Reich der Spiele
Reich der Spiele >> Beiträge >> Die Spieleerfinder Heinrich Glumpler und Marco Teubner über Die geheimnisvolle Maske

Die Spieleerfinder Heinrich Glumpler und Marco Teubner über Die geheimnisvolle Maske

Die geheimnisvolle Maske von Ravensburger

Das erste „Point und Click-Adventure“ auf dem Spielbrett

Heinrich und Marco, ihr veröffentlicht als Gemeinschaftsproduktion bei Ravensburger gerade das Spiel Die geheimnisvolle Maske in der Reihe Tom und Tina zum tiptoi-System. Könnt ihr bitte zunächst unseren Lesern erklären, was tiptoi ist und um was es in der Reihe Tom und Tina geht?
Heinrich: „Der tiptoi – oder auch die ‚elektrische Karotte‘, wie ich das Teil gerne nenne – ist ein Stift, der in der Lage ist, Codes von der Oberfläche von Spielmaterialien zu lesen und über einen eingebauten Lautsprecher Texte, Musik und Geräusche wiederzugeben.“
Marco: „Der Code, der durch ein spezielles Druckverfahren aufgetragen wird, ist so fein, dass er für das Auge nur als leichter grauer Schleier wahrnehmbar ist. Für Kinder ist es geradezu magisch, wie der Stift auf diese bedruckten Flächen reagiert. Ravensburger bringt Bücher, Puzzles und Spiele für den tiptoi heraus. Die Reihe ‚Tom & Tina Abenteuer Spiele‘ bildet dabei fast schon einen eigenen Bereich. Diese Produkte liegen irgendwo zwischen Buch und Spiel. Ab besten bezeichnet man es, in dem man den Begriff ‚Hör-Spiel‘ wörtlich nimmt: Hören und Spielen.“

Werbung

Werbung Next Station Tokyo von HCM Kinzel

Wie fügt sich Die geheimnisvolle Maske da ein? Was ist Thema des Spiels und was ist Aufgabe der Spieler?
Marco: „Wie gesagt, ist es eine Art Hör-Spiel, also kein Spiel im klassischen Sinne. Vielleicht kennst Du diese Abenteuerbücher, in denen der Leser vor Entscheidungen gestellt wird. Je nachdem, wie er sich entscheidet, muss er dann auf einer anderen Seite weiterlesen. So ähnlich könnte man sich jetzt unser Spiel vorstellen.
Tom und Tina sind eigentlich ganz normale Kinder, die jedoch immer wieder in spannende Abenteuer verwickelt werden. Bei der geheimnisvollen Maske kommen sie im Haus ihres verschwundenem Onkels auf die Spur eines Rätsels … Doch bald merken sie, dass sie nicht die einzigen sind, die dieses Rätsel zu lösen versuchen. Das Spiel bietet eine spannende Geschichte, in der der Zuhörer selbst mitwirken kann. Durch kleine, aber wichtige Spielsequenzen lockern wir das Zuhören dabei auf.“
Heinrich: „Technisch gesehen ist Die geheimnisvolle Maske das erste ‚Point und Click-Adventure in der Realität‘. Anstatt mit einer Maus an einem Computerbildschirm auf verschiedene Bereiche eines Bildes zu klicken, um herauszufinden, wie man in der Geschichte weiterkommt, hat man hier den tiptoi in der Hand und berührt die Oberflächen eines dreidimensionalen Gebildes – das Haus, in dem das Abenteuer spielt. Gelingt es, in das Haus vorzudringen, wird das Dach aufgeklappt und schon kann man sich im Haus selbst von Zimmer zu Zimmer bewegen und alles berühren, hinter dem sich potentiell etwas verbirgt.“

Wie habt ihr das mit Ravensburger zusammen technisch umgesetzt? In welcher Form und in welchen Spielsituationen können die Spieler interaktiv eingreifen?
Heinrich: „In der Anfangsphase des Abenteurers erhält der Spieler des öfteren zwei Alternativen, denen er folgen kann. Eine der Alternativen wird von Tina vorgeschlagen, die andere von Tom. Der Spieler entscheidet sich einfach für eine der beiden, indem er mit dem tiptoi das Bild von Tom oder Tina berührt.“
Marco: „Im weiteren Verlauf berührt der Spieler dann zum einen Gegenstände, um Tom und Tina auf diese aufmerksam zu machen, und zum anderen Symbole, die steuern, wohin sich Tom und Tina bewegen sollen. Wer schon einmal ein ‚Point and Click‘-Adventure am Computer gespielt hat, wird sich hier sofort zu Hause fühlen.“
Heinrich: „Im Laufe des Abenteuers geraten Tom und Tina auch in verzwickte Situationen, in denen der Spieler die vollständige Kontrolle übernimmt. Es handelt sich dabei um Minispiele, die der Spieler erfolgreich bestehen muss, um das Abenteuer voran zu bringen.“
Marco: „Wir haben uns bei den Aufbau des Spiels und bei den Minispielen ein wenig an den elektronischen Adventure-Games orientiert. So muss man z. B. die Minispiele zuerst freispielen. Erst wenn man in der Geschichte die Spiele bewältigt hat, kann man diese Minispiele auch in einem Spielmodus beliebig oft wiederholen.“

