Vorbemerkungen: Beim Spiel Skybridge von Michael Rienecke und Franz Vohwinkel aus dem Verlag Deep Print Games bzw. durch den Vertrieb von Pegasus Spiele tauchen wir in eine Fantasiewelt ein. Wir stehen vor der Aufgabe, zwei Welten (Thraen und Augenstern) durch den Bau einer Brücke miteinander zu verbinden und durch geschicktes Taktieren möglichst viele Machtpunkte zu erlangen.
Wie wird Skybridge gespielt?

Da wir es hier mit einer 20-seitigen Anleitung zu tun haben, kann ich an dieser Stelle nur einen groben Überblick über den Spielverlauf von Skybridge geben. Jeder Spieler schlüpft in die Rolle eines der fünf Charaktere mit einer einer bestimmten Fähigkeit und erhält ein entsprechendes Tableau. Hier kann er Völkerkarten anlegen, Bevölkerung bereitstellen und Ressourcen ablegen.
In jeder Runde wählt man zunächst eine Karte von den fünf offen ausliegenden Völkerkarten-Stapeln aus und legt anschließend diese oder eine von den drei übrigen Handkarten an sein Tableau an. Durch das Auslegen einer Karte werden spezifische Effekte ausgelöst. So kann man z. B. Ressourcen bekommen, um an der Brücke zu bauen: Holz, Steine, Metall, Nutztiere usw. (Catan lässt grüßen!). Oder man erlangt bestimmte Fähigkeiten, die einem weiterhelfen – entweder einmalig oder in jeder weiteren Runde.
Aber es gilt nicht nur, an der Brücke zu arbeiten, man muss auch darauf achten, dass Götterkarten ins Spiel kommen, die es einem erst ermöglichen, Machtpunkte in einem bestimmten Kartenstapel zu sammeln. Zusätzlich gibt es auch noch einen Wüstenplan, auf dem man mit der eigenen Legion und Garnisonen fremde Rebellen unter Kontrolle halten muss.
Als wäre das nicht schon genug, taucht ab der fünften Brückenbau-Phase auch noch ein Drache auf, der negativen Einfluss auf die Spieler ausübt. Zusätzlich muss man in jeder Runde darauf achten, dass die eigene Bevölkerung immer genug Nahrung hat und man so einem negativen Effekt entgeht.

Im Mittelpunkt von Skybridge steht der Brückenbau
Das Kernstück des Spiels bildet jedoch der Brückenbau. Hier wird zwar gemeinsam gebaut, aber doch punktet jeder Spieler für sich. Von Mal zu Mal wird der Bau immer schwieriger und verlangt außer den Ressourcen später auch noch bestimmte Voraussetzungen, wie z. B. Handwerker- oder Drachensymbole bzw. zusätzliche Ressourcen, die ein Skybridge-Würfel vorgibt. Erst wenn man diese Voraussetzungen erfüllt hat, darf man am nächsten Teil der Brücke bauen und erhält dafür zur Belohnung Punkte.
Während der gesamten Partie ist es wichtig, sämtliche Schauplätze im Auge zu behalten und sich schließlich für eine Aktion zu entscheiden. Häufig kommt es vor, dass ausgelegte Völkerkarten durch eine neue eigene Karte überdeckt werden und dadurch ihre Fähigkeit verlieren. Auch muss man darauf achten, dass die ausgelegten Karten mit einem der fünf Runensymbolen übereinstimmen. Sonst darf man sie nicht ablegen.
Spielende und Wertung von Skybridge
Wenn die Brücke fertiggestellt ist, endet Skybridge. Die Summe der erzielten Machtpunkte wird ermittelt. Hierbei hilft eine entsprechende App.
Das Urteil: Macht Skybridge Spaß?

Nicht ohne Grund haben wir es hier mit einem Kennerspiel zu tun. Deshalb möchten ich darauf hinweisen, dass Skybridge nicht für jeden Spieler etwas ist. Zunächst einmal ist das Thema recht speziell und spricht viele Spieler erst gar nicht an. Diese Erfahrung musste ich bei unseren Spielabenden auch machen. Hinzu kommt noch, dass auch das üppige und nicht immer verständliche Regelwerk viele Personen vom Spielen abhält. Immer wieder muss man bestimmte Regeln nachblättern und schauen, was die vielen Abbildungen auf den Karten überhaupt bedeuten. Ein Blatt mit diesen Informationen, das man neben sein Tableau zur besseren Übersicht legen könnte, wäre sehr hilfreich.
Hat man sich durch all diese ersten Schwierigkeiten hindurchgekämpft, lernt man ein äußerst interessantes Spiel kennen, das einem eine Fülle von Möglichkeiten bietet, über einen langen, nicht langweiligen Zeitraum zu spielen. Die angegebenen 60 bis 90 Minuten sind wohl etwas zu wenig.
Einprägsame Aktionen, die nur bedingt planbar sind

Die Aktionen sind immer gleich und prägen sich mit der Zeit gut ein: eine Karte ziehen, eine Karte ausspielen, sie aktivieren und gegebenenfalls an der Brücke bauen. Man muss aber ständig neue Entscheidungen treffen und alte Ideen wieder verwerfen. Durch die begrenzte Kartenauswahl ist man doch häufig sehr beschränkt in der Ausführung seiner Pläne. Hier spielt der Glücksfaktor eine nicht unerhebliche Rolle. Aber damit haben alle Spieler zu kämpfen.
Lob für das Material
Das umfangreiche Material ist noch lobenswert hervorzuheben: Figuren und Ressourcen sind aus Holz und die über 160 Karten sind auch nicht zu verachten. Aufbewahrungsboxen sorgen dafür, dass das Material übersichtlich sortiert werden kann. Dass man für das Spiel eine sehr große Tischfläche benötigt, sei auch noch erwähnt.
Es ist ein stimmiges Spiel

Insgesamt ist Skybridge ein sehr stimmiges Spiel, das man erst zu würdigen und zu lieben weiß, wenn man alle Vorurteile über Bord wirft, sich intensiv mit den Regeln beschäftigt und die geeigneten Mitspieler dafür findet, die sich dafür begeistern lassen. Nur dann kann es zu einem herausfordernden und abwechslungsreichen Spieleabend werden.
Lobend möchte ich noch erwähnen, dass der Pegasus-Verlag rasch darauf reagiert, indem er mir kostenlos ein Ersatzteil geschickt hat. Auch erhielt ich recht schnell zwei Antworten auf meine Regelfragen. Ein Service, den ich nur weiterempfehlen kann.
