Göttingen 2002

21. Spieleautorentreffen

ein spielerischer Artikel von Gerlinde Rode und Michael Weber - 01.06.2002
Sieben Schlafmützen von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Das Göttinger Spieleautorentreffen gehört zu den ganz wichtigen Spiele-Terminen im Kalender. Dieses Jahr fand es mit verlängerten Öffnungszeiten und einem Tutorensystem für erstmalig teilnehmende Autoren bereits zum insgesamt 21. Mal statt. Im Rahmen der Veranstaltung wurde der jährlich vergebene Preis Inno-Spatz an Knut Michael Wolf für seine besonderen Verdienste in der Spiele-Szene verliehen: KMW ist Autor und Regelübersetzer, hat die Pöppel-Revue ins Leben gerufen, KMWs Spielplatz gegründet (den Vorläufer der Webseite Spielbox-Online) und ist als Spielekritiker tätig.

Dieses Jahr nahmen sehr viele Autoren die Möglichkeit wahr, ihre Prototypen und Spielideen unter anderem alten Hasen der Autorenszene und Mitgliedern der Spieleautorenzunft vorzustellen. Anregungen und Tipps zur Verbesserung von Spielideen zu geben, ist ein Ziel der Veranstaltung. Um talentierte Jungautoren zu fördern, wurde mit Unterstützung der Jury Spiel des Jahres auch dieses Jahr wieder ein "Spiele-Stipendium" vergeben. Über dieses zur Deckung der Kosten mit 5000 Euro dotierte vierwöchige Praktikum kann sich dieses Jahr Frank Czarnetzki freuen. Franks Spiele bestechen durch einfache Ideen, die in liebevoller Detailarbeit umgesetzt werden (siehe Fotos).

Die Vertreter der Verlage interessierten sich aber auch für viele andere Spiele. Ein Teil dieser Spiele von bislang unbekannten Jungautoren: Ein Testmuster des sehr schön gestalteten und professionell wirkenden  Zauberschwert & Drachenei von Jochen Schwinghammer wurde gleich von mehreren Spieleherstellern zur Begutachtung angefordert. (Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass die meisten der hier genannten Spieltitel vorläufige Arbeitstitel sind!)

Eher wenig Chancen auf eine Veröffentlichung bei einem Verlag haben die vielen aufwendig gestalteten Prototypen. Für eine Serienherstellung ist die Produktion einer ganzen Reihe der in Göttingen vorgestellten Spiele ganz einfach zu teuer. Eine der Ausnahmen ist der Never Ever Cube, der im Herbst in einer voraussichtlich sechsstelligen Auflage in den Handel kommen soll. Der Würfel könnte wegen des geringen Preises (unter fünf Euro) und der fordernden Puzzle-Mechanik zu einem kleinen Hit werden.

Von solchen Auflagen werden die meisten Autoren weiter träumen müssen. Wichtig ist für viele, überhaupt dabei zu sein, um von erfahrenen Kollegen und Verlagsvertretern wertvolle Tipps zu bekommen. Nicht nur Mitglieder der Spieleautorenzunft gingen von Tisch zu Tisch und testeten vor allem die Prototypen des Nachwuchses kurz an.

Die Gründe, überhaupt ein Spiel zu entwickeln, sind übrigens recht vielfältig. Das MHC-Team, die wohl jüngsten Autorinnen in Göttingen, will schöne Kinderspiele entwickeln. Ediz Kiratli und Sascha Mertens haben ihr The Company aus der Not heraus entwickelt: Ihnen fehlte schlicht ein ansprechendes Wirtschaftsspiel. Preisträger Frank Czarnetzki soll seine Spiele sogar regelrecht erträumen. Natürlich wollen oder müssen einige Autoren auch Geld mit ihren Spielideen verdienen. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass einige der Teilnehmer der Meinung sind, dass die ganz großen Spiele zu Hause hinter verschlossenen Türen entwickelt werden. Dennoch gibt es unter den vielen in Göttingen gezeigten Spielen sicherlich einige, die in den nächsten Monaten über den Status Hand gefertigter Insider-Tipps hinauswachsen werden.

 

Zum Fotoalbum:
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