Als Kritiker bin ich nicht dein Freund!

Aus dem Innenleben eines Schreiberling.

ein Spiele-Artikel von Riemi - 03.12.2013
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Lesezeit: ca. 2 Minuten

Wer mich kennt weiß, wenn es um verrückte Sachen in Verbindung mit Spielen geht, kann ich nicht widerstehen. Ob das jetzt Spielen unter Schlafentzug ist oder wenn während einer Veranstaltung jemand gesucht wird, der sich eine Kutte für Die Legenden von Andor überwirft, bin ich dabei. Riemi, unter diesen Namen kennen mich die meisten. Einige Journalistenkollegen mögen jetzt die Nase rümpfen und die Augen verdrehen. Natürlich gibt es die journalistische Distanz auf die man achten sollte. Für mich in sofern problematisch, da ich aus der Brettspielszene komme und mich als einen Teil der Szene sehe. Ich bin Spieler. Dazu, ich gehöre wie Michael Weber den Leuten an, die sich für mehr Popkultur in unsere Branche einsetzen.

Was natürlich zwangsläufig passiert ist: Einige der Leute, mit denen ich mir in den 90er-Jahren die Nächte am Spieltisch um die Ohren gehauen habe, arbeiten heute als Autoren oder Redakteure für Spiele-Verlage. Dazu lernt man jedes Jahr einfach viele, viele nette Leute kennen und innerhalb der Branche wird sowieso überwiegend geduzt. Man kennt sich. Jetzt werden einige Journalistenkollegen mit dem Kopf nicken. Freundschaften, Bekanntschaften und sogar Feindschaften entstehen halt beiläufig wenn man sich lange genug kennt.

Als Kritiker bin ich aber grundsätzlich kein Freund. Da kann und muss ich meine persönlichen Kontakte zur Seite schieben und schreibe, wie ich es halt in meinen Kritiken und Blogs so mache. Einen Kopf, ob ich mit unangenehmen Wahrheiten oder mit meiner subjektiven Meinung jemand auf die Füße trete, darf ich mir nicht machen. Denn, ich und alle Schreiberlinge, ob Profis oder Amateure, sind ihrer Leserschaft verpflichtet. Und damit ist die journalistische Distanz wieder hergestellt. Kleine Einschränkung: Es versteht sich von selber, dass Vertrauliches und Persönliches außen vor bleibt.

Der geforderte neue journalistische Schreibstil ist eigentlich gar nicht so neu. Es gab schon immer Kolleginnen und Kollegen, die sich was getraut haben, und andere, die mit Wischi-Waschi-Rezensionen und Texten keinem auf die Füße treten wollen. Mein journalistischer Freund Huhni hat mir sogar, während der letzten Messe in Essen, auf meinen tollen Hut gekackt. Hat das unserer Freundschaft geschadet? Nein! So muss auch das Verhältnis Journalisten/Spielebranche sein. Ein bisschen Kacki auf dem Hut kann man immer abwischen, ohne dass es Streit geben muss.