Verleger Günter Cornett über das Gurami-Rätselbuch

Mathematische Dreiecksaufgabe und Lizenzeiszeit

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 11.10.2011
Gurami von Bambus Spieleverlag
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Günter, von Bambus Spieleverlag erscheint in Essen zur Spielemesse unter anderem ein neues Spielebuch. Wird es wieder viele Spielideen beinhalten?
"Nein, diesmal handelt es sich um ein Rätselbuch. Gurami - das neue Zahlenrätsel enthält 60 Aufgaben über eine neue Rätselart, sowie ein Kapitel zweier Mathematiker über den  wissenschaftlichen Hintergrund."

Was ist Gurami für eine Art Rätsel? Wie spielt bzw. löst man ein Rätsel?
"Während Sudoku auf magische Quadrate zurückgeht, basiert Gurami auf der Magie der Dreiecke. Es funktioniert auch ein wenig anders als Sudoku: Auf hellen und dunklen Feldern werden Zahlen so eingetragen, dass in jeder der drei Achsen die Summe der hellen Felderwerte gleich der Summe der dunklen Felderwerte ist. Mathematisch interessant ist, dass zwei sich kreuzende Achsen grundsätzlich zwei gemeinsame Felder haben. Das hilft mitunter auch beim Lösen.
Ohne Beispiel klingt das vielleicht etwas kompliziert; die Aufgaben sind aber sehr übersichtlich angeordnet und daher vom Handling recht einfach. Auf  www.gurami-raetsel.de sind zwei Beispiele zum Online-lösen (in Flash). Die Aufgaben im Buch sind aber deutlich anspruchsvoller."

Von wem stammt Gurami und wie kam der Kontakt zustande?
"Das Gurami-Rätsel stammt von Dr. Klaus-Peter Rudolph. Die Grundlagen dazu hatte er zuvor mit Prof. Hans-Friedrich Bauch untersucht. Klaus und ich kennen uns schon länger aus dem Berliner Spielecafe spielwiese. Klaus ist auch einer der Autoren von Sudoku goes classic, das vor zwei Jahren im Bambus Spieleverlag erschienen ist."

Du hast in den letzten Jahren häufiger Spielebücher oder jetzt das Rätselbuch veröffentlicht. Worin liegen für dich als Kleinverleger und Spieleautor die Unterschiede zwischen einer redaktionellen Spieleentwicklung und der Arbeit an einer Buchveröffentlichung?
"Bei Büchern ist es - zumindest für mich - viel schwerer einzuschätzen, wie gut sie ankommen. Ich denke: Spielbücher haben eher einen Nutzwert (werden gelesen wie ein Fachbuch), während Spiele mehr als Spielzeug wahr genommen werden. Dabei ist ein Spiel eigentlich nichts anderes als ein dünnes Spielebuch mit viel Material.
Es braucht aber unterschiedliche Herangehensweisen beim Testen. Bei Spieletests ist vor allem Kreativität gefragt, um logische Fehler zu finden. Bei Büchern ist die Fehlersuche eher monoton. Bei Büchern ist die Konkurrenz noch größer, aber das finanzielle Risiko für eine Kleinauflage geringer."

Was macht für dich den speziellen Reiz aus, ein Spielebuch als Medium zu nutzen?
"Mich reizt es schon Spiele als Medium zu nutzen, um mich mit Inhalten auseinanderzusetzen und auch einiges davon zu transportieren (Nanuuk!, Flaschenteufel, Kanaloa). Da ist der Schritt zum Buch nicht allzu groß."

Wird das Gurami Rätselbuch in ausreichend großer Stückzahl in Essen erhältlich sein oder sollten Interessierte das Buch vorbestellen?
"Sollten die in Essen erhältlichen Bücher ausverkauft sein, kann man es ganz normal im Buchhandel bestellen, nicht nur bei mir im Bambus Spieleverlag. Am Bambus-Messestand (Halle 12, Stand-Nr.1276) kann man das Buch direkt  aus der Hand des Autors bekommen und auch ein bisschen proberätseln."

