Spiel 2001

Bericht zu den Neuheiten

ein Spiele-Artikel von Gerlinde Rode und Michael Weber - 21.10.2001
Zapp Zerapp in Szene von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Bei unserem Besuch der Essener Spiel haben wir jede Menge interessanter Spiele und viele Neuheiten gesehen. Es ist schier unmöglich, eine Übersicht zu geben, die alle Spiele gleich berücksichtigt. Hier ist unser ganz persönlicher und subjektiver Ersteindruck der aktuellen Neuheiten.

Ein Schwerpunktthema ist Tolkien. Der Herr der Ringe wird uns nicht nur auf der Leinwand und als neue Übersetzung in Buchform begegnen, sondern auch in vielen verschiedenen Spielformen. Neben einem Table-Top und einem Sammelkartenspiel konkurrieren Ravensburger und Kosmos gleich mit mehreren Produkten. Zum einen kommt zum Knizia-Spiel Der Herr der Ringe eine Erweiterung unter dem Titel Die Feinde in den Handel. Dazu das "offizielle" Spiel zum Film Der Herr der Ringe - Die Gefährten. Beides ergänzt Kosmos durch ein Klee-Spiel Der kleine Hobbit, das sehr schön aussieht und sich eher an jüngere Spieler richtet. An den Spieltischen auf der Messe waren aber auch jede Menge Personen gesetzten Alters zu finden. Ravensburger hält mit Der Herr der Ringe - Die Gefährten von Knizia dagegen. Mal sehen, welches die Tolkien-Saga am besten umsetzt. Wir werden auf unserer Seite einen Vergleich starten...

Eines der Spiele, das uns mit am interessantesten erscheint, ist Tenjo von dem amerikanischen Hersteller Why Spire?. Dabei musste man schon genau gucken, um dieses möglicherweise Kleinod ausfindig zu machen, da der Stand in der Fantasy-Halle zu finden war. In dem Strategiespiel geht es um das feudalistische Japan, vier Kriegsfürsten versuchen Shogun zu werden. Eine eigenwillige Mischung aus Risiko, Diplomatie und Ansätzen von Civilization erwacht in Tenjo zu einem völlig neuen Leben. Für zwei bis vier Spieler und mit einer Spiellänge von vermutlich nicht unter einigen Stunden.

Witt-Spiele lässt es sportlich zugehen. Mit dem Fußball-Brettspiel Schaumermal könnten endlich die Freunde des runden Leders eine Spielumsetzung gefunden haben. Auf einem recht großen Spielplan tummeln sich "Carcassonne"-Figuren. Um beim Fußball zu bleiben: Der Showmanager von Queen Games geht als Neuauflage unter dem Namen Atlantic Star in die Verlängerung. Ob das ein Erfolg wird? Eher etwas chaotisch begann die Messe für den Bambus-Spieleverlag. Da die letzten Spielsteine erst kurz vor Messebeginn eintrafen, bastelten Günter Cornett und Volker Schäfer noch während der laufenden Messe ihr Kanaloa zusammen, das sich schön in die Reihe der bisherigen Bambus-Veröffentlichungen einreiht. Die Kollegen von Sphinx Spiele hatten es da besser, drei komplette Kartenspiele wurden präsentiert. Vampir Connection macht den besten Eindruck. Man versucht, möglichst viele Blutpunkte zu bekommen (trinken), und keinen Vampirjägern oder Sonnenstrahlen zu begegnen. Bei Krimsus Krimskramskiste dreht sich dieses Jahr alles um den Wilden Westen. Goldrush-City und Saloon sind vielversprechende Kartenspiele. Eins der "hübschesten" Spiele ist Urland von Doris und Frank, das thematisch mit Ursuppe verwandt ist. Jeder Spieler muss seine "Ichtos" (die Ur-Wesen) aus dem Wasser an Land bringen. Natürlich kommen evolutionäre Elemente hinzu. Die Grafik ist einfach herrlich.

Fantasy-Freunde werden dieses Jahr reich beschenkt. Das Schwarze Auge - 4. Auflage, Dungeons & Dragons - 3. Auflage. Dazu haben nicht nur Amigo und Fantasy Productions, sondern auch Pegasus Spiele jede Menge Abenteuer-Neuheiten zu bieten, die so ziemlich alle Rollenspielsysteme abdecken. Auch der Sammelkartenwahn geht unter anderem mit dem erwähnten Herr der Ringe (mit originalen Fotos aus dem Film), Harry Potter und weiteren Magic- und Pokemon-Themendecks in die nächste Runde.

Einen optisch sehr schönen Eindruck macht Gold Siebers auf der Zauberwelle reitendes Kupferkessel Compagnie, genau wie So ein Hundeleben und Das Tal des Mammuts von Eurogames und Vabanque von Winning Moves. Mal sehen, wie die sich spielen.

Heiß begehrt war bei den Besuchern auch ein Test von Warfrogs Liberté. Interessant könnte auch das Was ist Was-Quiz von Hasbro sein - eines aus der momentanen Quiz-Spiel-Flut. Die Fragen sind jedenfalls nicht ohne. Quiz-Elemente sind auch in dem erst im Frühjahr marktreifen Globopoly enthalten. Die eigentümliche Mischung aus Risiko, Monopoly, Quiz und jeder Menge Ideen könnte zu einem echten Geheimtipp werden.

Beständig präsentiert Adlung eine ganze Reihe von Neuheiten, von denen zum Beispiel Alibi einen recht witzigen und das Eisenbahn-Kartenspiel Vom Kap bis Kairo einen komplexen Eindruck macht. Abacus liefert mit Flops und Kunst zwei Erweiterungen zu Anno Domini.

Neben Hick Hack im Gackelwack von Stefan Dorra lässt Zoch vor allem bauen: Villa Paletti und die entsprechende Luxusausgabe Palazzo Paletti erfordern eine ruhige Hand und setzen die Reihe mit schönen Holzspielen fort. Nicht eine ruhige Hand, aber einen kühlen Kopf erfordert Dvonn, eine weitere eigenständig spielbare Gipf-Erweiterung. Ebenfalls den Kopf fordern die viel versprechenden Topper 1-2-3 von Domino Art und Tija von Tija-Spiele, dem vermutlich "frischesten" Autorenteam auf der Messe.

Auf dem Rundgang durch die Messe-Hallen haben wir viele interessante Spiele gesehen und lange nicht so viele genauer ansehen oder gar ausprobieren können, wie wir wollten. Deshalb fallen hier möglicherweise einige, vielleicht sehr gute Spiele unter den Tisch. Man kann ja nicht alles sehen ;-)
Mehr zu den Neuheiten gibt es  - wenn möglich - später als Rezension.

Zum Fotoalbum:
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