Redakteur Christian Hildenbrand über das Spiel Friesematenten

Wie man sich keine Freunde macht

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 05.10.2010
Friesematenten von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Christian, du hast das Spiel Friesematenten redaktionell begleitet. Dabei handelt es sich um eine Neuauflage des Spiels von Friedemann Friese. Wie kam es zu dieser Neuveröffentlichung? Was hat den Ausschlag gegeben?
„Das Original von Friedemann ist ja nun schon ein paar Jahre alt – und schon lange vergriffen. Mein Kollege Uwe Mölter hatte schon vor Jahren darauf geschielt, das hochgeachtete Spiel ins Amigo-Kartenspielprogramm zu holen. Und dieses Jahr haben wir das endlich umgesetzt. Nachdem ich schon in der Vergangenheit mit Friedemann zusammenarbeiten durfte, bekam ich Friesematenten als eines meiner ersten Projekte bei Amigo auf den Schreibtisch.“

Kannst du unseren Lesern bitte zunächst grob erklären, worum es im Spiel thematisch geht?
„Jeder Spieler baut sein kleines Imperium aus Karten auf. Dieses besteht aus Fabriken, die die Einnahmen erhöhen, Statussymbolen mit Siegpunkten, Einflusskarten, um die eigene Situation ein bisschen zu verbessern (oder die der anderen zu beeinträchtigen), sowie Aktionskarten, die einfach alles durcheinanderbringen können. Das Ziel ist dabei, mit den eigenen Karten als Erster eine bestimmte Siegpunktzahl zu erreichen.“

Wie läuft das spielerisch ab. Was macht den besonderen Spielreiz bei Freisematenten aus?
„Im Grunde genommen ist Friesematenten ein Auktionsspiel. Jede einzelne Karte wird unter den Spielern versteigert. Jede Runde läuft nach dem gleichen Schema ab: Zuerst wird die Kartenbörse aufgefüllt, dann können noch nicht genutzte Aktionskarten eingesetzt werden und schließlich werden die Karten in der Börse eine nach der anderen versteigert. Am Ende der Runde gibt es ein bisschen Geld in die Kassen über ein Grundeinkommen und die eigenen Fabriken.
Im Spiel sind alle Karten offen (mit Ausnahme des Nachziehstapels!), nichts ist verdeckt auf der Hand, nichts liegt verdeckt vor einem Spieler. Einzig das Geld ist Privatsache. Zu wissen, wie wer genau steht mit seinen Karten und welche Möglichkeiten die Gegner kurzfristig haben, lenkt das eigene Spiel und führt von einem Dilemma ins nächste.“

Welche Unterschiede gibt es zur Originalauflage? Warum wurden diese Details geändert?
„Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass unsere neue Ausgabe einen festen Kartensatz hat. Im Original bei 2F-Spiele konnte man sich nicht sicher sein, welche Karten in der Schachtel auf einen warteten. Insgesamt waren es 200 verschiedene Karten, die Friedemann im Grundspiel und in den Erweiterungen verkaufte – im Übrigen bis heute ein Objekt der Begierde für Sammler, die versuchen, alle 200 Karten zusammen zu bekommen.
Die Amigo-Ausgabe sieht da ein klein wenig anders aus. Wir haben für dieses erste Set mit Friedemann zusammen einen gut funktionierenden Kartensatz von 60 Karten zusammengestellt. Erstes Set? Ja genau, zumindest ein zweites ist noch geplant.
Und wenn ich das schon in den Ring geworfen habe, kann ich gleich noch eine Sache dazu anmerken. Das erste Set, das in Essen präsentiert wird, enthält neben den 60 Karten das Geld und den Startspielerstein. Friesematenten-Eingefleischte werden die Marker vermissen, die im Originalspiel waren. Diese kommen im zweiten Set dazu und bringen damit das Spiel auf die nächst höhere Ebene mit Aktionskarten, die mehrfach nutzbar sind oder Fabriken und Statussymbolen, die je nach Marker auf den Karten unterschiedliche Wertigkeiten haben.
Und schließlich haben wir die Grafik modernisiert. Mit Fréderic Bertrand bin ich an einen fantastischen Illustrator geraten, der es schaffte, eine Menge Biss in die einzelnen Karten zu bringen.“

An wen richtet sich deiner Meinung nach Friesematenten vorrangig und wer sollte lieber die Finger davon lasen?
Friesematenten spricht zum einen Spieler an, die ein bisschen Erfahrung mitbringen und Spaß an Versteigerungsspielen haben. Dazu ist das Spiel nicht freundlich, man kann von seinen Mitspielern schon ordentlich auf die Fresse bekommen. Nicht umsonst lautet der Untertitel auf der Schachtel: ‚Wir sind nicht hier, um Freunde zu finden!’.
Auf der anderen Seite ist das erste Set aber auch bewusst so gestaltet, dass auch Gelegenheitsspieler mit den Spielregeln zurechtkommen werden. Das Spiel ist erstaunlich schnell in allen Einzelheiten erklärt.
Wem hingegen fiese Spiele nicht liegen, wer es gerne ruhiger und denklastiger hat, oder wer schlicht und einfach keine Versteigerungen mag, dem seien andere Spiele ans Herz gelegt.“

Zum Abschluss noch die Frage: Worauf sollten Spieler besonders in der ersten Partie achten? Gibt es typische Anfängerfehler, die man bei Friesematenten vermeiden sollte?
„Worauf man in dem Spiel achten muss, ist nicht ganz einfach zu sagen. Als Spieler muss man immer auf das reagieren, was an Karten in der Börse liegt – und was die Mitspieler an Möglichkeiten haben durch ihre Aktionskarten oder auch durch große Mengen Geld auf der Hand. In jedem Fall sollte man immer darauf achten, dass einem selbst das Geld nicht zu sehr ausgeht, denn wichtige Karten können schon mal teuer werden.“