Rette sich wer kann! Zombies sind unterwegs und, klar, wollen uns ans Leder. Doch entgegen allgemeiner Zwänge müssen bei Staying Alive von Kalle Krenzer (Kosmos) nicht alle Zombies eliminiert werden, um zu gewinnen. Vielmehr soll die Gruppe ihr Heil in der Flucht suchen – solange sie noch kann.
Wie wird Staying Alive gespielt?
Nichts ist bei Staying Alive so wichtig wie das gegenseitige Unterstützen! Womit auch gleich gesagt ist, dass die 3-5 Spieler kooperativ spielen. Aus einem aus verschiedenen Modulen (Basiskarten, Zusatzmodule) zusammengemischten Stapel erhält anfangs jeder drei Handkarten und sechs Ausdauerplättchen, die seine Lebensenergie darstellen. Außerdem erhält jeder noch eine Rollenkarte, die ihm eine besondere Eigenschaft verleiht. Unter den Handkarten befinden sich eben jene Zombies in zwei Stärken, Gegenstände und Waffen, mit denen man sie ausschalten kann und auch andere Gegebenheiten (z. B. Hunger und Durst), die den Spielern das Leben erschweren.
In seinem Spielzug zieht jeder Spieler zunächst eine Karte vom Nachziehstapel und hat dann zwei Aktionen. Das kann die Weitergabe von Gegenständen, Munition, Waffen, Wasser, Proviant o. ä. in Spielrichtung, also nach links, sein. Oder man packt Dinge in seinen Rucksack bzw. holt welche heraus. Natürlich kann man auch auf Zombies schießen, jedoch nur auf solche, die andere Spieler auf der Hand haben und, wichtig, nur gegen die Spielrichtung. Zombies auf der eigenen Hand können nur eingeschränkt selbst bekämpft werden. Bemerkenswerterweise ist es gerade eine Pfanne, mit der man eigene Zombies so verbeulen kann, dass sie aufgeben.

Staying Alive – nicht genug der Hürden
Außer der jeweiligen Richtung, in die geschossen und Dinge weitergegeben werden können, gibt es weitere Erschwernisse. Die wichtigste: Es darf immer nur der Spieler sprechen, der gerade am Zug ist. Der darf aber tatsächlich alles sagen, was ihm einfällt. Er darf über seine Karten sprechen, über Taktik, darf Anweisungen geben und Spieler zusammenfalten, die auf ihren dringend von anderen benötigen Gegenständen sitzen. Kommt vor. Nur seine Karten vorzeigen darf er nicht. Alle anderen müssen nicht nur schweigen, sondern dürfen auch sonst keinerlei Gesten, Geräusche oder Mimiken machen, die als solche verstanden werden sollen.
Am Ende seines Zuges muss der Spieler noch überprüfen, wie viele Belastungen (Ausrufezeichen auf den Spielkarten) er auf der Hand hat. Hat er mehr als vier, verliert er eines seiner Ausdauerplättchen.
Wenn die Gruppe für ihre Züge ausreichend Zeit hätte, wäre es bis dahin noch entspannt. Hat sie aber nicht! Einer in der Gruppe hat eine Sanduhr vor sich, die er im Auge behalten muss. Kurz bevor sie nach 90 Sekunden abläuft, muss er sie drehen, was ihn aber ein Ausdauerplättchen kostet. Die Gruppe ist also darauf bedacht, bei Staying Alive keine Zeit zu verplempern.
Einer für alle
Ist der Nachziehstapel leer, taucht die Karte auf, die es der Gruppe erlaubt, zu fliehen. Ab diesem Zeitpunkt darf jeder in der Gruppe das Team durch Flucht verlassen. Jedoch darf seine Ausdauer zu diesem Zeitpunkt nicht geringer sein als die Belastung (Ausrufezeichen) auf seinen Handkarten. Außerdem sollte er sich überlegen, ob er mit seinen Gegenständen, die er noch hat, anderen nicht doch noch helfen könnte, wozu er aber bleiben müsste.

