Bilderrätsel für alle!

Christophe Boelinger über sein Spiel What's Missing

ein Spiele-Artikel von admin - 25.09.2009
Christophe Boelinger und unter andererem Wolfgang Kramer spielen What's Missing - Foto von Christoph Boelinger
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Chris, zur Spiel in Essen erscheint dein neues Spiel What’s Missing. Wie kamst du auf die Idee zu diesem Spiel?
"Ich dachte an ein Spiel, das auf diesen kleinen Bilderrätseln basiert, die man in jeder Zeitung oder jeden Morgen auf der Rückseite von Cerealienpackungen finden kann. Ich sagte mir, dass diese Dinger echt süchtig machen können und man selbst, wenn man kein Kind mehr ist, versucht ist, die Unterschiede zu finden. Aber wenn man den Fehler gefunden hat, ist das Spiel vorbei und man kann es nicht wiederholen. Und es ist ein Solospiel.
So habe ich versucht, das Spiel als Mehrspielerspiel umzusetzen mit grenzenloser Wiederholungsmöglichkeit. Selbst wenn man alle Unterschiede bereits einmal gesehen hat, heißt das nicht, dass man bei What’s Missing sicher gewinnt. Tempo, Beobachtung und die zufällig gezogenen Karten machen jedes Spiel anders. Eins ist aber wahr: Je häufiger man es spielt, desto schneller wird das Spiel. Dein erstes Spiel wird ungefähr 15 Minuten dauern, während ich zu zweit schon einmal drei Spiele in viereinhalb Minuten gespielt habe - als die Nudeln kochten. :-) Je häufiger man es spielt, desto interessanter wird es, wenn die Spieler ungefähr die gleiche Stärke haben.“

Was sind die Hauptmechanismen, die das Spiel interessant machen?
"Ganz einfach: Jeder Spieler hat ein paar Karten mit einer typischen französischen Riviera-Landschaft ;-) und in der Tischmitte liegt eine für alle sichtbare Musterkarte. Jeder Spieler versucht, zwei Unterschiede zwischen seiner und der Musterkarte zu finden. Wenn einer der Meinung ist, dass er sie gefunden hat, ruft er 'stopp', zeigt die Unterschiede und legt seine Karte auf die Musterkarte. Diese Karte wird die neue Musterkarte für alle. Wer zuerst keine Karten mehr hat, hat gewonnen, und alle anderen spielen weiter, um die Platzierungen zu ermitteln. Ein absolut gleichzeitiges Spielen.
What’s Missing bringt die Leute zusammen. Ein typisches Spiel fängt so an, dass die Spieler auf den Stühlen um den Tisch sitzen, mit einer Distanz von ungefähr zwei Metern zwischen ihren Köpfen. Nach 30 Sekunden sind alle Köpfe eng, bis zur Berührung, über der Musterkarte so weit nach vorne geschoben, dass es unmöglich wäre, ein Foto vom Bild der Karte zu schießen. Es ist wirklich ein Gesellschafts- oder Partyspiel im besten Sinne, weil es die Spieler tatsächlich zusammenbringt.
Dann ist es ein großer Spaß, weil einige Spieler verrückt werden, wenn sie die Unterschiede nicht finden und Zeit verlieren, während andere sie unter Druck setzen, weil sie immer wieder schnell ihre Unterschiede finden und ihre Hände sich schneller leeren als die eigenen. Lustig ist aber, dass diese schnellen Spieler meistens irgendwann an einer ihrer Karten hängen bleiben. Dann wendet sich der Druck gegen sie während die anderen wieder Spaß haben und ihre Unterschiede finden ...
Und der allerwichtigste Aspekt des Spiels: Es macht sehr süchtig!“

Gibt es weitere Gründe, das Spiel zu kaufen?
"Die zufällig gezogenen Karten machen das Spiel immer wieder anders. Es ist ein simultanes Vielspieler-Spiel. Die Karten sind beidseitig bedruckt, auf der einen Seite ist eine Berglandschaft, auf der anderen der Strand. Es sind also zwei verschiedene Spiele, wobei die Strandseite etwas schwieriger ist. Ich glaube, um die Wiederspielbarkeit und den Spielspaß zu verstehen, gibt es nur einen Weg: ausprobieren! ;-)“

Kannst du Spielern Tipps für ihre erste Partie geben. Worauf sollten sie achten, was vermeiden?
"Ich würde keine strategischen Hinweise geben, weil ich glaube, dass die Spieler das selbst herausfinden müssen. Es ist ein sehr einfaches Spiel, schwer einfacher zu machen, so lass sie ihre eigene Strategie finden.
Aber ich würde dringend empfehlen, eine Sache nicht zu machen. Wenn man nämlich das Spiel ein paar Mal gespielt hat, hat man alle Unterschiede wenigstens einmal gesehen. Und das ist ein enormer Vorteil gegenüber Leuten, die das Spiel noch nie gespielt haben. Wenn ich das Spiel neuen Spielern vorgestellt habe, habe ich sie zusammen spielen lassen und ganz bewusst nicht mitgemacht. Meistens hatten sie Spaß und wollten eine weitere Partie spielen, an der ich dann teilgenommen habe. Und bei vielen solcher Partien war ich meistens zweiter oder dritter bei vier oder fünf Spielern. Aber wenn ich gleich das erste Spiel mit ihnen gespielt hätte, war ich immer zu 100 Prozent sicher, dass ich gewinne, wenn ich mich konzentriere. Und das kann sehr frustrierend für die anderen sein. Also, lass sie die erste Partie ohne dich spielen und mach erst bei der zweiten mit (natürlich mit der gleichen Bildseite, ändere nicht die Landschaftsseite zwischen diesen beiden Partien).“

Es ist ein leicht zu spielendes Spiel für alle Gruppen. Wie wichtig ist dieser leichte Einstieg für dich?
"Das Interessante an dem Spiel ist, dass es für alle Altersgruppen, vom Fünfjährigen bis zu Großeltern, geeignet ist. Tatsache ist, dass viele Menschen im ‚Rentenalter’ (Über-60-Jährige) das Spiel bei uns gekauft haben, entweder für sich selbst oder ihre Enkel. Dass es so einfach ist und auf etwas basiert, das jeder, in jeder Altersstufe, wenigstens einmal in seinem Leben gespielt hat, macht das Spiel zugänglich und unterhaltsam für jedermann.
Außerdem geben sich Kinder, wenn sie mit Erwachsenen wie ihren Eltern oder Großeltern spielen, die größte Mühe, sich für eine begrenzte Zeit zu konzentrieren und zu beobachten. Was sehr gut für sie ist.
Und schließlich ist es ein Spiel, was man nicht groß zu erklären braucht. Wenn Leute anderen beim Spielen beobachten, verstehen sie das Spiel einfach beim Zusehen. Wenn dann der Tisch frei wird, setzen sie sich einfach und fangen eine neue Runde an. 30 Sekunden Erklärung für die erste Partie und dann entwickelt sich das Spiel von selbst: Spielerwechsel, ohne dass die eigene Anwesenheit oder eine Erklärung notwendig wäre. Sehr cool bei Messen, Spieleabende oder andere Veranstaltungen. Es ist sehr schön, wenn man das Spiel durch sich selbst leben sieht ...“