Wo ist der Trend?

Bericht zur Spiel '03 in Essen

ein Spiele-Artikel von Gerlinde Rode und Michael Weber - 27.10.2003
King Arthur von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

War es in den letzten Jahren noch einfach, gewisse Trends auszumachen, bot die Spiel '03 ein breites Spektrum von Neuerscheinungen. Eine Linie, wohin sich die Spiele entwickeln, ist kaum auszumachen. Lizenzen zu "Der Herr der Ringe" sind weiter gefragt, zu Fernsehsendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" oder Bücher wie "Emil und die Detektive" ebenfalls. Klar ist nur eins: Wie schon im letzten Jahr verstärken die Verlage ihre Aktivitäten im Bereich der Kinderspiele. Es gibt anscheinend noch Potenzial. Haba bietet hier sogar über 20 Neuheiten. Der klassische Brettspielbereich stagniert am Markt dagegen. Die Fachgruppe Spiel erwartet nach Aussage Ihres Sprechers Ernst Pohle jedoch, im letzten Quartal die Jahresbilanz ins Positive zu verbessern.
 
Erfreulich ist dagegen, dass sich die Verlage wieder an komplexere Spiele heranwagen. Selbst Winning Moves, bekannt für einfache und kurze Spiele, bringt mit Alexandros ein Produkt, das an Komplexität innerhalb des Verlags-Programms deutlich herausragt. Hans im Glück bietet mit Attika ein Spiel, das sicher erst nach mehreren Partien eine Erfolgsstrategie offenbart. Weitere Spiele in dieser Richtung müssen wir uns erst ertesten, es gibt aber einige interessante Kandidaten wie Die Brücken von Shangrila, Santiago, Princess Of The Renaissance und Maya.
 
Prototypen gab es dieses Jahr wieder einige. Unter anderem bot Alea mit San Juan das Kartenspiel zu Puerto Rico, das im Frühjahr 2004 veröffentlicht wird. Das Erfolgsduo Kramer/Kiesling ließ bei Clementoni Die versunkene Stadt testen, Bruno Faiduttis Terra gab es bei Gigamic und John Yianni bot einen ersten Blick auf Junk Yard Race, ein kurioses Müllhaldenrennspiel.
 
Wenn es so etwas wie einen Trend gab, ist es die zunehmende Verquickung von Computer und Brettspiel - ob nun die "künstliche Intelligenz" bei King Arthur, die Übersetzung von PC-Spielen aufs Brett wie bei Anno 1503 oder die PC-Versionen von bekannten Brettspielen. Mehr dazu bieten wir in einem zusätzlichen Artikel, der unten direkt per Link erreichbar ist. In diesem Zusammenhang soll noch kurz der Hinweis darauf erfolgen, dass mit Die Siedler von Catan Spiele erstmals (außer bei Magic The Gathering) als Romanvorlage dienen und sich damit erstmals ganz neue Medienwelten erschließen.

Neu war für den Merz-Verlag als Veranstalter, dass die Nachfrage der Hersteller so groß war, dass es erstmals eine Warteliste gab. Also, nicht alle interessierten Verlage konnten in Essen ihre Produkte vorführen. Aber immerhin 610 Aussteller aus 21 Ländern konnten die Besucherinnen und Besucher in den bereits am Donnerstag vollen Messehallen ansteuern. 33 Prozent der Aussteller kommen aus dem Ausland.
 
Viele Kleinverlage waren vor Ort. Diese boten kostbare Perlen wie nummerierte und kleine (Erst-) Auflagen wie zum Beispiel das schnell vergriffene Railroad Dice von Wassertal, Pingvinas von Bambus oder Kogge. Erstmals in Essen waren Kronberger Spiele. Die Schwäger Goslar brachten Cronberg, Bonobo Beach und Tom Tube mit. Darunter auch nummerierte Sammlerstücke. Sehr erfolgreich verkaufte sich unter anderem auch das australische Puzzle-Brettspiel Sunda To Sahul von Sagacity Games.

Im Rahmenprogramm wurde unter anderem der Deutsche Spielepreis für Amun Re und Schloss Schlotterstein vergeben. Die Goldene Feder für die vorbildliche Spielanleitung ging an Alhambra, Coloretto erhielt den Kartenspielpreis A la Carte des Fachmagazins Fairplay.

Insgesamt war die Spiel '03 wieder DIE Publikumsmesse. Volle Hallen, besetzte Spieltische, eine riesige Ausstellungsfläche, Einkaufs- und Testmöglichkeiten an jeder Ecke. Das Spielerherz hüpft vor Begeisterung. Selbst Fantasy- und Comicfreunde hatten keinen Grund zu klagen. Die Spiel ist und bleibt nicht nur wegen des erneuten Besucherrekords (150.000 Menschen) die wichtigste Endverbrauchermesse für Spieler - mit oder ohne Trend.

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