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Stellarion

Stellarion - Ausschnitt des Titelbildes, Foto HUCH

Sternengucker? Nachthimmel-Liebhaberin? Sehnsucht nach den unendlichen Weiten des Alls? Bei Stellarion von Shadi Torbey geht es genau darum: die Reise zu fernen Planeten. Das bunt-poetisch illustrierte Kartenspiel aus dem Hause Huch! erinnert mit dem Deck-Management-Mechanismus ein wenig an Palm Island. Und wie den Inselbau kann man auch die Expedition ins „Oniversum“ nicht nur solo, sondern auch zu zweit antreten.blank

Schon allein am Illustrationsstil und dem träumerisch-fantastischen Thema lässt sich aber auch auf den ersten Blick die Verwandtschaft mit Onirim erkennen: Beide Spiele sind Teil der Oniversum-Reihe von Autor Shadi Torbey und Illustratorin Élise Plessis.

Die Geheimnisse des Oniversums

Onirim, das erste Spiel der Reihe, ist auf Deutsch zuerst bei Pegasus und später dann ebenfalls bei Huch! erschienen. Die übrigen Spiele finden sich beim belgischen Verlag InPatience: Insgesamt sind es sieben Stück, zwei weitere sind bereits angekündigt. In unterschiedlichsten fantastischen Welten (bei Onirim z. B. einem Traumlabyrinth) kann man solo oder zu zweit in einer Teamvariante gegen das jeweilige Spiel antreten. Die Spieldauer ist kurz gehalten, ebenso der Aufbauaufwand, die Mechanismen variieren. Bei Stellarion reise ich nun also mitten durchs Oniversum.

Auf zu den Sternen: kurze Spielübersicht zu Stellarion

In meinem Observatorium liegen acht Kartenstapel (jede Karte gehört zu einem bestimmten Deck/Stapel). Damit muss ich die Expedition schaffen. Im Gegensatz zu Palm Island braucht Stellarion viel Tischfläche, denn jeder meiner Stapel bekommt einen eigenen Ablagestapel (der am besten quer und aufgefächert liegen sollte). Und dann gibt es da auch noch meinen Außenposten, meinen Expeditionsstapel und die Reisekarten …

Die oberste Karte jedes Stapels ist offen – nur diese darf ich in meinem Zug verwenden. Das sind also quasi meine nutzbaren „Handkarten“ (auch wenn ich sie nicht wirklich auf der Hand habe). Jede Karte gehört zu einer bestimmten Galaxie und hat außerdem einen bestimmten Typ (Nebel, Stern, Planet, Raumschiff). Bei Stellarion geht es darum, die Karten im Observatorium so zu managen, dass ein Set aus vier verschiedenen Symbolen (Typ) offenliegt.

Stellarion - Karten und Wertungstableau, Foto HUCH

Pro Runde wähle ich zwischen zwei Aktionsmöglichkeiten:

  • Koordinieren: Lege ich zwei Karten desselben Typs ab, löse ich einen von vier verschiedenen Effekten aus.
  • Abfliegen: Kann ich alle vier Typkarten einer Galaxie gesammelt ablegen, reise ich in diese Galaxie: Ich darf die entsprechende Reisekarte auf den Expeditionsstapel legen.

Habe ich alle Reisekarten auf dem Expeditionsstapel, gewinne ich. Kann ich keine Aktionen mehr machen, bevor die Reisen alle abgeschlossen sind, verliere ich Stellarion.

Deck-Management: Mit Stellarion unterwegs im Oniversum

Der Einstieg ins Deck-Management von Stellarion ist leider unnötig schwer. Es dauert eine Weile, bis man sich durch die Anleitung gearbeitet und alles verstanden hat. Denn die ist eher unübersichtlich gestaltet, erfordert gerade anfangs viel hin und her blättern und wirft beim ersten Lesen teils Fragen auf.

Auch die verschiedenen Effekte der Karten hat man erst mit der Zeit verinnerlicht. Das bremst den Spielflow anfangs. Zwar gibt es eine Übersicht auf der Anleitungsrückseite, die aber wenig hilfreich ist. Tatsächlich habe ich in den Testrunden (sowohl allein als auch zu zweit) meist lieber in die ausführliche Liste in der Anleitung selbst geschaut. Die Übersicht hinten ist zum einen (u. a. durch kleine Schrift) schlecht lesbar und zum anderen ebenfalls mit relativ viel Text versehen. Stichworte oder ähnliches, die den Effekt auf einen Blick erfassbar machen, wären hier wünschenswert gewesen.

