Runes – The Game (ich halte mich in dieser Rezension an die Kurzform Runes) ist ein Legespiel für 2-5 Personen ab 8 Jahren. Es stammt von Clemens von Bank (Eigenverlag CB Games), der seinen Namen leider nur klein in die Ecke auf die Rückseite hat drucken lassen.
Hintergrund: Worum geht es bei Runes?
Runes oder Runen sind nordische Symbole, die auf Sechseckplättchen (Runensteine) gedruckt sind. Die Story ist natürlich Quatsch: Alle sind Wikinger, die eine Kiste mit genau diesen Steinen und den Geldplättchen (Münzen) auf einer Reise gefunden haben. In Wahrheit handelt es sich um ein recht abstraktes Legespiel, bei dem Taktik und ein gutes Auge erforderlich sind.

Spielregeln von Runes: So einfach und doch so schwer
Die Sechseckplättchen zeigen an jeder Seite eine der Runen. Diese sind zur Hilfe unterschiedlichen Farben zugeordnet, zusätzlich gibt es ein Jokersymbol. Das mit den Farben ist wichtig, denn ohne wäre das alles etwas unübersichtlich. Es gilt nämlich, die Plättchen möglichst zu den bereits ausliegenden Runen passend zu legen. Einzige Legeregel: Mindestens eine Seite (nicht alle!) muss passend an die Auslage gelegt werden.
Das heißt: Je mehr Runen an den Kanten mit denen auf angrenzenden Seiten übereinstimmen, desto mehr Punkte gibt es. Diese werden praktisch „negativ“ gewertet, indem aus einem vorhandenen Münzfundus diese Punkte auf das Plättchen platziert werden. Logisch: Wer zuerst keine Münzen mehr hat, gewinnt bei Runes.

Die kleinen Feinheiten bei Runes
Das allein ist so einfach, wie trickreich. Denn aus dem einfachen Anlegen wird schnell die Suche nach der perfekten Platzierung mit möglichst vielen übereinstimmenden Symbolen. Sofortiges Losspielen ist machbar. Allerdings kommen noch ein paar fiese Details.
Runes verlangt das Reingrätschen und Ärgern
Punkte, also Münzablageplätze, gibt es auch für Sechser-Reihen und Kreise aus Plättchen mit eigenen Münzen. Wer nicht aufpasst, verhilft der Konkurrenz schnell zu einem Vorteil. Denn Gegenwehr ist durchaus möglich und gewünscht. Dazu muss nur irgendeine Person ein liegendes Plättchen durch ein eigenes mit mehr passenden Verbindungen ersetzen. Die Münzen wandern dann zurück an die betroffene Person. So entsteht ein interessantes Wechselspiel.
Weitere Besonderheiten und Ritualkarten

Einige der Runensteine von Runes sind goldfarben. Diese bringen beim Legen die doppelte Punktzahl. Ebenso gibt es schwarze Plättchen. Diese erlauben das Ziehen einer Ritualkarten.
Die Ritualkarten können jederzeit gespielt werden. Sie verändern den Ablauf deutlich. Mal wird die Zugreihenfolge geändert, mal ein Plättchen schon bei Gleichheit ersetzt, mal Münzen durch eigene ersetzt.
Das Ende der Wikingersage: Runes ist ein sehr einfaches, aber unübersichtliches Spiel
Mir gefällt die Grundidee von Runes richtig gut. Plättchen legen, von Übereinstimmungen profitieren und etwas die Konkurrenz ärgern. Leider ist die Umsetzung an einigen Stellen nicht so prickelnd. Besonders ärgerlich finde ich zwei Aspekte:
- Die gesamte Farbgebung inklusive der durchsichtigen Münzen schafft zu wenig Ruhe. Es fällt schwer, die perfekten Platzierungen zu finden. Die Farben „verschwimmen“ vor dem Auge, weshalb ich Punkte beim sonst gut gemachten Material abziehe. Etwas weniger und dafür klarere Kennzeichnungen wären äußerst hilfreich gewesen. So aber verlängert sich je nach Runde auch die Wartezeit.
- Die Runenkarten sollen Pepp in die Runde bringen. Sie torpedieren allerdings die Grundmechanik, die eine ruhige Optimierung belohnt durch eher „action- und ärgerlastige“ Änderungen.

Dennoch ist Runes ein ganz schickes Legespiel, das durchaus Spaß machen kann. Der besondere Vorteil: Die Aufmachung ist unter Beachtung der oben genannten Kritik gut, die Regeln sind einfach und klar. Schnell losspielen, Spaß haben und das Beste aus der Situation machen – so einfach kann Spielen sein. Ich würde aber andere Titel wie zum Beispiel Carcassonne, Metro, Einfach genial oder das aktuelle Railroad Tiles dennoch vorziehen. Diese wirken für mich runder, bieten etwas mehr Tiefe und sind für meine Augen übersichtlicher.
