Über den Tellerrand: Spielend lernen

5 Tipps für spielerisches Fördern

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 14.12.2018
Über den Tellerrand: Spielend lernen - Foto von Clipdealer
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Spielen ist nicht nur Spaß. Spielen ist auch Lernen. Wir wagen einen Blick über den tellerrand und zeigen anhand von fünf Beispielen, wie Kinder nicht nur durch Gesellschaftsspiele ganz spielend lernen. Vielleicht ergibt sich daraus ja sogar noch die eine oder andere Geschenkidee zu Weihnachten oder zum nächsten Geburtstag.

Die meisten Ansätze folgen dem groben Prinzip des in Deutschland seit Hartz IV nicht mehr gern gehörten "fördern und fordern": Diese beiden Begriffe fallen in Bezug auf Kindererziehung und kindliche Entwicklung jedoch in der entwicklungspädagogischen Betrachtung immer wieder. Viele Eltern jedoch wissen nicht so recht, was sie sich darunter vorstellen können und wollen ihren Kindern nicht die unbeschwerte Kindheit nehmen. In Wirklichkeit aber können Fördern und Fordern insbesondere im spielerischen Kontext erfolgen. Fähigkeiten mit viel Spaß dabei zu verbessern, gelingt dann ganz entspannt. Fünf Bespiele zeigen dies.

1. Malen und Zeichnen mit verschiedenen Materialien

Sich kreativ zu betätigen, ist für die kindliche Entwicklung aus vielerlei Gründen sinnvoll. So helfen Malen und Zeichnen dabei, die Feinmotorik zu schulen, Experimentierfreude auszuleben und auch die Augen-Hand-Koordination zu verbessern. Das Arbeiten mit unterschiedlichen Materialien wie Wasserfarbe, Holzstiften, Wachsmalstiften und Stempeln zeigt Kindern, wie sie ein Bild aus ihrer Vorstellung auf Papier bringen und fördert die Flexibilität. Ganz nebenbei entstehen dabei schöne Bilder, die Eltern in Kunstmappen oder auch Rahmen aufbewahren können.

Auch Basteln ist in diesem Zusammenhang ein großartiges Förder-Instrument. Hier zeigt sich die Materialvielfalt noch umfangreicher, was Motorik, Kreativität und Selbstwirksamkeit fördert. Kinder sollten nicht immer nur nach Anleitung basteln, sondern im besten Fall auch dazu animiert werden, eigene Projekte zu erfinden und diese in die Tat umzusetzen. Später in der Schule helfen die so gewonnenen Erkenntnisse dabei, neue Lösungswege zu finden und die Frustrationstoleranz zu erhöhen.

2. Puzzles und puzzleartiges Spielzeug

Kaum eine Beschäftigung fördert Kinder auf so vielfältige Weise wie das Puzzeln. Hier ist es wichtig, sie nicht mit dem jeweiligen Modell zu überfordern, weswegen Altersangaben auf der Packung unbedingt berücksichtigt werden sollten. Ist das Puzzle zu schwer, geben Kinder schneller auf und es fällt ihnen schwerer, es erneut zu versuchen. Ist es zu leicht, geht der fördernde Effekt verloren und die fehlende Herausforderung sorgt für Langeweile. Das heißt: Während die ganz Kleinen noch puzzleartiges Spielzeug ausprobieren, die Kinderghartenkinder langsam großformatige Puzzles zu beherrschen wissen, sind 3D-Puzzles nur was für ältere Kinder. Ein entsprechend altersgerechtes Puzzle aber fördert laut kita.de Aspekte wie

  • das räumliche und abstrakte Denken,
  • motorische Fähigkeiten
  • und die Konzentrationsfähigkeit.

Zudem kann Puzzeln sehr entspannend wirken, Kindern zu mehr Geduld verhelfen und ihre Selbstwirksamkeit fördern. Kinder, die regelmäßig puzzeln, halten künftig auch bei kniffligen Aufgaben durch und sind teilweise sogar im mathematischen Bereich besser als ihre Schulkameraden. Damit größere Puzzles nicht ständig kaputtgehen, lohnt sich die Anschaffung einer speziellen Puzzlematte, die sich kurzerhand zusammenrollen und platzsparend verstauen lässt.