Dabei ist das Kartenspiel eigentlich gar nicht so komplex. Hat man sich erst einmal eingespielt, spielt sich Stellarion locker-leicht, trotz der notwendigen Planungsüberlegungen. Es gilt, die Effekte gezielt so einzusetzen, dass ich an die für mein Galaxie-Set noch fehlenden Karten komme. Für einen Effekt brauche ich aber natürlich erst mal das passende Kartenpaar, der Glücksfaktor spielt also auch mit. Beim Koordinieren mische ich (ähnlich wie bei Onirim) die Decks häufig, was ich aber nicht als störend empfinde. Auch der Außenposten ist ein taktisch wichtiges Element: Hier kann ich Karten einer Galaxie für später zwischenlagern.

Der Schwierigkeitsgrad ist individuell anpassbar: über die Sternschnuppenplättchen, die ich als Joker statt einer der vier Typkarten einsetzen kann. Und auch nach dem Meistern des Basisspiels gibt es dank vier Erweiterungen noch viel zu entdecken.

Erkunde ich das Oniversum lieber allein oder zu zweit?

Stellarion ist als Solospiel konzipiert und das merkt man dem Spiel auch positiv an.

Das ist kein Spiel, das zusätzlich zu den eigentlichen Regeln einen Solomodus bekommen hat, sondern eines, das explizit fürs Alleinspielen entwickelt wurde.

Gesellschaftsspiele Stellarion, Karten, Foto HUCH

Schönerweise ist aber auch die kooperative Teamvariante alles andere als aufgesetzt. Während bei anderen Solospielen wie Palm Island die Variante für zwei eher stiefmütterlich wirkt, spielt sich Stellarion zu zweit genauso gut wie solo. Mir persönlich gefällt es zu zweit sogar besser, was aber Geschmacksache ist.

Wie, Oniversum? Was für ein Oniversum?

Wer die Reihe nicht kennt, weiß mit dem Oniversum-Logo in der oberen Ecke der Schachtel erst mal nichts anzufangen. Und spätestens wenn dann in der Anleitung die Rede davon ist, dass man ins „Oniversum“ reisen soll, entsteht Verwirrung: Was für ein Oniversum bitte? Eine entsprechende kurze Einordnung wäre hier wünschenswert, damit auch diejenigen abgeholt werden, die bislang noch nicht im Oniversum gespielt haben. Schließlich ist das Oniversum hier Teil des Spielthemas. Und auch ein Verweis auf die Reihe und die weiteren Spiele wäre sicher nicht störend (auch wenn Werbefreiheit auf und in Spielschachteln erst mal positiv ist).

Unendliche Weiten: Das Oniversum braucht viel Platz

Wie schon oben erwähnt braucht Stellarion als Deck-Management-Spiel viel Platz für eine Auslage. Ich kann zwar die Karten auch enger zusammenschieben und auf das Auffächern verzichten, sodass es auch auf einen kleineren Tisch passt. Dann wird das Spiel aber sehr unübersichtlich (und damit schwieriger). Trotz kleiner Schachtel und Karten eignet sich Stellarion daher nicht gut als Reisespiel.

Atmosphäre und Gestaltung: fantastische Sternwelt im Oniversum

Apropos Schachtel: Die ist mit zwei ausklappbaren Motiven besonders gestaltet. Das passt wunderbar zu den atmosphärischen Illustrationen, stört aber manchmal auch, weil ich immer erst die beiden Motive zur Seite klappen muss, um ans Material zu kommen. Was aber natürlich Jammern auf hohem Niveau ist, denn insgesamt ist das Spielmaterial sehr schön.

Durch die verträumt-poetischen Illustrationen entsteht von Beginn an eine schöne Atmosphäre. Im Spielverlauf selbst ist das Thema aber wenig spürbar, Stellarion spielt sich bei aller Schönheit eher abstrakt-nüchtern. Das ist schade, hätte Stellarion doch gerade durch die tolle Aufmachung viel Potenzial für ein thematisch durchdrungenes und atmosphärisch besonderes Spielerlebnis.

Ist Stellarion ein gutes Spiel?

Gesellschaftsspiele Stellarion, die Schachtel , Foto HUCH

Stellarion macht Spaß, solo ebenso wie zu zweit – wenn man sich erst mal eingespielt hat. Kritikpunkte sind der holprige Einstieg und die Übersichtsliste der Effekte. Dadurch dauert es etwas, bis man sich wirklich zurechtfindet. Das liegt aber mehr an der Anleitung als an den Regeln oder dem Spiel selbst.

Vermisst habe ich eine besondere Atmosphäre, die durch die wunderschönen Illustrationen zwar irgendwie da, aber im Spielverlauf kaum spürbar ist. Sieht man davon ab, ist Stellarion ein wirklich schönes Deck-Management-Spiel für alle, die allein oder zu zweit spielen möchten. Für alle, die das Oniversum und seine Spiele lieben, sowieso.

Infos zu Stellarion

  • Titel: Stellarion
  • Verlag: Huch!
  • Autor: Shadi Torbey
  • Spieleranzahl (von bis): 1-2
  • Alter (ab oder von bis in Jahren): 10
  • Dauer in Minuten: 30
  • Jahrgang: 2023

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