Zug um Zug - Iberia und Südkorea, Ausschnitt des Titelbildes Foto Days Of Wonder
Reich der Spiele RezensionZug um Zug: Iberia und South Korea

Zug um Zug: Iberia und South Korea

von Axel Bungart
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Nach längerer Zeit des Darbens konnten sich Fans der Reihe Zug um Zug im Herbst 2024 wieder über eine neue Streckenerweiterung freuen. Und sie beweist, dass den Machern der Spielreihe von Days Of Wonder die Ideen noch nicht ausgegangen sind.

Ein doppelseitiger Spielplan mit den Karten für Iberia (Spanien, Portugal) und Süd-Korea sowie passende Auftragskarten, Waggonkarten und ein paar Sonderkarten für die Süd-Korea-Karte ist der Inhalt der Schachtel. Damit ist klar, dass es sich nicht um ein eigenständiges Spiel handelt, sondern um die Map Collection Nr. 8, für die es Waggons aus einem der Grundspiele von Zug um Zug braucht.

Wem die grundlegende Spielweise von Alan R. Moons Zug um Zug noch nicht bekannt ist, der liest bitte gerne hier nach.

So wird Zug um Zug: Iberia und South Korea gespielt

Die simplere Version der beiden neuen Varianten, zeigt die Iberische Halbinsel inkl. Mallorca. Hier ist der Spielablauf kaum verändert, doch werden die Zielkarten zu Beginn hier nicht einfach verteilt, sondern es werden sechs Zielkarten je Spieler gedraftet, von denen man anfangs genau vier behalten muss. Wird während des Spiels eine bestimmte Karte aus dem Waggonkartenstapel gezogen, wiederholt man das Drafting mit erneut sechs Karten je Spieler; wieder muss jeder genau vier behalten. Erst dann kann man auch Zielkarten nachziehen.

Zug um Zug Iberia - Ausschnitt der Landkarte | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug Iberia – Ausschnitt der Landkarte | Foto: Axel Bungart

Spanien im Feiermodus

Die meisten Städte auf diesem Plan sind grafisch etwas hervorgehoben. Es sind Städte, in denen Festivals stattfinden, und deswegen gibt es dort etwas zu holen.

Zug um Zug Iberia - Festivalkarten am Spielplan | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug Iberia – Festivalkarten am Spielplan | Foto: Axel Bungart

In den Waggonstapel werden nämlich zu Spielbeginn Festivalkarten eingemischt. Diese zeigen eben diese besonders hervorgehobenen Städtenamen und sollen von den Spielern im Laufe der Partie eingesammelt werden. Immer wenn eine Festivalkarte beim Nachziehen vom Waggonkartenstapel aufgedeckt wird, wird diese in der Nähe der betreffenden Stadt neben dem Spielplan offen ausgelegt. Derjenige, der diese Stadt als nächster mit einer Strecke anschließt, erhält die ausliegende(n) Karte(n). Je mehr Karten man von einer Stadt sammeln kann, desto mehr Bonuspunkte gibt es am Spielende.

Die South-Korea-Karte

Zug um Zug South Korea - Spielplan | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug South Korea – Spielplan | Foto: Axel Bungart

Ganz anders verhält es sich mit South Korea. Auch bei dieser Version werden zwar Zielkarten gedraftet, aber nur einmal zu Spielbeginn. Auffällig ist hier schon beim ersten Hinsehen, dass die Streckenfarben nicht bunt auf der Karte verteilt, sondern regional sortiert sind. So findet man im Norden nur gelbe und blaue Strecken, während es im Süden überwiegend schwarze und rote gibt. Außerdem gibt es zwei zusätzliche Optionen für den Spielablauf. Jeder Spieler erhält drei Expresszug-Karten mit den Werten +1, +2 und +3. Diese kann er jeweils einmalig einsetzen, um zusätzliche Waggon- oder Zielkarten zu ziehen.

Außerdem gibt es eine zusätzliche separate Zugtafel, den Provinzen-Plan, auf dem man einen Waggon platzieren kann, wenn man eine Strecke genutzt hat. Man stellt einen seiner Waggons auf eines der Gleise auf diesem Plan. Die nummerierten und farbigen Felder der Gleise entsprechen dabei der Streckenlänge, die man in seinem Zug gerade genutzt hat. Hat man also in seinem Zug eine rote Viererstrecke genutzt, kann man seinen Waggon auf das rote Feld Nr. 4 des Provinzen-Plans stellen. Auch hierfür kann man die Expresszug-Karten verwenden und seinen Waggon damit auf ein höheres Feld setzen. Für jede Gleisfarbe des Provinzen-Plans wird am Ende ein Bonus an den/die Spieler vergeben, der/die hier die meisten Punkte haben. Hier sind, je nach Spieleranzahl, 2-10 Punkte je Farbe zu holen.

Zug um Zug South Korea - Waggons auf dem Provinzen-Plan | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug South Korea – Waggons auf dem Provinzen-Plan | Foto: Axel Bungart

Wie spielen sich die beiden Karten von Zug um Zug: Iberia und South Korea?

