Alexander Pfister über Die Minen von Zavandor

Aufgewertete Stollen-Versteigerung

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 22.09.2010
Alexander Pfister von Alexander Pfister
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Alexander, dein neues Spiel heißt Die Minen von Zavandor und erscheint bei Lookout Games. Das klingt nach einem Nachfolger zu Das Zepter von Zavandor von Jens Drögemüller. Wie gehören beide Spiele zusammen?
„Beide spielen in der gleichen thematischen Welt, wobei bei Die Minen von Zavandor Zwerge im Mittelpunkt stehen. Sowohl beim Zepter als auch bei den Minen geht  es um Edelsteine und hohes Einkommen. Mit ihnen steigert man um Karten, die einem im Spielverlauf weiterhelfen bzw. Siegpunkte bringen.“

War es schwierig dein Spiel auf die ungefähre Welt von Das Zepter von Zavandor abzustimmen? Was bedeutet so etwas für die Spieleentwicklung?
„Nein, das war nicht schwierig, weil bereits am Anfang des Spiels das Konzept der Minen und der Produktion verschiedener Erze stand. Über die Entwicklungsdauer des Spieles gab es dann auch andere Themen, aber ich habe mich sehr gefreut, als sich bei Lookout Games der Kreis wieder geschlossen hat. Klemens Franz, der Grafiker, hat eine tolle Verbindung der beiden Welten hergestellt.“

Bitte erklär uns kurz, worum es im Spiel inhaltlich geht.
„Bei Die Minen von Zavandor schlüpfen die Spieler in die Rolle eines Bewerbers um die Nachfolge des Zwergenkönigs Grimmborn. Dabei hat jeder Spieler einen Familienclan mit eigenen Stärken und Schwächen. Mit den Clans schürfen die Spieler wertvolle Edelsteine aus vier verschiedenen Stollen. Dabei hat jeder Stolle eine unterschiedliche Verteilung, welche Edelsteine man dort findet. Die Edelsteine benötigt man um die eigene Macht zu vergrößern, hilfreiche Zwerge, Elfen oder Druiden anzuheuern oder prunkvolle Altäre zu errichten. Wenn Grimmborn in der Krönungshalle ankommt (nach ca. 60-90 Minuten), endet das Spiel und einer der zwei bis vier Spieler wird zum Nachfolger gekrönt!“

Mit welchem Hauptmechanismus bringst du den Spielspaß ins Spiel? Was ist das Besondere an Die Minen von Zavandor?
„Zum einen ist es ein Aufbauspiel, bei dem man mit wenig Einkommen startet und durch geschicktes Investieren dieses möglichst schnell nach oben bringen möchte. Das Spiel ist in ca. zehn bis 15 Minuten erklärt und im Ablauf sehr einfach: Alle kassieren ihr Einkommen, danach dürfen alle untereinander und mit der Bank tauschen. Anschließend gibt es eine Versteigerung um Siegpunkte und Karten und zum Schluss werten die Spieler ihre Karten auf. Da die Spieler gleichzeitig planen, gibt es nur wenig Wartezeit, jeder ist ständig im Spielgeschehen involviert.
Bei Die Minen von Zavandor muss man aber nicht nur Karten ersteigern, sondern diese auch später aufwerten. Der Vorteil, den eine Karte bringt, hängt nämlich mit der Aufwertungsstufe dieser Karte zusammen. So gibt es Karten, die nur einmal aufgewertet werden müssen, andere gehen über drei Stufen. Das Aufwerten kostet Edelsteine und Zeit, weil pro Runde normalerweise jede Karte nur einmal aufgewertet werden darf. Die Spieler befinden sich somit ständig unter Druck einerseits die eigenen Karten aufzuleveln, andererseits liegen jede Runde immer ‚ach-so-gute’ Karten aus, die man gerne ebenfalls ersteigern würde. Hier muss man dann oft die eigene Gier überwinden und die Edelsteine lieber zum Aufwerten als zum Kauf neuer Karten verwenden.
Ein weiteres interessantes Konzept ist das Schürfen der Edelsteine. In einem Smaragdstollen findet man zwar hauptsächlich Smaragde, aber eben nicht ausschließlich. Manchmal kann man sich auch über einen Diamanten oder Rubin freuen. Generell ist der Glücksfaktor bei Die Minen von Zavandor jedoch gering.“

Bietspiele sind meistens altersbrisant. Für wen eignet sich das Spiel und welche Spielergruppen sollten Die Minen von Zavandor meiden?
„Das Spiel würde ich als gehobenes Familienspiel bezeichnen. Spielerfahrene Familien und Gelegenheitsspieler werden ihre Freude damit haben. Aber auch für Vielspieler und Freaks sind Die Minen von Zavandor sehr interessant, da der Glücksfaktor gering ist und es viel zu entdecken gibt: Einerseits fünf verschiedene Clans, die alle eine unterschiedliche Strategie bedürfen. Andererseits zahlreiche Erweiterungskarten mit spannenden und nicht zu offensichtlichen Synergieeffekten. Diese kommen zudem immer in anderer Reihenfolge ins Spiel, wodurch keine Partie der anderen gleicht. Damit ist ein hoher Wiederspielreiz gegeben.“

Hast du für die erste Partie einen Tipp, worauf die Spieler achten sollten? Gibt es vielleicht auch Dinge, die zu vermeiden sind, oder eine gute Siegstrategie?
„Wichtig ist es, in den ersten zwei bis drei Runden einen Zwergenclan zu ersteigern. Man sollte versuchen, sein eigenes Einkommen schnell zu erhöhen. Die Minen von Zavandor wird mit jeder Partie interessanter, weil man die Karten kennt, die Gebote der Mitspieler berechenbarer werden und man sich dann auf das Wesentliche, die eigene Strategie, konzentrieren kann. Die Siegstrategie hängt immer von den Mitspielern ab. Sind die Gebote hoch, dann lohnt sich eher die Aufwertung des eigenen Clans und umgekehrt. "