Railroad Tiles: Ausschnitt, Bild von Horrible Guild/Heidelbär

Railroad Tiles

von Michael Weber
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Wie erkläre ich unserer Leserschaft, dass Railroads Tiles (Horrible Guild/Heidelbär) ein gutes Spiel ist, aber zugleich nicht perfekt? Vielleicht mit dieser Rezension.

Vorab das Fazit zu Railroad Tiles

Ich sage es, so wie ich es finde: Mir macht Railroads Tiles von Hjalmar Hach und Lorenzo Silva Spaß. Es ist ein recht gutes Spiel. Zugleich finde ich die Grafik deutlich  verbesserungswürdig, denn die reduziert für mich den Spielspaß. Am Ende ist Railroad Tiles ein Legespiel rund um Transportwege, das ich gern mitspiele, mir aber nicht kaufen würde.

Worum geht es bei diesem Legespiel?

Railroad Tiles: Material ausgepackt, Bild von Horrible Guild/Heidelbär

Railroads Tileslehnt sich an die Reihe Railroad Ink an. Es ist aber ein im Kern einfaches Plättchenlegespiel, das mit kleinen Besonderheiten aufwartet. Ziel ist es, Verkehrswege möglichst sinnvoll und kompakt zu gestalten, um Autos, Züge und Fahrgäste optimal zu verbinden.

Dazu ist aber neben einer perfekten Ausbeute an Plättchen auch etwas Glück erforderlich. Denn es gibt immer nur dann eine gute Auswahl neuer Plättchen, wenn man in der Runde zuvor wenige Plättchen genommen hat. Das ist ein bekannter Mechanismus, aber es entsteht ein hübsches Abwägen, ob man das Beste aus der aktuellen Runde macht oder auf nachzuziehende Plättchen setzt.

Plättchen nehmen und legen

Das funktioniert so: In der Auslage befinden sich je nach Personenzahl bis zu fünf Angebote von zwei bis vier Plättchen. Die Krux: Wer ein Angebot mit mehr Plättchen nutzt, ist in der kommenden Runde später an der Reihe. Wer dagegen kleine Mengen auswählt, ist früher am Zug.

Railroad Tiles, Spiel'25 in Essen, Foto Axel Bungart
Railroad Tiles, Spiel ’25 in Essen, Foto Axel Bungart

Das ist aber nicht alles. Denn die Plättchen müssen ja auch zur eigenen Auslage passen. Ähnlich wie bei Carcassonne und anderen Legespielen ist jedes Plättchen an die Auslage so anzulegen, dass alle angrenzenden Verbindungen passen. Es ist also nicht erlaubt, Schienen an Straßen anzubinden – außer dazwischen steht ein Bahnhof. Und natürlich gibt es bei Railroad Tiles einen Legezwang …

Die Verkehrswege und Gebäude

Und damit sind wir mitten im Spiel von Railroad Tiles. Neben Schienen und Straßen gibt es nämlich Gebäude und all das versuchen alle in ihrer persönlichen Auslage optimal zu platzieren. Da es später unter anderem Punkte für zusammenhängende Gebäudeplättchen (Städte) und das größte gefüllte Rechteck gibt, ist das gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Erschwerend hinzu kommt der Punktabzug für offene Verbindungen am Auslagerand. Aber da war noch was …

Punkte für Verbindungen und Sterne

Einen relevanten Teil der Punkte gibt es bei Railroad Tiles nämlich für Verbindungen während der Partie. Mit der Wahl des Plättchenangebots gibt es jede Runde (planbar) ein gewisses Kontingent an Zügen, Lkw oder/und Passagieren. Diese werden frei, aber passend (Lkw auf Straßen usw.) auf die eigene Auslage verteilt.

Für jede Figur gleicher Art, die bereits auf den Plättchen steht und mit der neuen durch passende Verkehrswege verbunden ist, gibt es einen Punkt – maximal fünf Punkte pro Zug. Das ist anfangs mühsam, aber nach und nach wird das zu einer potenziell ergiebigen Punktequelle. Wenn, ja wenn, die Plättchen passend zur Verfügung stehen. Nichts ist ärgerlicher als Figuren, die nicht durch passende Verkehrswege verbunden werden können.

