Angezapft

Franz-Benno Delonge über Goldbräu

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 20.09.2004
Franz-Benno Delonge von Franz-Benno Delonge
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Benno, dein neues Spiel Goldbräu ist ein Biergartenspiel. Ist dir die Idee bei einer Maß gekommen?
"Nein. Ich hatte schon länger die Idee, ein Spiel zu machen, in dem sich Spieler in wechselnder Verbindung an verschiedenen Firmen beteiligen und auf deren Geschäftstätigkeit Einfluss nehmen können, ohne dass eine Firma einem Spieler ganz alleine gehört. Und auch die Firmen sollten sich untereinander aneinander beteiligen können - halt ganz so wie im richtigen Leben. Für dieses vage Grundmodell kam mir dann ganz plötzlich das Thema 'Biergärten und Brauereien' in den Sinn, und zwar als ich das Buch 'Das Leben meiner Mutter' von Oskar Maria Graf gelesen hatte. Graf schildert darin seine Kindheit in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts am Starnberger See. Die ganze Gegend erlebt plötzlich einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, als langsam der Fremdenverkehr aufkommt - insbesondere die Biergärten direkt am See. Das war genau das Thema für dieses Spiel! Damit funktionierte das Spiel schon nach ganz wenigen Testrunden optimal."

Goldbräu von Reich der SpieleWie kam das Spiel ausgerechnet zum Hanser Verlag, der bisher kaum Spiele, sondern Bücher veröffentlicht hat? 
"Ich bekam mit, dass die Wirtschaftsredaktion des Hanser Buchverlages im Sommer 2003 das Manager-Spiel veröffentlicht hatte. Das fand ich deshalb so interessant, weil ich immer schon der Ansicht war, dass Spiele für Erwachsene eigentlich eher in Buchläden gehören als in Spielzeuggeschäfte. Also nahm ich Kontakt auf und fragte an, ob sie vielleicht im nächsten Jahr noch einmal ein Spiel mit Wirtschaftsthema machen wollten. Und das war zum Glück der Fall. Dann kam sehr schnell auch noch die Kooperation mit dem Zoch Verlag zustande, und so gibt es das Spiel jetzt in Buchläden und in Spielzeuggeschäften. Beide Verlage sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Ich auch! Speziell die Vohwinkel-Grafik finde ich toll."

Kannst du unseren Leserinnen und Lesern ein paar Spieltipps zu Goldbräu geben?
"Die Idee ist vielleicht nicht ganz so gut, weil ich bei Spielen generell sehr häufig und bei Spielen, die von mir stammen, praktisch immer verliere. Aber ich versuche es trotzdem.

Geschäftsführer sind bei Auszahlungen nicht unbedingt Geldbringer. In erster Linie sind sie interessant, um für die Firma etwas machen zu können. In Brauereien sind sie überhaupt nur sinnvoll zum Zwecke des Abschlusses von Bierverträgen. In Biergärten sind sie etwas wichtiger, weil sie dort sowohl zum Biervertragsabschluss als auch zur Vergrößerung des Biergartens dienen. Ich habe es ein paar Mal schon erlebt, dass sich zwei gleich starke Anteilseigner eines Biergartens ständig hin und her den Wirt rausgekickt haben, statt zu bedenken, dass dann keiner von ihnen den Biergarten vergrößern kann.

Brauereianteile sind tendenziell ein bisschen wertvoller als Biergartenanteile, weil ja alles Geld zur Hälfte an Biergärten, zur Hälfte an Brauereien geht, wobei es aber nur vier Brauereien gibt, aber sechs Biergärten. Andererseits ist es schwieriger, die Einnahmen einer Brauerei zu erhöhen, weil das nur über neue Bierverträge geht; einen Biergarten zu vergrößern, bedeutet weniger Aufwand.

Für das Aufdecken verdeckter Anteile gibt es eigentlich nur zwei sinnvolle Situationen: Erstens unmittelbar vor einer Auszahlung, zweitens bei einem Streit um eine Geschäftsführerablösung."