Das Thema Nachhaltigkeit ist ja ein gesellschaftlich relevantes und somit auch eines, mit dem sich die Spieleindustrie immer mehr befasst. Ob es sich um das Produzieren der Spiele in Deutschland oder zumindest innerhalb der EU handelt, oder auch der Ersatz von Plastikverpackungen durch umweltfreundliche Alternativen, bis hin zur Herstellung von Spielkomponenten mit nachhaltigeren Materialien gibt es einige Ansätze. Lookout Spiele greift mit seiner Greenline-Reihe schon seit einiger Zeit den Nachhaltigkeitsgedanken auf und ersetzt nun bei seinem Titel SteinReich (Chris Dahlman) den Spielplan, den man wie üblich aus stabiler Pappe erwartet hätte, durch ein 49 x 71 cm großes bedrucktes Tuch aus Baumwolle.
Worum geht es beim Gesellschaftsspiel SteinReich?
Neben drei Baumwollsäckchen stoßen wir dann aber doch auch auf Pappe, denn die Edelsteine, um die es hier geht, sowie die Werkzeuge, die wir zu Ihrer Gewinnung benötigen, sind dann doch aus dem für solche Zwecke üblichen Material. Aber worum geht es denn eigentlich in dem 2-Personen-Spiel?
Es geht um das Bergen von sechs verschiedenen Edelsteinarten aus drei Höhlen. Dazu schlüpfen die beiden Spieler in die Rollen von Professor Pinguin und Sir Ozelot (der dem Spiel auch außerhalb des deutschen Sprachraums seinen Namen gibt: Sir Ocelot‘s Cave). Jedem der beiden Kontrahenten steht mit der Fledermaus und der Motte je ein treuer Gefährte zur Seite. Außerdem müssen die von uns vorher zufällig auf dem Tuch platzierten Steinchen ja irgendwie aus den Höhlen geborgen werde. Dazu besitzen wir je 5 Werkzeugplättchen in drei unterschiedlichen Kombinationen von Kompass, Laterne und Spitzhacke. Dann steigen wir mal hinab in Höhle Nummer 1. 
Drei Höhlen sind zu erkunden
Die größte der drei Höhlen enthält auf ihrem Raster aus quadratischen Feldern die meisten Edelsteine, dafür sind die in Höhlen 2 und 3 vorhandenen wenigen Steine deutlich wertvoller. Der Spielablauf ist auf den ersten Blick recht einfach. Ich setze zunächst eines meiner Werkzeugplättchen ein. Das darf ich nur auf einem der markierten Randfelder tun. Altarnativ kann ich auch meinen Gefährten einsetzen, dies aber nur auf einem Feld innerhalb der Höhle und dies muss auch noch leer sein, bzw. darf nur auf einen vorhandenen Stein im Wert von 1 gelegt werden, den ich dann sofort erhalte.
Einen Edelstein erhalte ich ansonsten immer dann, wenn er von drei verschiedenen Seiten von drei verschiedenen Werkzeugen „gesehen“ wird (wie die Regel sich ausdrückt). Heißt: Ich muss nach dem Legen eines Werkzeugs prüfen, ob es in der Sichtachse von Kompass, Spitzhacke und Laterne einen oder sogar mehrere Edelstein(e) gibt. Dabei ist es völlig egal, ob diese Plättchen von mir oder meinem Gegner gelegt wurden. Am Anfang ist das Platzieren noch einfach, wird aber im Verlauf der Partie immer mehr zu einer ausgefuchsten Grübelei, denn man möchte ja einerseits an die wertvollsten Steine ran, aber andererseits dem Gegner keine Steilvorlage zum Absahnen geben. Das lässt sich aber ab einem gewissen Punkt kaum noch vermeiden und ich habe mich oft geärgert, wenn mein Gegner wieder eine meiner abgelegten Werkzeuge für seine Zwecke genutzt und damit vielleicht sogar mehrere Steine auf einmal eingesammelt hat.
Die Gefährten dienen den Spielern übrigens als „Joker“-Werkzeug, dass man innerhalb der Höhle einsetzen darf und nur für den jeweiligen Besitzer gilt. Zweimal im Spiel darf ich beim Einsatz von Werkzeug zusätzlich den Gefährten von einer Höhle in die nächste, höherwertige versetzen. In Höhle 3 angekommen hat er aber seinen endgültigen Platz gefunden.

Unter der Erde nach Edelsteinen suchen
Was gibt’s noch zu entdecken? Da wären zum Einen die Geoden, quasi unscheinbare Steine, die erst aufgebrochen werden müssen, um den Wert des Inhalts zu erkennen. Zum Aufbrechen dient der Griff in eines der drei farblich den Höhlen entsprechenden Säckchen. Habe ich Glück, ziehe ich einen wertvollen Amethysten heraus. Ansonsten gibt es dort auch Sonderplättchen, die mir für gewisse Konstellationen am Ende noch Punkte bringen, z. B. Punkte für alle am Ende noch in den Höhlen liegenden Edelsteine. Und dann gibt es noch Cälestiten in drei Formen (Mond, Stern, Sonne). Habe ich von den Dreien ein Set gesammelt, darf ich zusätzlich sofort einen Amethysten aus dem blauen Beutel ziehen.
Und so geht der Wettstreit mehr oder weniger munter voran, bis man alle Werkzeuge aufgebraucht hat. Dann geht es noch an die Abrechnung der Edelsteinwerte und wer die meisten Punkte hat, gewinnt.
SteinReich ist kein Kinderspiel – obwohl es so aussieht

SteinReich wirkt auf den ersten Blick wie ein Kinderspiel. Putzige Tierwesen als Charaktere, bunte Aufmachung, kurze Regeln. Aber das täuscht, denn das Platzieren wird – wie oben schon erwähnt – irgendwann zu einer das Hirn strapazierenden Angelegenheit. Man will unbedingt vermeiden, dem Gegner Vorteile zu verschaffen und versucht gleichzeitig, durch geschicktes Legen mehrere Steine auf einmal einzusammeln. Das zieht die Partie schon in die Länge. Die auf der Schachtel veranschlagten 20 Minuten haben wir immer um mindestens 10 weitere gerissen.
Womit ich nicht so glücklich bin, ist der Verzicht auf einen Papp-Plan zu Gunsten des Baumwolltuchs. Man bekommt es zwar auch gerollt in die Packung, aber um den Einsatz eines Bügeleisens wird man zunächst nicht herumkommen, soll es halbwegs glatt auf dem Tisch liegen. Wenn man es faltet, liegen die Edelsteinplättchen wegen der Knicke krumm und schief auf dem Tuch und verrutschen leicht. Vielleicht ist die Produktion von Spielplänen aus Baumwolle nachhaltiger und möglicherweise auch kostengünstiger, aber hier hätte ich mir das Bewährte gewünscht. Wer aber trotz dieses (subjektiven) Mangels ein kniffliges und relativ kurzes 2-Personen Spiel sucht, ist bei SteinReich gut aufgehoben.

1 Kommentar
Hm. Ich kann mir wirklich nicht vorstelle, dass Baumwolle in Europa ökologisch besser ist als Pappe. Gibt es dazu irgendwo eine Aussage des Herstellers?