Verliert einer seine gesamte Ausdauer oder kann die Sanduhr nicht mehr rechtzeitig gedreht werden, verliert die Gruppe bei Staying Alive. Schafft sie es aber, nach und nach zu fliehen, hat sie gewonnen.
Auf der Flucht
Von Anfang an ist klar, dass eine Partie Staying Alive kein Spaziergang wird. Die Beschränkungen in der Kommunikation, die Notwendigkeit zur ständigen Aufmerksamkeit und natürlich der Zeitfaktor sorgen für eine ordentliche Portion Stress. Entscheidend ist, wie gut die Gruppe sich gegenseitig unterstützt. Nicht nur ist es wichtig, den Mitspielern im eigenen Spielzug klare Informationen zu vermitteln, sondern genauso wichtig ist es, den anderen zuzuhören. Meldet einer Hunger an, muss es bei demjenigen klingeln, der Proviant auf der Hand hält. Besser ist es sogar, nach Proviant zu fragen, statt Hunger anzumelden. Auch die unterschiedliche Stärke der Zombies ist eine wichtige Info, denn man kann nicht mit jeder Waffe auf alle Zombies (erfolgreich) schießen. So muss jeder zu jedem Zeitpunkt voll auf der Höhe sein, um wichtige Infos zu bekommen und darauf zu reagieren.
Der Schweregrad einer Partie wird aber auch duch die Rollenkarten mit bestimmt. Während der Wachposten, der auf die Einhaltung der Zeit achtet, immer dabei ist, kann eine zufällige Verteilung der übrigen Rollen eine Partie bedeutend schwerer oder einfacher machen. Wer es halbwegs ausgeglichen halten will, sollte die Auswahl der Karten nicht dem Zufall überlassen, sondern das Set mit Bedacht zusammenstellen.
Staying Alive: Das Ziel ist das Ziel
Noch schwieriger wird es, wenn man ein Zielmodul mit ins Spiel bringt. Dieses muss die Gruppe zusätzlich gemeinsam erfüllen, bevor irgendjemand fliehen darf. Bei solchen Modulen müssen u. U. mehrere Karten von mehreren Spielern gesammelt und ausgelegt werden. Das klappt nur mit guter Kommunikation.
Sag kein Wort
Wie bei anderen Spielen mit Schweigepflicht fällt einem das Schweigen manchmal besonders schwer. Besonders dann, wenn der Zugspieler Fragen stellt – auf die er natürlich keine Antwort erhalten darf.

Rein spieltechnisch ist Staying Alive sehr übersichtlich. Karte ziehen, Aktionen durchführen. Dennoch kommt es gerade am Anfang immer mal vor, dass man bei der Überlegung des nächsten Zuges versehentlich eine Aktion zu viel geplant hat. Die zwei möglichen Aktionen fühlen sich manchmal noch weniger an, und meist drängen sich einem mindestens drei, vier Aktionen auf, die man gleichzeitig machen möchte. Symbole auf den Karten weisen darauf hin, was eine oder sogar gleich zwei Aktionen kostet und was nicht. Das muss man verinnerlichen, um den Ablauf besser in den Griff zu kriegen, sonst hat man schnell eine Aktion zu viel gemacht.
An der Symbolik der Karten liegt das nicht, denn diese ist durchaus verständlich. Die Spielregel ist im Großen und Ganzen okay, jedoch werden manche Zusammenhänge erst aus den ausführlichen Fallbeispielen klar. Dass man die Kettensäge zum Beispiel nur für Zombies auf der eigenen Hand verwenden kann, ist nirgendwo erklärt.
Staying Alive bietet verschiedene Ausgangssituationen

Das Spiel enthält zwölf Module à fünf Karten, davon fünf Zielmodule, die unterschiedlich kombiniert für reichlich Abwechslung sorgen. Mit einer Spieldauer von 20-30 Minuten ist eine Partie Staying Alive recht schnell vorbei. Kurz genug, um gleich noch eine anzuhängen, die dann schon deutlich flüssiger läuft. Allerdings fühlten sich die meisten meiner Mitspieler doch einigermaßen gestresst. Das ist nicht jedermanns Sache. Andererseits führt eine erfolgreiche, weil gut abgestimmte Teamarbeit geradezu zu Glücksgefühlen. Wer also solche Runden liebt und gerne in einem Team kooperiert, hat sicher Spaß an der Flucht vor den Zombies.