3. Feinmotorik schulen mit Bügelperlen und Co.

Sobald Kinder den sogenannten Pinzettengriff beherrschen, freuen sie sich über Aufgaben, die ihre Feinmotorik noch weiter fördern und dabei Lust auf kreatives Gestalten machen. Hier gibt es glücklicherweise sehr viele Möglichkeiten. So eignen sich Bügelperlen gut, um die Feinmotorik spielerisch zu fördern. Sie werden auf spezielle Platten gesteckt und bilden so nach kurzer Zeit ein schönes Bild. Da Bügelperlen aus Kunststoff bestehen, verschmelzen sie beim späteren Bügeln miteinander. So lassen sich tolle Untersetzer, Anhänger oder Kunstwerke zum Aufstellen kreieren.

Ebenfalls förderlich für das feinmotorische Geschick sind Spielwaren wie eine Strickliesel, ein Webrahmen, Stickerbücher und Bausätze. Weitere Ideen und Übungen hat grundschulschnueffler.de zusammengestellt. Kinder, die sich an solche Aufgaben heranwagen, üben nicht nur ihre Fähigkeiten, sondern können teilweise wunderbare Gegenstände zaubern.

4. Neugierde wecken mit Experimentierkästen

Für Kinder ist die ganze Welt ein großer Spielplatz. Ein richtig spannendes Spielzeug für kleine Hobby-Wissenschaftler sind Experimentierkästen. Diese gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen, die sich gut an das Alter des Kindes anpassen lassen. Von kleinen Kästen zum Thema Garten und Natur bis zum zu größeren Modellen, die sich mit Naturwissenschaften oder auch den Planeten beschäftigen, fördern Experimentierkästen das eigenständige Forschen.

Im Spiel mit einem solchen Set lernen Kinder viele wertvolle Dinge, die ihnen auch später in der Schule noch Vorteile bieten können. Aber Achtung: Damit das Spielen stets sicher bleibt, sollten Kästen altersgerecht ausgewählt werden. Chemikalien oder auch Strom gehören selbstverständlich nicht in die Hände kleinerer Kinder. Hersteller wissen das jedoch und sind bei der Angabe von Altersempfehlungen verantwortungsbewusst. Im Zweifel lohnt es sich, einen Experimentierkasten gemeinsam zu erforschen. Dann können Eltern ihren Kindern den Umgang mit verschiedenen Instrumenten noch etwas besser erklären. Vielleicht lernt auf diese Weise auch der eine oder andere Elternteil etwas neues hinzu.

5. Gesellschaftsspiele für Sozialkompetenz

Natürlich darf in dieser Auflistung nicht das Thema Gesellschaftsspiele fehlen. Schließlich sind wir auf Reich der Spiele. dürfen in keinem Familienhaushalt fehlen. Sie bringen Eltern und Kinder nicht nur zusammen, sondern erweisen sich auch als vielfältige Förder-Instrumente, die ganz ohne Lerncharakter daherkommen. Es lohnt sich, verschiedene Spieltypen auszuprobieren, bei denen die ganze Familie entweder im Team oder auch gegeneinander spielt. Beide Prinzipien fördern unterschiedliche Kompetenzen. So hilft ein Teamspiel dabei, Fähigkeiten wie Kooperationsfähigkeit, Kommunikation, Rücksichtnahme und Kritikfähigkeit zu verbessern, während klassische Konkurrenzspiele die Frustrationstoleranz erhöhen, Empathiefähigkeit schulen und einen respektvollen Umgang fördern. Am Anfang mag das im Falle einer Niederlage noch sehr schwierig sein, mit der Zeit aber bessert sich das.

Wann der richtige Moment zum Start in die Gesellschaftsspiel-Tradition gekommen ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Fest steht jedoch, dass ein früher Anfang sinnvoll sein kann, um auch das Regelverständnis, logisches sowie strategisches Denken und die Konzentration zu fördern. Auch hier gilt: Das ausgesuchte Spiel sollte altersgerecht sein. Es gibt fantastische Kinderspiele, die durch tolle Themen, Mechanismen und kindgerechte Ausstattung überzeugen.

Ein gutes Spiel fordert Kinder etwas heraus, gibt ihnen jedoch die Möglichkeit, selbständig zu gewinnen. Wer immer nur verliert, wird schnell keine Lust mehr auf einen Spieleabend haben. Wechseln sich Siege und Niederlagen jedoch ab, steigt die Bereitschaft, anderen ein Erfolgserlebnis zu gönnen und fair zu spielen. Die Jury Spiel des Jahres fördert übrigens eine Reihe von Projekten, die sich speziell mit dem spielerischen Lernen in Kindertagesstätten und Schulen befassen. Ein schöner Start. Und es ist nie zu spät.

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