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Time Division

Time Division - Ausschnitt der Titelillustration, Foto von Heidelbär

Ob in Filmen, Serien oder Büchern, ein heißes Thema sind aktuell Multiversen. Und so wundert es auch nicht, dass dieses Thema für Gesellschaftsspiele adaptiert wird. So geschehen beim Kartenspiel Time Division von Heidelbär Games. Denn bei Time Division verschmelzen zwei Zeitlinien zu einer und jede Zeitlinie bringt ihre eigene Zeitagentur mit. Und jede dieser Zeitagenturen versucht nun möglichst ihre eigene Version der Geschichte zu bewahren, indem Mitglieder der Zeitagenturen Black Watch und Golden Hourglass durch die Zeit reisen, um einflussreiche Charaktere für ihre Seite zu gewinnen. Was dabei nach einem großen Brettspiel mit Pomp, Miniaturen, stundenlanger Spielqual und einer Bibliothek an Regeln klingt, entpuppt sich dann als schnelles Kartenduell mit leichter Einstiegshürde.blank

Time Division: einfaches Kartenspiel in pompöser Umgebung

Auch wenn Time Division von Alexander Schreiber ein Kartenspiel ist, welches lediglich aus sechs Runden besteht, in denen die beiden Spieler jeweils eine Handkarte ausspielen, kommt das Spiel doch mit einem richtigen Spielbrett, Pappaufbauten für ein dreidimensionales, funktionales Erlebnis und schicker Spielmünze daher. Das ist sinnvoll, weil sich auf dem Spielbrett Symbole wiederfinden, die bedeutsam für Ablage, Aufnahme und Einsatz der Karten sind. Außerdem fühlt sich Time Divisiond adurch auch nach deutlich mehr Spiel an.

Der grundsätzliche Ablauf ist recht einfach. Die 18 Karten eines Zeitalters werden zwischen den Spielern aufgeteilt. Dann werden drei Mal hintereinander von jedem Spieler drei Karten auf die Hand genommen und jeweils eine Karte für die eigene Kartenhand, eine Karte für die gegnerische Kartenhand und eine Karte auf einem unabhängigen Stapel abgelegt. Nach diesem „Draft“ hat jeder Spieler sechs Handkarten, mit denen er das nun folgende Duell bestreitet.

Nach dem Draft kommt die Zeitreise

Mit der Spielmünze wird der aktive Spieler bestimmt. Dieser muss nun eine Karte von der Hand offen auf sein Entscheidungsfeld auf dem Spielbrett ablegen. Dann kontert der Gegner mit einer eigenen Handkarte. Dabei hat jede Karte einen Wert von 0-10 und die Münze wandert zum Spieler mit dem höchsten Kartenwert. Dieser ist nun der aktive Spieler und muss sich entscheiden, ob er seine Karte in seinen Einflussbereich bewegt und somit am Ende der Runde den Kartenwert als Punkte erhält, oder ob er den Effekt seiner Karte nutzt. Der Gegenspieler erhält immer die verbleibende Aktion. Soll heißen, dass er bspw. den Effekt seiner gespielten Karte nutzen darf, wenn der aktive Spieler sich für die Ablage in den Einflussbereich entscheidet.

Diese Entscheidung ist auch das taktische Element von Time Division. Nehme ich die Punkte und setze mich dem Effekt meines Gegenspielers aus? Oder nutze ich meinen Effekt, aber der Gegenspieler erhält den Wert seiner Karte als Punkte? Denn wie so oft, gewinnt der Spieler, der am Ende die meisten Punkte besitzt.

Die Effekte sind dabei verschieden. Mal klaut man z. B. einfach Karten aus dem gegnerischen Einflussbereich oder vom Entscheidungsfeld, mal legt man die Karte des Gegenspielers auf den Ablagestapel, der im Spiel „Vergangenheit“ heißt, oder man darf den Effekt einer Karte vom Unabhängigkeitsstapel nutzen. Der Unabhängigkeitsstapel war die dritte Möglichkeit, wo ich Karten beim Draften ablegen kann.

Eine Einstiegshürde gilt es bei Time Division zu meistern

In den ersten Runden will es mit dem Taktieren noch nicht so recht gelingen. Dies gelingt nur, wenn man Time Division häufiger gespielt hat, die 18 Karten des Zeitalters und ihre Effekte kennt und ein wenig nachhalten kann, welche Karten der Gegner womöglich noch auf der Hand hat. Dann kann man die Effekte der gegnerischen Karten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit voraussehen und Aktionen des Gegners ins Leere laufen lassen. Dies sorgt natürlich auf der gegnerischen Seite für lange Gesichter, auf der anderen Seite für Triumphgefühle.