Für beide neue Spielpläne gibt es nur wenige Regeländerungen, die auf jeweils zwei Seiten gut und vollständig beschrieben und mit Beispielen verdeutlicht werden. Man findet schnell ins Spiel.

Bei der Iberia-Variante gibt es im eigentlichen Spielablauf keine Änderungen. Natürlich hat man die ausliegenden Festivalkarten im Blick, sollte man auch, denn sie bringen am Ende mitunter reichlich Punkte. Insofern ist es durchaus eine Überlegung wert, die Zielkartenauswahl anders zu treffen als in einer herkömmlichen Version (ohne Bonus). Das ist aber eher eine strategische Frage. Rein mechanisch passiert hier das gleich wie bei vielen anderen Varianten.

Zug um Zug Iberia - Festivalkarten Valencia | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug Iberia – Festivalkarten Valencia | Foto: Axel Bungart

Ein bisschen chaotisch wird es, wenn an vielen Städten gleichzeitig Festivalkarten ausliegen. Nur wer viel Platz auf dem Tisch hat, kann die Karten so auslegen, dass sie nicht irgendwo im Weg liegen. Solange sich auch noch Festivalkarten im Waggonkartenstapel befinden, kann das Nachziehen etwas lästig werden. Wenn nämlich für eine nachzuziehende Waggonkarte erst mal fünf Festivalkarten aufgedeckt werden müssen, ist etwas Geduld gefragt.

Augen auf bei der Streckenwahl

Bei South Korea sieht das ganz anders aus. Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, die sich auf den Spielablauf auswirken. Dadurch, dass die Farben der Strecken regional sortiert sind, zwingt sich eine andere Auswahl an Zielkarten geradezu auf. Wer, wie üblich, versucht, seine Zielkarten so zu wählen, dass sie möglichst über eine Strecke bzw. in eine Richtung verlaufen, wird hier eine Bruchlandung hinlegen. Das Problem tritt zutage, wenn eine benötigte Farbe von Waggonkarten einfach nicht kommen will (oder immer von den Konkurrenten weggeschnappt wird). Bisher hat man dann einen (möglichst kleinen) Umweg genommen. Doch nun kann es passieren, dass man auch für den Umweg dieselbe Farbe benötigt, weil es eben in dieser Region nur diese Gleisfarbe gibt. Dann droht eine ganze Reihe von Aufträgen zu scheitern.

Zug um Zug South Korea - Spielsituation | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug South Korea – Spielsituation | Foto: Axel Bungart

Eskaliert wird das Problem dadurch, dass Spieler Karten einer bestimmten Farbe ziehen und diese nicht wieder ausspielen, weil sie sie einfach nicht verwenden können. Dann sammeln sie sich auf der Hand und sind quasi aus dem Spiel genommen. An dieser Stelle scheint mir die Spielmechanik nicht ausreichend durchdacht zu sein. Denn es gibt auf dem ganzen Spielplan auch nur zwei graue Strecken, auf denen man Karten, für die man woanders keine Verwendung hat, einsetzen und so wieder in Umlauf bringen könnte. Auch gibt es keine Jokerlösung, bei der man beispielsweise Karten in einem bestimmten Verhältnis tauschen könnte.

Bei unserer ersten Partie sind wir diesem Umstand dann auch tatsächlich ziemlich auf den Leim gegangen, weil wir uns den Spielplan nicht richtig angesehen hatten. Das passiert natürlich kein zweites Mal, und man versucht, seine Zielaufträge besser zu mischen.

Zug um Zug South Korea - Zielkarte | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug South Korea – Zielkarte | Foto: Axel Bungart

Drafting statt Verteilen

Was beiden Versionen von Zug um Zug: Iberia und South Korea gemein ist, ist das Drafting der Zielkarten. Das hat uns deutlich besser gefallen als das starre Verteilen von Karten. Bei der Iberia-Variante ist der zweite Draft-Durchgang so eine Mischung auf Hoffnung und Verzweiflung. Während man sich selbst die Aufträge herausfischt, die am besten passen, überlässt man den Gegnern sehenden Auges Karten, mit denen sie ihr Netz ausbauen können. Am Ende sind es aber mindestens acht Aufträge, die erfüllt sein wollen.

Machen die beiden neuen Spielpläne von Zug um Zug: Iberia und South Korea Spaß?

Zug um Zug - Iberia und Südkorea, Schachtel, Foto Days Of Wonder

Beide neuen Varianten gefallen mir gut, wobei Iberia mit seinen wenigen Änderungen keine wesentlich neuen Herausforderungen mit sich bringt. Deutlich herausfordernder ist dagegen South Korea, was sich sowohl in der Spielvorbereitung als auch während der Partie mit der Nutzung des Provinzen-Plans äußert. Dass bei Nicht-Korea-Kennern die Aussprache der Städtenamen recht kreativ ausfallen kann, sorgt meist für lustige Momente, aber man weiß ja, was gemeint ist.

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