Autor Rüdiger Dorn über sein Brettspiel Il Vecchio

Einflussreicher Figurenverlust

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 01.10.2012
Il Vecchio von Hall Games/Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Rüdiger, bei Hall Games/Pegasus Spiele erscheint zur Spiel in Essen dein neues Brettspiel Il Vecchio. Der Titel lässt ein italienisches Thema vermuten? Was bedeutet er?
"Il Vecchio war der Beiname  von Cosimo de Medici, dem Begründer der einflussreichsten italienischen Dynastie in der Zeit des 15. Jahrhunderts. Cosimo de Medici herrschte nicht nur in Wirtschaft und Politik, sondern prägte die Stadt auch in künstlerischer und kultureller Hinsicht."

Um was geht es inhaltlich in dem Brettspiel? Was ist Aufgabe der Spieler?
"Hier zitiere ich einfacher halber aus der Spielregel: Die Spieler schlüpfen in die Rollen der Oberhäupter verfeindeter Adelsfamilien, die das Imperium der Medici unterwandern wollen, um selbst zum Herrscher der Stadt zu werden. Die Spieler haben das Ziel, mit ihren Familienmitgliedern Provinzen in den Außenregionen zu übernehmen oder sie nach Florenz in den Stadtrat zu bringen bzw. ihren Adelsrang zu erhöhen. Dies alles bringt den Familien Machtpunkte und/oder nützliche Zusatzfähigkeiten und -aktionen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Gefolgsmänner angeworben, Geld eingetrieben und wichtige Schriftrollen erworben werden. Diese erhalten die Familienmitglieder auf ihren Reisen durch die Orte der Toskana. Doch so einfach ist das nicht: Um in den mit Wappensymbolen markierten Orten Aktionen durchführen zu können, müssen 'Mittelsmänner' anwesend sein."
 
Mit welchen Mechanismen bringst du das Thema von Il Vecchio auf das Brett? Was ist der besondere Reiz für die Spieler. Welches ist für dich der wichtigste Mechanismus?
"Im Grunde genommen ist Il Vecchio ein Figuren-Ressourcenmanagementspiel. Die Spieler sollten den Spielplan gut lesen (Wo stehen die Mittelsmänner?, Wohin bewegen sie sich nach dem Besuch?, Welche Gefolgsleute setze ich in welchen Provinzen ein? Welche Privilegien möchte ich nutzen? Investiere ich Gefolgsleute in den Stadtadel oder doch in den Stadtrat?) und ihre Figuren entsprechend positionieren – das Problem ist wie so häufig, dass alle Spieler sich im Laufe des Spiels diese Fragen stellen – und da kommt man sich - mehr als einem lieb ist - in die Quere.
Den Kernmechanismus sehe ich in dem Aktivieren von Figuren, um eine Ressource zu erhalten. Diese Figuren liegen im wahrsten Sinne des Wortes dann so lange  'brach', bis der Spieler die zeitraubende Aktion 'Erholung' tätigt, um alle Figuren wieder hinzustellen.
Zwei reizvolle 'Mechanismen' möchte ich nicht unerwähnt lassen, nämlich das dynamische Wechseln der Ausschüttungsorte durch die Mittelsmänner und den zunehmenden 'Verlust' von Figuren, um Punkte zu sammeln. Das Dilemma besteht darin, dass die zunehmende Abwesenheit auf dem Plan längere Wege zu den Mittelsmännern bedeutet, was vermehrt Dukaten kostet. Hier gilt es eine optimale Ausgewogenheit von Figurenpräsenz und SP-Generierung zu finden."

Sowohl du als Autor als auch Hall Games sind Namen, die tendenziell eher mit Brettspielen für erfahrene Spieler in Verbindung gebracht werden. An wen richtet sich Il Vecchio und wie komplex wird das Spiel sein?
"Ja, wie du schon schreibst richtet sich Il Vecchio an  erfahrene Gelegenheitsspieler, die in 50 bis 70 Minuten viele in sich verzahnte Abhängigkeiten siegpunktoptimal nutzen wollen. Eine Partie wird nicht reichen, da doch einige Handlungspfade ausprobiert werden wollen."

Gibt es einen Hinweis für Spieler, die sich das erste Mal an Il Vecchio versuchen? Worauf sollten sie besonders achten, um nicht den Spielspaß zu verlieren?
"Ach, das erste Spiel sollte einfach dazu dienen, die Abhängigkeiten, Sonderfähigkeiten und die Aktionen kennen zu lernen. Jedes weitere Spiel wird neue Erkenntnisse bringen, die als siegbringend betrachtet werden – bis wieder ein Mitspieler das Gegenteil beweist.
Für die erste Partie empfehle ich jedem Spieler, seine zu Beginn des Spiels erhaltene individuelle Sonderfähigkeit nicht aus dem Auge zu verlieren und sein Handeln darauf abzustimmen."

Wie wichtig ist für dich als Autor die Grafik in einem Spiel? Wo liegt hierbei die Stärke von Il Vecchio und wer ist der Illustrator?
"Die Grafik ist sehr wichtig für mich – bei mir spielt das Auge mit. Ralph Bruhn hat wunderschöne 'Meeples' fertigen lassen. Andreas Resch - der Grafiker - hat ganze Arbeit geleistet und das Thema sehr, sehr schön umgesetzt. Nach all den Testpartien mit dem Prototyp freue ich mich schon sehr auf das erste 'richtige' Spiel ;-)."