Dixit ist Spiel des Jahres 2010

Eine schlechte Wahl von einer mäßigen Nominierungsliste

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 28.06.2010
Dixit von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die Jury Spiel des Jahres hat ihr Siegerspiel 2010 gekürt. Zunächst einen herzlichen Glückwunsch für Dixit von Jean-Louis Roubira (Libellud/Asmodee). Ein Spiel, das als Spiel des Jahres so völlig anders ist und gerade deshalb eine mutige Entscheidung ist.

In unseren Runden konnte Dixit zunächst völlig begeistern. Wunderschöne Spielkarten mit Illustrationen, die wirklich oberste Güteklasse sind. Für diese Karten hat Dixit eine Auszeichnung verdient. Und jetzt kommt das große „Aber“. Dixit ist gar kein richtiges Spiel und Dixit nutzt sich nach zwei, drei Partien deutlich ab. Das sind die Ergebnisse aus vielen Testrunden mit völlig verschiedenen Personen und Spielertypen. Wie konnte dieses Spiel auf die Nominierungsliste kommen, wie konnte es den Hauptpreis bekommen?

Die Jury Spiel des Jahres schreibt: „Die liebevoll gestalteten Motive regen die Fantasie an.“ Und weiter: „Schnell geraten die Spieler ins Schwärmen und entdecken immer neue Details auf den Bildern, die zum Träumen, Nachdenken und Genießen einladen.“ Das ist soweit richtig. Aber seit wann werden Kartenmotive mit einem Spielepreis, dazu noch dem bedeutendsten bedacht?

Das Problem bei Dixit ist, dass hinter einer unbestrittenen wunderschönen Fassade der Spielspaß viel zu kurz kommt. Und dass hier die Zielgruppenfrage lauter gestellt werden darf als in den Jahren zuvor. Dazu eine kurze Zusammenfassung des Mechanismus. Ein Spieler wählt eine seiner Handkarten aus, legt sie verdeckt und nennt dazu ein Thema, Begriff oder Geräusch. Die anderen Spieler legen ihrerseits eine möglichst passende Karte verdeckt dazu. Nun wird gemischt und die Karten offen ausgelegt. Die Mitspieler müssen nun verdeckt tippen, welche Karte die Originalkarte war und können dafür für sich und den Kartenleger Punkte bekommen. Das ist alles.

Der eigentliche Spielreiz geht bei Dixit nicht vom Spiel, sondern von den Karten aus. Richtig würdigt die Jury, dass man schnell in Diskussionen kommt, wer welche Karte warum gelegt hat und so die Mitspieler etwas kennen und einschätzen lernt. Soweit ein schönes Spiel, wenn auch eins, das ohne die Karten langweilig hoch zehn wäre, da es mit Assoziationsspielen wie Linq deutlich bessere Spiele gibt.

Und genau hier liegt das Problem. Der Mechanismus des Kartentippens verliert sehr schnell an Reiz und die relativ geringe Kartenzahl von 84 Motiven sorgt dafür, dass die Bilder schnell von irgendjemandem schon einmal gelegt wurden und sich so eine gewisse „Motivmüdigkeit“ einstellt. Die Bilder sind toll und begeistern. Nach drei-, viermal Legen ist der Reiz aber dahin. Der Mechanismus und die schönen Kartenmotive greifen nur in der ersten Partie wirklich gut und nutzen sich bei gleichen Spielern sehr rasch ab.

Dixit ist somit eigentlich kein Spiel für Menschen, die sich kennen, sondern ein Kennenlernspiel. Besser gesagt ein Mittel zum Kennenlernen, denn ein Spiel im klassischen Sinn ist Dixit eher weniger. Zwar gibt es einen Punktemechanismus, aber auf den kommt es bei diesem Mechanismus doch gar nicht an. Wer Dixit spielt, um zu gewinnen, spielt völlig am Ziel vorbei.

So bleibt die Frage, ob es denn kein geeigneteres Spiel für den Titel Spiel des Jahres gegeben hätte. Die Nominierungsliste ist dieses Jahr mit Identik, Im Wandel der Zeiten - das Würfelspiel, Fresko und A la Carte (und natürlich Dixit) meiner Meinung nach eher schon mäßig besetzt gewesen. Dixit wäre aber für mich das Spiel gewesen, das den Preis von allen fünf Spielen am wenigsten verdient gehabt hätte. Ähnlich sehen es auch unsere Leser, von denen sich nur neun Prozent in einer Umfrage Dixit als Spiel des Jahres gewünscht hatten. Und unsere Leser sind überwiegend keine "Vielspieler".

Es bleibt abzuwarten, wie Dixit dort ankommt, wo es als Spiel des Jahres seine klassische Zielgruppe hat: in Familien und bei sogenannten „Gelegenheitsspielern“. Und es wäre dann verdammt schön, wenn das Spiel mehr als nur zwei-, dreimal mit großer Freude gespielt würde. Daran habe ich aber nach meinen Tests in solchen Runden leider arge Zweifel.