Steinzeitliche Jagdgründe

Autor Peter-Paul Joopen über sein Spiel Altamira

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 24.09.2007
Altamira von Zoch
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Peter-Paul, Altamira ist ein Spiel, das die Steinzeit thematisiert. Wie bist du auf diesen Hintergrund gekommen?
"Altamira ist eine bekannte Höhle mit Malereien aus der Steinzeit. Das Thema wurde vom Verlag vorgeschlagen. Bei meinem Prototypen spielte jeder Spieler mit zwei Indianern, daher nannte ich das Spiel WinniOne & WinniTwo. Den Spielfiguren hatte ich mittels Fellstücken Irokesen-Haarschnitte aufgesetzt, was optisch recht schön aussah. Bei Altamira besitzen die Spielfiguren auch eine Fellfrisur, was ein stimmungsvolles Bild ergibt."

Es geht darum Beute zu machen. Wie wird das spielerisch umgesetzt?
"Altamira hat viele kleine Mechanismen, die im Zusammenspiel den Reiz ausmachen. Hier die wichtigsten: Es gibt vier Sorten Tiere, die sich in vier verschiedenen Jagdgebieten aufhalten und die mit vier Sorten Waffen gejagt werden. Für jedes Tier benötigt man zwei verschiedene, aber bestimmte Waffen. Die Waffen findet man in den verschiedenen Jagdgebieten, jedoch so überkreuz, dass man immer erst in dem einen Gebiet Waffen sammeln muss, die man in einem anderen Gebiet einsetzten kann. Die Spielfiguren werden von allen Spielern über Karten geheim und gleichzeitig in die Jagdgebiete geschickt. Man weiß also nicht, wo viel Konkurrenz ist und wo die anderen Spieler jagen wollen, zumal die einzelnen Tiere unterschiedliche Punktwerte haben und in jeder Runde näher rücken. Das führt dazu, dass man bei der Jagd weniger Waffen einsetzen muss. Gibt es bei der Jagd viel Konkurrenz, erhält der Spieler die Beute, der die meisten Waffen einsetzen kann. Das Ganze wird über eine Art Versteigerung mit Bluffelementen gesteuert."

In Ankündigungen ist davon die Rede, dass es sich um ein taktisches Spiel handelt. Wer ist Zielgruppe und wie taktisch ist es wirklich?
"Es ist ein guter Mix aus Taktik, Bluff und ein wenig Glück. Da ich selber viel in der Familie spiele, ist meine Zielgruppe auch immer die Familie. Ich bin aber auch gleichzeitig Vielspieler (mit vorliebe für taktische Spiele) und als solcher kann ich sagen, hat das Spiel auch für Vielspieler seinen Reiz."

Worauf sollte man besonders achten, wenn man das erste Mal Altamira spielt?
"Das kommt auf die Gruppe an. In der Familie sollte man sehen, welcher Spieler von welcher Tierart die Mehrheit bekommen möchte oder wem man die Mehrheit wegnehmen kann. Dies bringt nämlich Zusatzpunkte. Auch sollte man sich nicht beim Einsatz der Waffen verausgaben, da man sie nur langsam nachbekommt. Es gibt zwar eine Stelle an der man Waffen tauschen kann, doch dies sollte nicht zu oft genutzt werden, da man sich mengenmäßig hierbei verschlechtert. Andererseits kann man so auch an die gerade fehlende Waffe kommen. Vielspieler spielen in der Regel etwas gemeiner. Man muss sich also immer fragen, ob der Mitspieler so spielt, wie man es von ihm erwartet oder ob er eine Beute womöglich vorbeiziehen lässt, was die Vorplanung der anderen zu Nichte macht."

Bisher warst du eher als Kinderspielautor bekannt. Dürfen wir zukünftig mehr Spiele für etwas Ältere von dir erwarten?
"Eigentlich habe ich mich bei der Entwicklung auf gar kein Alter und keine Zielgruppe festgelegt. Wenn ich eine Idee (und vor allen Zeit) habe, dann beginne ich mit der Entwicklung. Irgendwann lege ich dann das Alter der Zielgruppe fest, von dem ich glaube, dass es passt. Dann kommt der Feinschliff, der auf die Zielgruppe ausgerichtet ist. Natürlich bin ich durch das Spielen mit meinen eigenen Kindern motiviert, neue Spiele zu entwickeln. Da die beiden ältern mittlerweile auch schon Jugendliche sind, bleibt es nicht aus, dass ich mehr die Ideen für diese Altergruppe weiter verfolge. Aber es gibt noch ein Nesthäkchen, sodass ich sicherlich auch weiter über Kinderspiele nachdenke ;-)"

Ist es für dich ein Unterschied, ein Kinderspiel- oder ein Familienspiel zu entwickeln?
"Kinderspiele sind von den Regeln her nicht so komplex wie Familienspiele. Also ist es von Vorteil, ein Element zu finden, dass etwas Besonderes darstellt, was aber nicht in der Regel begründet ist. Diese Element ist bei Kayanak nicht nur der Magnet, sondern eher die Eisfläche, die während des Spieles immer wieder durchstoßen wird. Bei Maskenball der Käfer verwendete ich dann viele Magneten. Der besondere Reiz kommt hier, dass sowohl die anziehende als auch die abstoßende Kraft der Magnete genutzt wird. Hinzu kommt die Drehbewegung der Käfer, die sich so elegant und wie von Geisterhand in die eine oder andere Richtung drehen. Familienspiele sind in der Regel komplexer. Auch hier kann ein neues Element hilfreich sein. Es ist aber auch schwerer zu finden, da der Anspruch an ein solches Element viel höher ist. Also wird oft der Weg über eine Besonderheit in der Regel gemacht. Dies wird natürlich auch immer schwerer, da es schon viele Kombination und Möglichkeiten in anderen Spielen gibt. Die Regeln dürfen auch nicht zu lang oder kompliziert sein, da viele sich sonst beim ersten Spiel schwer tun. Hier kann ich die Regel von Altamira nur loben, dort hat der Verlag einen wirklich guten Schreibstiel gefunden, der den Einstieg besonders für Familien sicherlich leichter macht.!"