Habt ihr einen Tipp, worauf Spieler in ihrer ersten Partie achten sollten? Gibt es etwas, das besonders wichtig ist?
Heinrich: „Besonders am Anfang gleicht das Abenteuer eher einem Hörspiel. Es lohnt sich, den Gesprächen der Protagonisten genau zu folgen. Auf diese Weise gelangt man in den Besitz von Informationen, die es sehr erleichtern, das Abenteuer zu bestehen.“
Marco: „Auch sollte man am Anfang die Steuersymbole ausprobieren. Besonders der Button zum Wiederholen oder Abbrechen der Sprechtexte sowie der ‚Weiter‘-Button können sehr hilfreich sein.“
Heinrich: „Wir haben vor allem einen Tipp für die Eltern: Spielen Sie das Spiel zunächst alleine und starten Sie dann noch einmal zusammen mit Ihrem Kind in das Abenteuer. Es macht unglaubliche Freude, dem eigenen Sprössling zuzusehen, wie er an den Aufgaben und Rätseln knobelt.“

Wie unterscheidet sich für euch die Spieleentwicklung mit einem solchen System im Vergleich zur „herkömmlichen“ Brettspiele-Entwicklung? Was hat euch gereizt und wo gab es Probleme oder Vorteile?
Marco: „Die Größe des Projekts ist schon eine andere als beim herkömmlichen Brettspiel. Hierbei wird von Anfang an im engen Austausch mit den verschiedenen Abteilungen der Produktentwicklung bei Ravensburger sowie mit Grafikern und Programmieren gearbeitet. Das kann für einen ‚autistischen‘ Spieleautor, der sonst in seinem Kämmerchen sitzt, schon eine gewaltige Herausforderung werden.“
Heinrich: „Die Elektronik bietet eine Vielfalt von spielerischen Möglichkeiten, insbesondere die Option, Informationen zu verbergen und dann nach und nach preiszugeben, so dass sich hier Spiele entwickeln lassen, die alleine mit Pöppel und Pappe nie zu realisieren wären. Das ist anspruchsvoll, aber auch sehr reizvoll.“

Soweit ich weiß, war ist Die geheimnisvolle Maske euer erstes gemeinsames Spiel. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wie lief sie? Habt ihr die Aufgaben nach Schwerpunkt verteilt oder alles gemeinsam entwickelt?
Heinrich & Marco: „Nein – wir haben auch schon zusammen Reise durch die Jahreszeiten bei Ravensburger herausgebracht – ebenfalls in der tiptoi-Reihe.“
Heinrich: „Ich arbeite hauptberuflich als Software-Entwickler, weshalb es nahe lag, dass ich mich mit den Programmier-Aspekten beschäftigte. Daneben hab ich mich hauptsächlich um die Story gekümmert, wobei mir mein Hintergrund als Rollenspielautor zugute kam. Ohne Marco wäre das allerdings alles nichts geworden – er hat dafür gesorgt, dass das Spielerische nicht zu kurz kommt und hat mich aus so mancher Sackgasse wieder rausgeholt, in der ich mich ohne ihn hoffnungslos verrannt hätte.“
Marco: „Nachdem ich von Ravensburger gefragt wurde, ob ich dieses Projekt machen wolle, war mir von vornherein klar, dass das nur mit Heinrich funktionieren kann. Er ist mein Mann der Stunde! Ich glaube, dass unsere Qualität in der Kombination unserer Fähigkeiten liegt. Heinrich hat nicht nur sein Wissen als Software-Entwickler eingebracht. Auch sein Storytelling hat mich wirklich überrascht. Da blieb für mich nur noch die kleine Aufgabe, dem Ganzen ein nettes und kindgerechtes Erscheinungsbild zu verleihen. Unsere Zusammenarbeit fing vor ein paar Jahren mit einem Wettbewerbsbeitrag für die Ident Technology AG an. Wir hatten damals diesen Wettbewerb gewonnen und seither geistern verschiedene Ideen zum Thema Spiel plus neue Technologien in unseren Köpfen herum.“

Werbung
kaufen Nach neuen Spielen schauen bei:
Amazon
Spiele-Offensive

Mehr Spiele-Themen entdecken

Kommentieren