Wissenschaftlichen Vermutungen zufolge sind kleine aufsteigende Gasbläschen, die sich durch elektrische Ladung selbst entzünden, die Ursache für Lichterscheinungen in Mooren, Sümpfen und Wäldern. Weil aber „Selbstentzündende Waldgasbläschen“ kein populärer Name für ein Spiel wäre und weil es mystischer und zugleich fantasy-geeignet erscheint, haben Menschen diese Erscheinungen Irrlichter genannt: Wispwoods.
Wie wird Wispwood gespielt?

Nicht ganz zufällig sammeln daher bei Wispwood von Reed Ambrose (CGE) 2-4 Spieler Wispwoods in Grün, Orange, Rot und Blau für ihren Wald ein. Und weil das eingängiger erscheint, haben diese auch unterschiedliche Erscheinungsformen als Hut, Kürbis, Herz und … irgendwas.
Acht zufällige Wispwoods liegen rund um einen See offen aus. Wer am Zug ist, nimmt sich eines der quadratischen Plättchen und legt es in seine Auslage, die damit langsam zum Wald wird. Denn der Spieler bekommt zu dem Irrlichtplättchen noch weitere Baumplättchen dazu, mit denen er eine tetrisartige Figur formen muss. Welche Figur das ist, ist neben dem Platz am See abgebildet, von dem das Irrlicht kommt. Zwei hat man dabei zur Auswahl. Genau so muss das Irrlicht mit den Bäumen dann in den Wald passen. In der ersten Runde formt man so einen Wald aus 4 x 4 Plättchen. Wird der Wald langsam voller, muss man ggf. nur noch Waldplättchen ziehen (= Baumzug), weil sonst keine geometrische Form mehr passt. Hat der erste Spieler seinen Wald vollendet, endet die erste Runde und es kommt zu Wertung.

Ein Hauch von Cascadia
Ähnlich wie bei Cascadia gibt es für jede Irrlichterart Wertungskarten, von denen je eine anfangs gezogen und für alle geltend ausgelegt wird. So muss man z. B. die Kürbis-Irrlichter in bestimmte Formationen legen, die blauen Irgendwasse möglichst mit anderen zusammen und von den grünen Hüten möglichst viele Dreiersets haben. Selbst Bäume bringen dann für unterschiedliche Anordnungen Punkte. Wurde alles gewertet, werden alle Baumplättchen aus dem Wald entfernt, die Irrlichter aber bleiben liegen. Dann geht es in die zweite Runde. In dieser passiert dasselbe wie in Durchgang eins, nur ist der Wald jetzt 5 x 5 Felder groß. Nach der zweiten Wertung kommt Runde drei mit einem Wald aus 6 x 6 Feldern. Nach der dritten Wertung ist Schluss und es gewinnt, wer in Summe die meisten Punkte hat.
Macht das Gesellschaftsspiel Wispwood Spaß?

Vieles von Wispwood ist bekannt. Set Collection ist das Schlagwort, und viel mehr ist es auch nicht. Aber dennoch weiß es zu unterhalten.
Mich hat an Wispwood vor allem angesprochen, dass die Waldauslage der Spieler nach jedem Durchgang auseinandergerissen wird und man die Neugestaltung um die restlich ausliegenden Plättchen herum vornimmt.
Das hat was. War man in einem Durchgang noch unglücklich über verbaute Plättchen, eröffnen sich im neuen Wald plötzlich wieder Möglichkeiten und man kommt doch noch zu Punkten.
Außerdem wird das Nehmen und Einbauen der Plättchen durch eine Katze unterstützt, die auf einem Baum eines jeden Spielers sitzt. Dreht man sein Katzenplättchen um, darf man entweder die Auslage der Irrlichter am See erneuern oder sich die Form, in der man das Plättchen einbauen muss, aussuchen. Wer diese Hilfe früh in Anspruch nimmt, muss das Plättchen erst wieder reaktivieren, was einen Baumzug kostet. Doch je nach Situation kann man hier geschickt agieren und die Nutzung der Katze bis zum meist ohnehin fälligen Baumzug herauszögern. Ein bisschen Taktik geht also.

Punkte für extreme Strategien
Etwas strategisch sollte man auch vorgehen. Wenn alle Spieler ihre Schwerpunkte auf dieselben Irrlichter ausrichten, nutzt das keinem richtig, daher sollte man die Auslage der Gegner im Auge behalten. Das macht Wispwood aber anfällig für Extremstrategien (wenn man das etwas hochtrabend so nennen möchte), und das Spiel belohnt solche Bestrebungen. Wer sich überwiegend auf eine Farbe konzentriert, kann in diesem Bereich extrem viele Punkte machen. Ein bisschen Beiwerk kommt immer dazu, sodass man auch für andere Irrlichter noch Punkte mitnehmen kann.

Das Material und auch die Spielregel sind einwandfrei. Die Regeln sind in wenigen Minuten erklärt und man kommt schnell ins Spiel. Die Farben der Plättchen sind leuchtend und wirken kontrastreich zwischen den Baumplättchen. Als Gimmick leuchten die Irrlichter, wenn man sie nur mit Schwarzlicht bestrahlt. Doch wer hat schon Schwarzlicht überm Spieletisch?
Spielt man Wispwood immer wieder?

Wispwood bietet aufgrund der fünf unterschiedlichen Aufgaben etwas Abwechslung für jede Irrlichtfarbe. In Kombination mit den anderen Karten ergeben sich daraus abwechslungsreiche Konstellationen für zahlreiche Partien. Dennoch verleitet die Punkteausbeute dazu, sich strategisch immer eine Irrlichtsorte auszuwählen und zu versuchen, diese maximal auszubeuten. Das ist Spielern mit gehobenen Ansprüchen auf Dauer womöglich zu flach, bietet aber allen anderen unterhaltsame Partien. Mit einer Spieldauer von 30-45 Minuten liegt man dabei auch im Rahmen der Zeit, in der Wispwood für ausreichend Spannung sorgt.
Wer mag, kann Wispwood auch solo gegen eine der Katzen spielen, die dann die Irrlichter vom See klaut und damit nach einer Tabelle punktet. Das funktioniert, ist herausfordernd, aber eben – solo.