Tadellose Anleitung, aber komplexe Ikonographie

Time Division wächst definitiv mit jeder Rundenzahl, allerdings kommt nun die zu Beginn erwähnte Einstiegshürde. Und dies hat nichts mit den Spielregeln zu tun. Die Anleitung ist tadellos, verständlich geschrieben und bebildert sowie mit zahlreichen Beispielen versehen. Auch jede Karte und ihr Effekt wird in einem Glossar beschrieben. Zusätzlich hat man einige Beispielvideos auf YouTube zur Verfügung gestellt. Allerdings braucht es einige Partien, bis man die Ikonographie der Karten verstanden hat, um auf den Spielfluss hemmendes Nachschlagen zu verzichten.

Da Time Division mit drei Zeitaltern (altes Ägypten, Dunkles Mittelalter und 1980er) daherkommt, gibt es dieses Ruckeln und Zucken im Spiel jedes Mal, wenn man ein Zeitalter zum ersten Mal spielt. Vor allem, weil mit jedem Zeitalter auch neue Symbole und Mechaniken dazukommen, die Time Division anspruchsvoller machen.

Allerdings kann ich nicht verstehen, dass das dem Spiel in zahlreichen Besprechungen und Bewertungen negativ ausgelegt wird. Immerhin kostet Time Division ca. 30 € im Handel. Für 30 € erwarte ich nicht nur bei Preis, Thema und Verpackungsgröße mehr als ein einfaches Amigo Kartenspiel. Und ich bin auch bereit, mich in das Spiel einzuarbeiten. Wobei ich nicht den Eindruck erwecken will, dass man für Time Division studiert haben muss. Da sich die Symbole auf den Karten größtenteils auf die Symbole des Spielbretts beziehen, ist es nach kurzer Orientierung möglich, den Karteneffekt mit einem Blick zu erkennen.

Time Division: Top oder Flop?

Durch die zahlreichen verschiedenen Effekte, die verschiedenen Zeitalter und den Anstieg des Anspruchs mit jedem Zeitalter gibt es bei Time Division dann auch genug zu entdecken. Ein wenig vertan sehe ich allerdings die Gelegenheit, in den Zeitaltern historische Persönlichkeiten statt Tiere einzusetzen. Allerdings hätte man sich dabei auch der Gefahr ausgesetzt, dass man historische Persönlichkeiten mit einem Wert und einem Effekt hätte versehen müssen. Die Variante mit Tieren in verschiedenen Rollen ist risikoärmer.

Kein Flop, sondern unterhaltsam

Ist Time Division nun Top oder Flop? Aus meiner Sicht definitiv kein Flop. Das Spiel ist kurzweilig und schnell gespielt, bietet aber, wenn man einmal drin ist, doch genug Möglichkeiten zu taktieren, so dass es über längere Zeit zu unterhalten weiß. Die verschiedenen Level bauen aufeinander auf, sodass man mit weniger geübten Spielern im alten Ägypten beginnen kann, sich mit geübten Spielern aber lieber im Mittelalter oder in den 80ern die Karten um die Ohren haut. Weil eine Partie schnell heruntergespielt und das Material für eine weitere Partie ebenso schnell aufgebaut ist, hängt man gerne Partie um Partie dran, z. B. um ein Best of Five zu spielen.

Auch das Material weiß zu überzeugen. Das Spielbrett ist nicht nur Augenfang, sondern notwendig für die Mechanik des Spiels. Die Tierkarten sehen ebenfalls klasse aus, weshalb sie für mich in Sleeves gehören, damit sie nach 100 Partien noch den ursprünglichen Glanz haben.

Eine verkannte Perle?

Schachtel von Time Division, Foto von Heidelbär

Was dem Spiel aber definitiv gut tun würde, wäre eine digitale Umsetzung auf Board Game Arena, um Spieler, die nicht über die Einstiegshürde hinaus kommen, an das Spiel heranzuführen. Ich wette, dass dann auch mehr Spieler die Reise durch die Zeit antreten und sich in den drei Zeitaltern duellieren würden. Dies würde auch die Grundlage dafür bieten, dem Spiel weitere Zeitalter zu schenken, was grundsätzlich mit weiteren Kartensets einfach möglich wäre. Wer weiß, vielleicht ist Time Division auch so eine verkannte Perle, die erst Jahre später von den richtigen Spielern entdeckt wird.

Infos zu Time Division

  • Titel: Time Division
  • Verlag: Heidelbär Games
  • Autor: Alexander Schreiber
  • Spieleranzahl (von bis): 2
  • Alter (ab oder von bis in Jahren): 12
  • Dauer in Minuten: 20
  • Jahrgang: 2023
  • Video:
    YouTube

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