Der Zug zum Hotel im Grünen

Günter Cornett über sein Spiel Greentown

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 12.10.2006
Greentown Prototyp von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Günter, auf der Spiel 2006 stellst du Greentown vor. Um was geht es bei diesem Spiel?
"Bei Spielbeginn besteht die Greentown aus zwei Hotels, die an unterschiedlichen Enden eines Waldes liegen. Um Besucher in den Ort zu locken, bauen die Spieler Kultureinrichtungen, Sportplätze und Shoppingzentren, eben was Besucher so von einem Urlaubsort erwarten. Gefällte Bäume werden sofort an anderer Stelle wieder errichtet. Denn die Besucher kommen vor allem nach Greentown, um das schöne Grün zu genießen. Sie haben bestimmte Wünsche (=Karten), die die Spieler erfüllen müssen. Danach richtet sich, wie die Spieler das Wegenetz gestalten und wo sie welche Gebäudeart platzieren."

Wie setzt du das Thema spielerisch um?
"Rein spieltechnisch gesehen ist Greentown ein 'Eisenbahnspiel': Die Spieler bauen das Wegeraster aus Hexplättchen und errichten drei Arten von Stationen. Die Plättchen werden schrittweise ausgebaut, sind allerdings weniger komplex als bei 18xx. Anstatt zu bauen kann man Reiseleitung spielen, das heißt die Strecken abfahren. Hierbei ist die Anzahl der Stationen und teilweise deren Art vorgegeben. Punkte erhält man durch das Anfahren neutraler und eigener Stationen. Mitunter muss man aber auch geschickt platzierte Stationen der Mitspieler anfahren und ihnen so Punkte abgeben."

Greentown von Bambus SpieleverlagDas Spiel wurde in den letzten Wochen noch optimiert. Welche Änderungen hast du vorgenommen?
"Im Spiel zu viert wurde ein zu großer Grübelfaktor kritisiert. Daher habe ich die Anzahl der anzufahrenden Zwischenstationen um eine reduziert - bei Spielbeginn vier statt fünf, bei Spielende acht statt neun). Außerdem biete ich eine vereinfachte Startsituation an. Insgesamt gebe ich drei unterschiedliche Startsituationen vor, die den Charakter des Spiels in unterschiedliche Richtungen beeinflussen. Aufgrund dieser Vorgabe kann man sich dann weitere Startsituationen selbst zusammenstellen.
Aber schon bei gleicher Startsituationen sind die Spielverläufe je nach Naturell der Spieler stark unterschiedlich. Man kann sehr kooperativ, aber auch extrem destruktiv spielen. So gab es 'Vielspieler', die das Spiel als eher schwierig erlebten, und 'Wenigspieler', die es recht locker runterspielten."

Gibt es vom Autor ein paar Taktiktipps für die erste Partie?
"Baue dein erstes Gebäude direkt neben dem Hotel. Die Plätze ganz im Zentrum sind dabei zweite Wahl, weil der Wald im Laufe des Spiels an den Rand gedrängt wird.
Du bist in Greentown: Achte auf die Bäume!"

Greentown ist ein Spiel, das du zusammen mit Michael Uhlemann veröffentlichst. Welchen Anteil hat er am Spiel und wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
"Michael hatte anfangs ein abstraktes Spiel, mit dem er nicht so recht weiterkam. Es bestand aus Spielkarten mit Verbindungslinien in bis zu acht Richtungen. Ich habe ihm geraten, das Spiel thematisch anzugehen, hatte eine ganze Menge Ideen dazu, sodass er mir anbot, es gemeinsam weiterzuentwickeln.
Wir haben das Spiel anfangs sehr häufig zu zweit getestet; das war eine sehr produktive Zeit. Rückblickend ist praktisch nichts mehr von seiner ursprünglichen Idee übrig geblieben.
Ich habe Michael gefragt, wie er das sieht. Er denkt zwar, dass das Spiel stärker meine Handschrift trägt als seine, aber es ist unser gemeinsames Spiel. Im Nachhinein ist es schwierig, die Anteile zu quantifizieren. Antworten wir also mit der Gegenfrage (frei nach Hakuin Ekaku): 'Wenn du in die Hände klatscht, welche Hand macht das Geräusch?'"