Let's Smartplay

Die Zukunft der Brettspiele

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 09.08.2017
Smarte Gesellschaftsspiele

Gesellschaftsspiele tragen ihren Namen nicht ohne Grund. Das Wesen dieser Spielform ist das gesellige Miteinander am Spieltisch. Das ist bereits seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden so. Wobei es früher wohl kein Spieltisch in dem Sinn war. Aber Kartenspiele, Würfelspiele und Brettspiele sind ein unumstößlicher Bestandteil der Kultur in praktisch allen Regionen dieser Welt.

Bei allen Konstanten: In den letzten Jahrzehnten haben die Spieleverlage immer wieder Neuerungen in die Entwicklung von Brettspielen einfließen lassen. Unter anderem Elektronik, Magnetismus und vieles mehr. Seit einiger Zeit kommen verstärkt Smartphones zum Einsatz. Als Medium für Umsetzung bekannter Spiele als App sowie als Zusatz im Gesellschaftsspiel selbst.

Vorteile eines "smarten" Brettspiels

Wird ein neues Brettspiel mit Smartphone-Anbindung ausgepackt, wird schnell ein großer Vorteil ersichtlich. Anstatt eine klein geschriebene Anleitung lesen zu müssen, erklärt die zum Spiel passende Smartphone-App das Spiel an Hand von Animationen und erleichtert so den Spieleinstieg. Das ist ein dicker Pluspunkt. Und zwar nicht nur für Regelmuffel.

Zusätzlich, kann das Spiel um weitere Spielinhalte erweitert werden. So nimmt plötzlich die virtuelle Komponente wirklich Gestalt an, kann mit Spielern kommunizieren und das Gameplay ändert sich eventuell sogar schlagartig. Spielstände können sogar gespeichert und eine laufende Partie somit später wiederaufgenommen werden. So kann der Spielstand zusätzlich durch ein Backup des Smartphones gesichert werden oder auch durch eine Synchronisation zwischen Android und iOS oder umgekehrt übertragen werden.

Außerdem kann Smartplay auf die einzelnen Spieler eingehen und passt zum Beispiel den Schwierigkeitsgrad an das jeweilige Alter des Spielers an. Dies sorgt für zusätzliche Chancengleichheit und ist speziell bei Wissensspielen ein spannender Ansatz.

Wie funktioniert Smartplay?

Damit das Smartphone den Spielfortschritt überwachen kann, muss es dieses beobachten können. Hier ist ein Verlag wie Ravensburger Vorreiter. Die Redakteure setzen hierbei auf ein verstellbares Smartphone-Stativ, das neben dem eigentlichen Spielbrett aufgebaut wird. Das Smartphone filmt anschließend der Spielverlauf ab, erfasst so Handlungen durch die Mitspielenden und kann so bestimmte Aktionen auslösen. Auf dem Bildschirm des Smartphones können zusätzliche Inhalte für die Spieler eingeblendet werden, eine Art Augmented Reality für Brettspiele. Zusätzlich wird das Spiel über den Lautsprecher des Smartphones mit Sprache, Geräusche und Musik untermalt. Nun ist es vermutlich wirklich nur noch eine Frage der Zeit, bis auch herkömmliche Spielsteine durch Hologramme ersetzt werden. Entsprechende Spieltische tauchen zumindest als Idee immer wieder auf.

Spannend wird auch dieses Jahr bei der Spielemesse in Essen 2017 zu sehen sein, wie die Escape-Spiele weiter an Interaktivität gewinnen. So kündigt Noris Spiele beispielsweise eine neue Variante für Escape Room - Das Spiel an, dem eine Virtual-Reality-Brille beiliegen wird. Ist diese Spielform bereits gut für Smartphones geeignet (und erstaunlicherweise wird dieses - wenn überhaupt - bei Escape-Spielen nur rudimentär eingebunden), könnte mit einem solchen Gimmick ein völlig neues Spielerlebnis entstehen. Die virtuelle Welt und die neue Technik erobern dann Schritt für Schritt die analoge Spielwelt.

Die besten Smartplay-Brettspiele

Einige der neuen und innovativen Spiele konnten bereits im Reich der Spiele vorgestellt werden. Darunter befindet sich in etwa die neue Version von King Arthur, aber auch Quizspiele wie das smarte Spiel Alleswisser. Bei diesen Spielen wird übrigens komplett auf Anleitungen oder Fragekarten verzichtet. Weitere Urgesteine des Brettspiels erhielten ebenfalls ein smartes "Update". So auch der altbekannte Klassiker Scottland Yard. Interessant ist auch die Integration bei Die Alchemisten. Doch auch weitere Brettspiele setzen auf Smartphone-Unterstützung wie zum Beispiel das Strategiespiel XCOM.

Es ist also schon jetzt viel in Bewegung, auch wenn die Masse der neuen Gesellschaftsspiele nach wie vor pur analog ist. Die Entwicklung neuer Spiele mit App-Unterstützung oder Smartphone-Einbindung ist nicht einfach. Dennoch gibt es immer wieder faszinierende Umsetzungen. In letzter Zeit ist Entwicklung etwas ins Stocken geraten. Ich erwarte in den kommenden Jahren aber wieder deutlich mehr Bemühngen der Verlage. Nur eins können die dann folgenden technischen Innovationen nicht ersetzen: Die Gesellschaft am Spieltisch, die dem Gesellschaftsspiel seinen Namen gibt.

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