertung und Variante
Hat zuvor niemand die Piña Coladice geschafft, endet das Spiel mit 20 Punkten oder wenn jemand sein letztes Cocktailglas eingesetzt hat. Die laufende Runde wird dann noch zu Ende gespielt und es gewinnt, wer die meisten Punkte hat. Bei einer Piña Coladice ist dagegen sofort Schluss und der Sieg erreicht. Allerdings ist das Anstreben einer Reihe ja völlig absehbar und von den anderen zu durchkreuzen, falls deren Würfelergebnisse dies zulassen.

In der Schachtel wird noch eine Happy-Hour-Variante mitgeliefert. Hier ist die Unmöglichkeit, ein freies Einsetzfeld zu belegen, nicht nur ein verlorener Spielzug. Vielmehr gibt ein weiterer Würfelwurf vor, was zusätzlich geschieht. Siegpunkte oder Gläser können verloren oder aber gewonnen bzw. verschoben werden und auch da herrscht der reine Zufall. Das macht das Geschehen noch unberechenbarer, um nicht zu sagen beliebiger, und ist wohl wirklich nur in einer Happy Hour zu empfehlen oder Fans von Partyspielen aller Art.
Kritik an Piña Coladice
Eigentlich macht Piña Coladice ja Verschiedenes richtig. Und trotzdem will der Funke nicht recht überspringen bzw. der Cocktail schmecken. Zu wenig kann man selber gestalten und zu sehr ist man dem Zufall ausgeliefert. Da nützt es wenig, die ideale Vorgehensweise beim Belegen der Untersetzer vorhersehen zu können und anstreben zu wollen, wenn dann die Würfelzahlen nicht passen und alles scheitern lassen.
Und so studieren wir zu Beginn der ersten Partie durchaus interessiert die leider reichlich nüchtern gehaltenen, aber immerin funktionalen Untersetzer in der Auslage, freuen uns umso mehr über die hübschen Holzmarker der Cocktailgläser und beginnen dann rasch das Spiel. Denn das Regelwerk ist gut überblickbar und erlaubt ein schnelles Loslegen. Aber ebenso schnell erkennt man halt auch die Gesetzmässigkeiten oder vielmehr die praktisch inexistente Steuerbarkeit von Piña Coladice.
Zwar enthalten die Untersetzer zusätzlich die Namen verschiedener Cocktailzutaten. So könnte der siegriche Drink nach der Partie noch gemixt und gemeinsam getrunken werden. Aber darauf hat am Ende noch nie jemand Lust gehabt, so dass auch dieser finale Gag irgendwie ergebnislos verpufft.
