Wildwuchs -Ausschnitt der Titelillustration, Bild von Kosmos

Ich mag Gartenspiele! Schon als kleiner Junge habe ich ein Blumenspiel gespielt, das mir leider namentlich nicht mehr einfällt. Aber die farbigen Blumen haben mich fasziniert und ich habe es oft gespielt. Im Laufe der Jahre sind nun einige Spiele mit diesem Thema erschienen und irgendwie war da kein richtiger Knaller dabei. Es gab gute, aber keines hat mich für lange Zeit begeistert. Nun wagt sich Kosmos mit Wildwuchs von Kasper Lapp an das Thema und das Cover hat mich sofort berührt. Auch die Schachtelgröße ist angenehm, denn mein arg gebeuteltes Spieleregal ist voll, und ein kleines Paket kann man immer irgendwie unterbringen.

Rosige Zeiten

Naturthemen waren in den letzten Jahren „en vogue“ und ehrlich: Die Natur ist so wichtig! Wir brauchen mehr Wildwiesen für die Bienen und auch diese Tierchen spielen bei Wildwuchs eine Rolle, doch dazu später mehr. Positiv und völlig unvoreingenommen wage ich mich dann an Wildwuchs, denn Blumen blühen zu lassen, genieße ich auch in meinem Garten.

Wildwuchs - Blumen im Beet | Foto: Jörn Frenzel
Wildwuchs – Blumen im Beet | Foto: Jörn Frenzel

Aber erst mal heißt es die Aufsteller der Wildblumenwiese aufzubauen, und das ist eigentlich etwas, was ich nicht mag. Da übergebe ich diese Bastelei gerne meinen Mitspielern, denn ich habe damit so meine Probleme. Nicht mal das Innere der Schokoeier wollte ich früher zusammenbasteln.

So wird Wildwuchs gespielt

Der Spielplan mit den verschiedenen Farbfächern für die Blumen wird in der Mitte bereitgelegt. Auf die Fächer werden die obersten fünf Blumen mit der Vorderseite abgelegt und der Rest als Nachziehstapel verdeckt daneben. Wobei man schon erkennt welche Blume folgt, nur nicht die einzelnen Schritte auf der Blume. Schritte? Ja, wir finden sieben Lauffelder am Stiel der Blume, die teilweise mit Effekten belegt sind.

Neben dem Plan werden noch Ameisen, Bienen aus Holz und Regenbogenchips bereitgelegt. Je nach Spieleranzahl bekommt man schon zusätzlich etwas. Sei es eine Blume oder aber die Regenbogenchips. Diese können wir später als zusätzliche Bewegung nutzen, um auf den Lauffeldern schneller voranzukommen.

Wildwuchs, Pflanzen, Spiel'25 in Essen, Foto Axel Bungart
Wildwuchs, Pflanzen, Spiel ’25 in Essen, Foto Axel Bungart

Wildwuchs spielt sich dann ganz ruhig. Man nimmt eine Blume vom Plan und legt diese vor sich ab. Jeder besitzt grüne Holzsamen, von denen man einen auf das unterste Lauffeld der Blume legt. Sollten uns die Samen ausgehen, sagen wir halt nur eine Blumenart an, welche wachsen soll.

D. h., wir nehmen eine Blume vom Plan, sagen wir die Farbe an, auf der die Blume lag, und alle Blumen dieser Farbe wachsen. Jeder Mitspieler, der eine solche farbige Blume besitzt, lässt dann den Samen auf der Laufleiste weiter rücken. Rutscht der Samen dann oben raus, ist die Blume ausgewachsen. Wir stecken diese Blume nun in unsere gebastelte Wildwiese und der Samen ist wieder verfügbar.

Auf den Lauffeldern gibt es ein Doppelfeld mit einem Pfeil. Wenn wir das erste Feld davon erreichen, können wir sofort weiterrutschen und den zugehörigen Effekt nutzen, der im anderen Teil des Feldes abgedruckt ist. Das ist dann auch das, was Wildwuchs ausmacht.

Wildwuchs - Spielmaterial | Quelle: Kosmos
Wildwuchs – Spielmaterial | Quelle: Kosmos

Von Blümchen und Tierchen

Die Biene besetzt ein Feld und wir dürfen dieses Feld direkt mit unserem Samen überspringen. Dabei gilt, jede Blume verträgt nur eine Biene. Anders die Ameisen: Alle Ameisen sind immer nur auf dem Laufweg einer Blume. Dadurch wird der Weg aber auch kürzer. Der Schmetterling lässt die höchsten Blumen weiter um einen Schritt wachsen und die Raupe die niedrigsten Blumen. Beim Marienkäfer bekommt man eine Blume vom Nachziehstapel dazu und der Grashüpfer lässt uns auf eine andere Blume mit Grashüpfer springen, um so schneller voranzukommen. Haben wir fünf verschiedene Blumen auf unserer Wildwiese, gibt es ein Regenbogenplättchen.

Der Plan wird nach dem Spielzug wieder aufgefüllt und wenn die letzte Blume auf den Plan gelegt wird, endet das Spiel. Wer die meisten Blumen auf seiner Wiese hat gewinnt.

Macht das Gartenspiel Wildwuchs Spaß?

Wildwuchs, Material, Spiel'25 in Essen, Foto Axel Bungart
Wildwuchs, Material, Spiel ’25 in Essen, Foto Axel Bungart

Wildwuchs ist das, was man ein klassisches Familienspiel nennt. Leicht erlernbar und locker spielbar. Vielleicht nicht ganz so einfach aus dem Bauch heraus, denn ich muss schon überlegen, ob ich die Doppelfelder immer gleich nutze und der Vorteil mir auch etwas bringt.

Aber sonst spielt sich Wildwuchs recht flott herunter. Etwas entsetzt war ich über die Blumen. Viel dünner ging es nun wirklich nicht. Soll vielleicht daran liegen, dass man die Blumen dann ja in die selbst gebastelte Wiese stecken soll. Aber so labil? Vor Jahren hatte Kosmos das schon mal mit der ersten Seefahrererweiterung von Die Siedler von Catan getan und musste dann nachliefern.

Hier ist es keine Erweiterung, aber man hätte schon etwas stabiler konstruieren können. Zumal ja die Bienen, Ameisen und Samen aus Holz und sehr gut verarbeitet sind. Was immer auch dazu beigetragen hat, so dünne Papierblumen zu verwenden. Das hält nicht lange.

Wildwuchs -Schachtel, Bild von Kosmos

Sonst spielt sich Wildwuchs in allen Konstellationen gleich gut und trotz seiner leichten Materialmängel gefällt es mir. Schöne Grafiken, ein leichter Zugang und angenehme Spieldauer haben mich davon überzeugt.

Wer ein Spiel für die ganze Familie sucht, in der die Kinder nicht zu klein sind, kann hier problemlos zugreifen. Aber bitte nicht bei den Blumen im Spiel, die halten das nicht aus. Sonst sind es schöne 30 Minuten für die ganze Familie. Seid also vorsichtig beim Pflücken vom Tisch und genießt den Anblick der fertigen Blumenwiese. Thematische Alternativen sind unter anderem die Titel Pergola, Cottage Garden oder Botanicus.

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