An deinem Stand in Essen auf der Spielemesse hast du in den letzten Jahren immer wieder Neuauflagen, eigene Spiele und Spiele von Partnerverlagen dabei gehabt. Wird es mehr als nur Gurami geben?
"Gute Frage. Ist ja noch etwa eine Woche hin bis zur Messe. Wenn alles so klappt, wie ich es mir vorstelle, wird es zusätzlich zum Buch Gurami - das Spiel geben. Darin sind drei Spiele enthalten: 'Gleich = gewinnt' ist ein lockeres Familienspiel, bei dem Spielsteine auf einem Dreiecksparkett zu gleichen Summen ausgelegt werden. 'GOrami' ist ein raffiniertes Taktikspiel für zwei Personen. 'Küssende Guramis' ist ein Ablegespiel für zwei. Wie  Gurami - das Spiel kommt auch die Neuauflage von Volker Schäfers So ein Zirkus in einer neuen Bambus-Standardschachtel, die von Martin Hoenicke illustriert wurde.
Von der Schweizer Spielwerkstatt Murmel gibt es die Neuheit Chemix: Ein Kartenspiel für 2 bis 4 Spieler von Jan Götschi um Elemente und chemische Verbindungen. Infos gibt es auf der Webseite von Murmel.
Daneben kann man noch eine russische Spielveröffentlichung am Bambus-Stand - zwar weder spielen noch kaufen aber - begutachten."

Um was handelt es sich dabei?
"Bis Ende 2010 hatte der russische Verlag Zvezda (hierzulande wohl eher bekannt unter ihrem Label Sirius) über Phalanx Veröffentlichungsrechte an Hey! Thats my Fish! (Packeis am Pol bzw. Pinguine Deluxe) von Alvydas Jakeliunas und mir. Nachdem sie zusammen mit Phalanx die Rechte verloren hatten, wollten sie das Spiel unbedingt weiter produzieren. Ihre damalige PR-Sprecherin Tatjana wird auf der russischen Webseiten diced.ru mit einer Stellungnahme zitiert:
'Das Spiel wird von unseren Käufern stark nachgefragt und wegen des Auslaufens des Vertrags mit Phalanx drohte uns die Nichteinhaltung unserer gegenüber den Käufern eingegangenen vertraglichen Lieferverpflichtungen in Bezug auf dieses Spiel. Da bestellten wir eine Bearbeitung des Spiels mit selber Thematik beim neuen Autor Sergej Djatschuk (Autor von Tatschki). Das Spiel bestellten wir mit genau dem gleichen Namen, aber mit kardinalen Änderungen. Im Spiel erschienen ein Würfel, ein Hai sowie ein Spielbrett. Somit ist dies zum heutigen Tag ein anderes Spiel und wir werden es in Russland vertreiben, vom juristischen Standpunkt ist der Vorgang absolut transparent und von einem Plagiat kann hier nicht die Rede sein.'
Die 'kardinale Änderung' besteht darin, dass ein Spielbrett unter die Plättchen gelegt wird. Auf dem mittleren Feld wird ein Hai positioniert. Dieser wird am Ende jeder Runde per Würfel in eine von sechs Richtungen gradlinig übers Spielfeld bewegt. Trifft er auf einen Pinguin, muss der Spieler ein Plättchen abgeben.
Alvydas und ich sehen die Hai-Version als eine unautorisierte Bearbeitung unseres Spiels an. In Russland wird sie in einigen Geschäften bewusst nicht verkauft, obwohl Hey, That's My Fish vorher zu deren Bestsellern gehörte. Andere Shops verwenden weiterhin die Beschreibung unseres Spiels, um die Hai-Version zu verkaufen. Zvezda selbst hatte auf seiner Webseite noch bis zum 21. September 2011 für die Hai-Version mit den Auszeichnungen geworben, die unsere Version erhalten hatte.
Wer sich eine Meinung dazu bilden möchte, ob es sich um ein Plagiat handelt, ist an meinem Stand willkommen und kann sich bei mir die Hai-Version anschauen und vergleichen. Vielleicht ergibt sich ja auch eine Diskussion mit Zvezda-Leuten. Im letzten Jahr waren sie ebenfalls in Halle 12 vertreten (am Stand von Hutter Trade)."