Autor Matthias Cramer über das Brettspiel Rokoko

Einflussreiches Zusammenspiel für eine modische Königsparty

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 20.08.2013
Rokoko von eggertspiele

Matthias, zur Spielemesse in Essen präsentiert eggertspiele/Pegasus Spiele dein Brettspiel Rokoko, das du zusammen mit Louis und Stefan Malz entwickelt hast. Das Thema liegt damit auf der Hand, aber um welches Thema genau geht es dabei im Spiel?
"Der König schmeißt eine große Party und die Gäste wollen gut aussehen. Ich würde das mit dem roten Teppich von Cannes oder dem Wiener Opernball vergleichen. Die Spieler sind Schneider und kämpfen darum, der Armani des Rokoko zu werden."

Mit welchen wichtigsten Mechanismen setzt ihr dabei das Thema um? Was ist das Besondere an Rokoko, was ist wesentlich für den Spielspaß?
"Zum einen hat in Rokoko jeder Spieler sein eigenes Deck. Dieses Deckbuilding unterscheidet sich aber in zwei Aspekten von den anderen Genre-Vertretern: Ich suche mir die Karten aus anstatt sie zu ziehen und ich bekomme neu erworbene Karten direkt auf die Hand, um sie sofort zu nutzen. Das gibt mir als Spieler viel mehr Einfluss auf das Geschehen. Zum anderen ist das Spiel durch seine weiteren Elemente äußerst interaktiv, ohne aggressiv zu werden."

Welche Rolle spielt die Grafik für ein Spiel zu diesem Thema? Wer ist Illustrator und wo liegen eurer Meinung nach die Stärken der Zeichnungen?
"Sebastian Wenzel hat mal ein Interview mit Michael Menzel geführt, bei dem die Antworten gezeichnet werden mussten. Auf die Frage, welches Genre Michael bearbeiten wolle, malte dieser eine Rokoko-Szene. Somit war er – da waren Verlag und Autoren sich schnell einig – als Illustrator gesetzt. Gerade bei diesem Thema spielt das Auge mit. Michael erweckt mit seiner Liebe zu Details das ganze Schloss zum Leben."

Kannst du bitte den Spielern einen Tipp geben, die Rokoko das erste Mal spielen: Worauf sollten diese ganz besonders achten?
"Es gibt nicht viele Dinge, die ein Anfänger falsch machen kann. Man sollte auf sein Geld achten und man sollte jede Runde Zugriff auf einen Meister haben. Darüber hinaus gibt es sehr viele verschiedene Spielweisen und es gibt keine Hauptstrategie, die man durchziehen sollte."

Wie komplex oder fordernd ist Rokoko? An welche Zielgruppe habt ihr bei diesem Spiel besonders gedacht?
"Wer Edo oder Lancaster kennt, wird sich zuhause fühlen. Rokoko hat einfache Regeln und eine geringe Einstiegshürde. Da aber jede Karte verschieden ist, gibt es sehr viele Kombinationen und somit lässt sich auch nach mehreren Partien noch etwas entdecken."

Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit? Hatte einer eine halb fertige Idee oder ist Rokoko von Grund auf eine Gemeinschaftsentwicklung?
"Rokoko ist ein reines Wir-wollen-mal-was-zusammen-machen-Projekt. Das ist eine lange Geschichte, die vor dreieinhalb Jahren anfing. Die erste Idee bestand aus einer Idee zu 'Per Anhalter durch die Galaxis', wofür aber keine Lizenz zu bekommen war. Danach gab es verschiedene Rokoko-Vorläufer. Am Anfang stellten die Spieler Schuhe in Londons St. James Street her, danach wurde der Pariser Friedhof Pére Lachaise mit Särgen gefüllt. Schließlich landeten wir im Rokoko-Zeitalter."

Was ist für euch der Reiz, aber auch das positiv wie negativ Besondere an einer Gemeinschaftsentwicklung?
"Das Negative liegt auf der Hand: Jede Entscheidung ist schwieriger, da mehrere Autoren beteiligt sind. Da werden Details schon mal in epischer Breite ausdiskutiert, bevor man sich für einen Weg entscheidet. Ab und zu haben wir sogar mit mehreren Versionen parallel gearbeitet, um beide Varianten testen zu können. Dieser Detailreichtum ist aber auch gleichzeitig der Vorteil einer Zusammenarbeit. Man durchdringt und hinterfragt das eigene Spiel viel tiefer, als das bei einem einzelnen Autor der Fall ist. Wir haben im Laufe der Zusammenarbeit festgestellt, dass wir unterschiedlich arbeiten und testen – und das ist gut so. Rokoko ist die Summe davon."

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