Flucht zwischen Untergang und Reichtum

Leo Colovini über sein Spiel Atlantis

ein Spiele-Artikel von admin - 16.09.2009
Atlantis  von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Leo, dein neues Spiel Atlantis ist in diesen Tagen im Handel. Wie bist du auf das Thema gekommen?
„Ich glaube, Atlantis ist wie Stonehenge oder die Pyramiden eines der Themen, die mich seit meiner Kindheit faszinieren. Außerdem bewirkt der Mechanismus des Spiels, dass die den Weg darstellenden Plättchen mehr und mehr weggenommen werden, als ob sie versinken: Das ist Atlantis!"

Kannst du uns bitte eine kurze Zusammenfassung der Spielgeschichte geben? Worum geht es?
“Man hat drei Figuren, Bewohner von Atlantis. Es ist klar, dass Atlantis untergehen wird und man auf das Festland entkommen muss. Es gibt noch einen Pfad, der Atlantis mit dem Festland verbindet, der aber ebenfalls versinkt. Man muss also so schnell wie möglich entkommen. Allerdings will man sein neues Leben auf dem Festland nicht als armer Mann beginnen. Deshalb versucht man, so viele Schätze wie möglich zu sammeln, um zukünftig ein reicher Mann zu sein. Das strategische Dilemma beinhaltet, auf der einen Seite schnell flüchten zu müssen, auf der anderen die besten Schätze zu sammeln."

Welches sind die Hauptmechanismen, die du für das Spiel gewählt hast?
“Wie gesagt basiert das Spiel auf zwei Zwängen: Schnell zu flüchten und dabei möglichst viele Schätze zu sammeln. Man wählt eine Karte, bewegt sich entsprechend weit und nimmt den Schatz auf dem ersten freien Plättchen hinter der Figur. Man muss also die richtige Karte wählen, um die wertvollsten Schätze zu sammeln, zugleich aber daran denken, wegzulaufen, bevor zu viele Plättchen entfernt wurden. Denn entfernte Plättchen lassen Lücken entstehen, die Figuren überqueren müssen, in dem der Spieler Punkte zahlt oder seine Brücken einsetzt.“

Atlantis Schachtelgrafik von Amigo SpieleDas klingt, als ob der Bewegungsmechanismus auf Cartagena basiert. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Spielen? Ist Atlantis so etwas wie der große Bruder von Cartagena?
“Generell mag ich keine Bewegungsmechanismen, die einen zwingen Felder abzuzählen. Indem man Symbole nutzt, kann man sich ohne das Abzählen fortbewegen, man schaut einfach nur auf das Spielbrett. Deshalb habe ich mich entschieden, für Atlantis einen Mechanismus zu wählen, der ähnlich, aber nicht identisch mit dem von Cartagena ist. Der wichtigste Punkt bei Cartagena ist, einen schnelleren Weg zu finden, indem man die Positionen anderer Wegplättchen für sich als Vorteil als nutzt.
Bei Atlantis kann man diesen Vorteil nicht nutzen, wenn ein Feld nicht frei ist, auf das man sich bewegen möchte. Man darf zwar tatsächlich weiter, aber nur, wenn man eine weitere Karte ausspielt. Es ist jedoch sehr schwer, genug Karten auf die Hand zu bekommen, weshalb man diese Aktion nicht allzu oft machen kann. Außerdem kann man nicht einfach versuchen, so schnell wie möglich zu entkommen, da man im Blick behalten muss, welche Schätze man sammeln möchte. Man gewinnt durch die Schätze, nicht durch das schnelle Flüchten.“

Kannst du Spielern einen Tipp geben, die Atlantis zum ersten Mal spielen? Worauf sollten sie achten, was vermeiden?
“Verschwende nicht allzu leichtfertig Karten. Manchmal ist es sinnvoll, mehr Punkte als notwendig zum Überqueren einer Lücke zu bezahlen, wenn du nicht das passende Plättchen hat, als eine Karten zu nutzen. Je weniger Karten du hast, desto weniger Möglichkeiten hast du. Es ist sehr wichtig, dass die Auswahl an eigenen Aktionsmöglichkeiten möglichst groß ist.
Achte auf ein Gleichgewicht: Halte nicht zu oft, um große Schätze zu sammeln, aber lauf auch nicht, nur um vorne zu sein. Wenn du gewinnen willst, musst du Punkte sammeln.“

Steckt in Atlantis mehr Spieltiefe als in Cartagena? Ist es ein „Familienspiel“ oder ein Spiel, das auch für erfahrene gut Spieler geeignet ist?
„Es ist sicher ein Familienspiel, aber eins mit mehr Einflussmöglichkeiten und mehr Dingen, die man beachten muss, also eine Stufe höher auf der Skala.“

Du hast einige “leichte” Brettspiele entwickelt, die aber trickreiche Mechanismen enthalten. Was ist der Grund dafür? Magst du diese Art von Spielen lieber als welche mit komplexen Mechanismen?
„Ich bin ganz sicher ein Zögling von Alex Randolph. Er brachte mir bei, mich auf das zu konzentrieren, was für das Spiel essenziell ist, und jede Regel wegzulassen, die nicht notwendig ist. Andererseits habe ich auch ein paar komplexe Spiele wie Magna Graecia oder Golden Age entwickelt.“