Die Qual der Wahl

Der Vorführeffekt

ein Spiele-Artikel von Axel Bungart - 02.09.2010
 von
Lesezeit: ca. 2 Minuten

Meistens bin ich es, der ein Spiel aussucht. Nicht, dass ich mich dazu besonders berufen fühlte, weil wir üblicherweise vor meinem Schrank stehen und suchen. Nein, wenn wir zusammenkommen - meine Frau, Freund(e) und ich - steht natürlich irgendwann die Frage im Raum: „Was spielen wir?“. Was dann passiert, ist dasselbe, als wenn man in eine vollbesetzt Kirche hineinruft, wem denn das Auto mit dem Aufkleber „Teufelsanbeter Bonn e. V.“ gehöre: betretenes Schweigen. Angesichts des (für mein Gefühl) üppigen Angebots mag einen die Auswahl vielleicht überfordern. Anders könnte ich mir die Reaktion, die meine Frage auslöst, kaum erklären.

Dann suche ich also wieder aus. Meist fallen mir ad hoc ein paar Titel ein, die ich zur Auswahl stelle. Das betretene Schweigen verwandelt sich dann schlagartig in fast beleidigte Abwehrhaltung: „Daas? Nee …!“ oder „Ach, wieder so was Kompliziertes“ oder auch „Schon wieder was Neues?“ sind dann noch die freundlichsten Reaktionen.

Völlig ignoriert wird für gewöhnlich auch mein Einwand, ich hätte ja die freie Auswahl zur Verfügung gestellt und nur mangels anderer Vorschläge auf meinen Geschmack zurückgegriffen. Nun gut, wir einigen uns natürlich, manchmal auch erst nach weiteren Alternativvorschlägen. Und doch werde ich zuweilen das Gefühl nicht los, sie täten mir bei der Auswahl einen Gefallen. Vielleicht zwingen sie mich damit psychologisch zu einer defensiveren Spieltaktik, damit ich nur ja nicht gewinne. Und wenn doch, soll mein schlechtes Gewissen den inneren Jubel im Keim ersticken. (-> "War ja klar.")

Dabei gebe ich mir Mühe, besonders dem wenig ausgeprägten Wunsch meiner Frau nach erklärlastigen Strategiespielen zu entsprechen. Oder sagen wir so: ich mach’s da, wie meine gut dreijährige Tochter: ich teste die Grenzen aus. Und siehe da: wir haben neulich zu zweit ein Macao gespielt, und meiner Frau hat’s gefallen! Unglaublich!

Dann ist doch die Maulerei nur ’ne Masche, oder? Lasse ich mich da vielleicht regelmäßig vorführen? Auch das werde ich testen. Meine Tochter macht das schon gut.

Ich spiele halt so gerne. Aber irgendwann suche ich mir bestimmt neue Spielpartner.