Einen König schlägt man nicht

Autor Steffen Mühlhäuser über die Entwicklung seines Spiels Baran

ein spielerischer Artikel von Steffen Mühlhäuser - 20.09.2007
Baran von Steffen Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Der Motor für die Entstehung von Baran war mein Wunsch, endlich einmal ein „richtiges“ Schlagspiel zu entwickeln. Seit mehr als zehn Jahren erfinde ich Spiele, aber eines, bei dem das Schlagen gegnerischer Figuren das zentrale Element darstellt, war bisher nicht dabei.

Manchmal gab es einen Anlauf, denn gerne hätte ich auch die Kunden zufrieden gestellt die nach der Erklärung einer meiner Spiele immer wieder fragen: „Und wie kann man den Anderen hinauswerfen?“. Der Wunsch, dem Gegner Steine abzunehmen, gehört ganz offensichtlich zu den spielerischen Grundbedürfnissen.

Wie bei vielen meiner Spiele habe ich auch bei Baran über das Brett zur Handlung gefunden. Das rautenförmige Spielfeld mit den 49 hexagonal angeordneten Feldern, war eigentlich die Grundlage für ein anderes Spiel, eine Art Solitär für zwei Spieler. Jeder versucht schneller als der Gegner seine, in der ersten Phase platzierten, 24 Stifte durch Überspringen abzuräumen. Angeregt hat mich dazu ein Spiel das unter dem Namen Polytär manchmal noch in alten Spielbüchern auftaucht. Polytär überträgt das klassische, orthogonale Solitärkreuz, auf ein hexagonales Gitter mit 37 Feldern. Eine sehr interessante Variante, die sich erstaunlicherweise nie durchgesetzt hat. Erstaunlich, weil gerade in den letzten Jahrzehnten die hexagonale Struktur immer öfter zur Grundlage von Spielen gewählt wird. Vielleicht war Polytär einfach zu früh dran.

Durch das Ansetzen von zwei mal sechs Feldern an das „runde“ 37er-Hexfeld entsteht die 49er-Raute. Die Raute bereichert die hexagonale Struktur mit dem Prinzip der Zahl zwei, die eigentlich der Grundbaustein des orthogonalen Gitters ist. Es gibt jetzt zwei gegenüberliegende Spitzen. Stellt man alle Steine einer Farbe in die eine, die andere Farbe in die gegenüberliegende Spitze, bietet sich dem Auge bereits die klassische Aufstellung zweier Heere vor dem Kampf. Damit begann für mich wieder einmal der Versuch, aus dem Ganzen ein Schlagspiel zu machen.

Im Unterschied zu anderen Spielfeldern gibt es bei der Raute zwei besonders exponierte Felder in den äußersten Spitzen. Es war nahe liegend, diesen Feldern eine besondere Bedeutung zu geben, sie wurden zu Thronfeldern. Das ebenfalls nahe liegende Ziel, der zu Spielbeginn hier aufgestellten Könige: hinüber auf den anderen Thron kommen.

Der Rest war Ausprobieren. Wie bewegen sich die Figuren? Wie wird geschlagen? Wer kann wen schlagen? Eine Zeitlang experimentierte ich mit einer ganzen Reihe verschiedener Figuren, die aber alle wieder verschwunden sind. Man sollte nicht versuchen, in ein paar Monaten das Schach neu zu erfinden ... Übrig geblieben sind 14 einfache Krieger, die sich nun gegenseitig auf möglichst raffinierte Art den Schädel einschlagen, damit ihr jeweiliger König unbehelligt auf den Thron des Rivalen gelangen kann. Ein Schlagspiel eben.
Allein der König ist eine friedliche Figur geblieben. Er schlägt niemanden und kann auch selbst nicht geschlagen werden, das ist auch besser so, ansonsten wäre das Spiel zu schnell zu Ende.

 

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