Railroad Tiles: Beispiel für Auslage, Bild von Horrible Guild/Heidelbär

Punkte für Sterne  gibt es am Runde auch noch. Diese bieten während der Partie eine Art Jokerfunktion, mit der Figuren getauscht werden können. Nachschub gibt es über Plättchenangebote, die in der aktuellen Runde nicht genutzt wurden und mit einem neuen Stern in der kommenden Runde wieder im Angebot sind.

Variante mit Aufgaben

Wer mag, kann Aufgaben nutzen. Dabei handelt es sich um Plättchen, die beim Erreichen bestimmter Konstellationen Zusatzpunkte einbringen. Das empfehle ich Profis bereits in der ersten Partie. Der Ablauf ändert sich zwar nicht großartig, aber die eigene Taktik ist etwas definierter.

Mir haben die Aufgaben aber nicht besonders gut gefallen, weil sie kaum Auswirkungen haben und letztlich den ohnehin bereits etwas vorhandenen Glücksfaktor bei der Plättchenauslage weiter erhöhen.

Der Solomodus von Railroad Tiles

Als Solospiel von Railroads Tiles funktioniert etwas anders. Herausforderungen sind zu meistern, die zum einen zu erreichende Punkte vorgeben, zum anderen bestimmte Mindestanforderungen nennen. Das ist gut gelöst und für Alleinspielende eine sehr gelungene Alternative zum Spiel gegen andere Leute.

Kritik: Gut, aber nicht perfekt

Railroad Tiles: Plättchen und Figuren, Bild von Horrible Guild/Heidelbär

Um es zu wiederholen: Mir gefällt Railroad Tiles gut. Leider gibt es aber kleine Kritikpunkte, die für mich den Spaß reduzieren.

Als wichtigster Punkt ist das die grafische Gestaltung. Mir fällt es „schwer“, Eisenbahnschienen und Straßen zu unterscheiden. Beide sind in roten Umrissen gezeichnet, die einen haben rote Querlinien für Schienen, die anderen rote Längslinien für Mittelstreifen. Eine andere Farbe oder Gestaltung wäre sehr wünschenswert. Daher: Punktabzug beim Material!

In meinen Partien von Railroad Tiles habe ich nicht nur einmal erlebt, dass jemand falsch angelegt hat, weil die Unterschiede zwar sichtbar, aber eben vergleichsweise unauffällig sind. Ähnliches gilt auch für die Städteplättchen, die ich eher hässlich illustriert finde.

Spielanleitung okay?

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Anleitung von Railroad Tiles ist ordentlich, aber fast etwas zu ausführlich. So gehen wichtige Details beim späteren Überfliegen unter. Eine bessere Kurzübersicht oder eine komprimiertere Form wäre hilfreich gewesen.

Schön gemacht: der Uhrenstapel

Gut gelungen ist der Uhrenstapel. Während der Partie ist allen klar, welche Figuren in den kommenden Runden auf die Plättchen gelegt werden können. So lässt sich alles etwas besser planen, wenn auch die Konkurrenz immer mal wieder dazwischengrätscht. Durch dieses Element unterscheidet sich Railroad Tiles aus meiner Sicht deutlich von anderen Plättchenlegespielen.

Alles in allem ist Railroad Tiles ein ordentliches Spiel

Railroad Tiles: Schachtel, Bild von Horrible Guild/Heidelbär
Obwohl ich durchaus ein paar Kritikpunkte habe, ist Railroad Tiles ein schönes Legespiel. Da die Interaktion ohnehin auf die Plättchenwahl begrenzt ist und es sich recht „solitär“ anfühlt, gefällt mir der Solomodus sogar am besten. Aber auch mit Konkurrenz ist es eine gute Alternative zu anderen Plättchenlegespielen.

An die leichte und einfache Eleganz von Metro oder das erstklassige Carcassonne reicht Railroad Tiles nicht heran. Es darf aber in meinen Regal bleiben und auf weitere Partien hoffen.

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