Die Ahnungslosentaktik

Durch Verwirren gewinnen

ein Spiele-Artikel von Riemi - 30.11.2013
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Die kleinen Verwirrten kennt man meistens von Turnieren. Liebe nette Zeitgenossen, die anscheinend das Schicksal zu so einem Spieleturnier gelockt hat. Da sitzen sie nun zwischen all den Profis und haben anscheinend keinen blassen Schimmer, was zu tun ist. Natürlich wird so einer Person gerne geholfen und erklärt ihr nebenbei ein wenig das Spiel. Kann ja nicht schaden. Denn der oder die hat ja eh keine Ahnung von dem, was zu tun ist und ist deswegen absolut Chancenlos. Denkt man.

Es entwickelt sich eine harmlose Plauderei und eh man sich versieht, sammelt der/die Ahnungslose Siegpunkt um Siegpunkt und schleicht sich unbemerkt nach vorne. Keiner bekommt das so richtig mit. Am wenigsten der/die Ahnungslose. Scheinbar. Irgendwann ist es zu spät, um den Vorsprung noch einzuholen. Die Erkenntnis, man hat sich einlullen lassen, kommt zunächst nicht in den Sinn. Der/Die Ahnungslose ist selber über den Sieg überrascht und schiebt den Sieg auf Anfängerglück. Man glaubt es gerne. Denn anders wäre das auch nicht möglich. Zufrieden verabschiedet er/sie sich und hinterlässt ratlose Mitspieler. Am nächsten Tisch ist man vielleicht gewarnt, aber auch schlägt sich der/die Ahnungslose wacker. Was ist das Geheimnis?

Nun, da ich selber so ein Ahnungsloser bin. Hier die Auflösung: Mangelnde Turniervorbereitung ist das Geheimnis. Man hat kleine Regellücken und muss tatsächlich fragen. Aber, man spielt ja nicht zum ersten Mal ein Turnier und kann deswegen improvisieren. Gewonnen wird so fast nebenbei. Das wirkt authentisch, weil man ja wirklich ein Stück ahnungslos ist. Was einem dann irgendwann nicht mehr abgenommen wird. „Du hast letztes Jahr beim Turnier auch so gefragt und gewonnen“ wurde mir schon vorgeworfen. Ich versichere nochmals, ich muss wirklich zwischendurch fragen. Meine Spielerfahrung macht dann den Rest. Oder auch nicht. Denn diese Taktik hat doch erhebliche Schwächen.

Zur Beruhigung. Ich bin selber schon mal einem Ahnungslosen auf dem Leim gegangen. Bei Um Reifenbreite ließ er sich die Feinheiten (Massensturtz und solche Dinge) erklären, um uns dann echt doof stehen zu lassen. Den Namen von dem Typen habe ich mir gemerkt. „Und wenn ich dich eines Tages auf einem Turnier wieder treffe, werde ich dir ins Gesicht sagen: Damals hast du auch so ahnungslos getan und gewonnen“.