Eine kleine Geschichte des Spiels

Brauchen wir Spielehistoriker?

ein Spiele-Artikel von Riemi - 20.08.2009
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Lesezeit: ca. 2 Minuten

Wann war eigentlich der Startschuss unserer sogenannten Spielszene? Wer war der erste Journalist/Aktivist, der eine Rezension über ein Gesellschaftsspiel geschrieben hat? Welches Spiel war das überhaupt? Wer hat den Anstoß gegeben, dass auch Erwachsene spielen können und nicht nur Kinder?

Alles Fragen, die vielleicht die Allgemeinheit erstmal nicht interessieren. Dabei ist das Spiel gerade bei uns in Deutschland Kulturgut und hat global bereits mehrere tausend Jahre auf dem Buckel. Es gibt durchaus Einzelberichte und Fernsehbeiträge. Aber ich habe eine Dokumentation vor Augen, die ähnlich aufgezogen ist, wie bei historischen Rückblicken. Ein Gemisch von Filmbeiträgen und Interviews mit diesem tollen schwarzen Vorhang als Hintergrund. Interessante Spielertypen, die was zu sagen hätten, gibt es doch genug. Die Themen, die dann aufgegriffen werden könnten, würden auf unterhaltsame Weise eine Branche und ihre Szene näher bringen. Der Aufbau der Spielebranche nach dem 2. Weltkrieg könnte der Anfang sein. Danach die Begründung des modernen Spielejournalismus, der letztendlich das Spiel des Jahres geschaffen hat. Die Gründung von Print- und später Internetmagazinen. Anfänge der Messe Spiel in Essen und die dadurch entstandene Verbreitung eines Hobbys und weiterer Messen in Deutschland und die ganze Welt. Die Schaffung eines neuen Berufszweigs, den des Spieleautors und damit eine Würdigung des ersten Autors der das gemacht hat - Alex Randolf. Die Entstehung neuer Spiele Verlage. Als Fußnote die Bedeutung der Postspielszene in den 80er- und 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Die spätere Vermischung von Branche und Aktivisten. Die steigende Bedeutung der Kinderspiele und und und …

Und wozu das Ganze? Einfach, weil jetzt noch viele Zeitzeugen aus den Nähkästchen der Anfangszeit plaudern könnten und, wie ich finde, etwas geschaffen worden ist, über das sich zu berichten lohnt. Dazu gibt es genügend Spieler, die beruflich Medienleute sind und so Arbeit und Vergnügen verbinden könnten. Also, wann fasst sich ein kreativer Kopf ein Herz und legt los? Über mangelnde Unterstützung wird er oder sie sich bestimmt nicht beklagen können. 

Kommentare

Ich denke eine solche inhaltliche Auseinandersetzung, Aufarbeitung und Dokumentation rund um das Kulturgut Spiel wäre wirklich sinnvoll und könnte inhaltlich sicher noch ausgeweitet werden.

Christian Beiersdorf

Auf den Punkt gebracht: Aufarbeitung und Dokumentation. Genau darum sollte es gehen.  Ob man jetzt Videoboxen auf Messen aufstellt (wäre eine schöne Idee für die Spiel in Essen 2010) und die Leute reden lässt oder (wie schon geschehen) Spielepioniere aufordert ihre Eindrücke von "damals" schriftlich zu schildern. Die sicherlich spannenden Erinnerungen an die Anfangszeiten unserer Szene sollten beleuchtet werden.  

Mit dem Deutschen Spiele-Archiv existiert eine solche Stelle, die sich die Aufgabe gestellt hat, die Spielentwicklung nach 1945 zu dokumentieren. Erwin Glonnegger nannte sie anläßlich des 10-jährigen Bestehens  das "Gedächtnis der Szene" (spielbox 4/95).  Ob das Archiv allerdings im nächsten Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiern kann, entscheidet sich in diesen  Wochen. Leider erntet man mit einer derartigen  Sisyphus-Arbeit nicht nur Unterstützung. Schön wäre es ja!

Bernward Thole