Kampfansage: "Wir haben gerade erst angefangen!"

Interview mit Hans van Tol (The Game Master)

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 30.12.2005
Hans van Tol von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Hans, dein Spiel De Ontembare Stad ist in den Niederlanden 2005 zum Spiel des Jahres gewählt worden. Wie wichtig ist dieser Erfolg für dich und für The Game Master?
"Der große Erfolg von De Ontembare Stad ist sehr wichtig für The Game Master. Es ist ein Durchbruch für uns. Jetzt sind unsere Brettspiele auch in den großen Läden in Holland erhältlich, aber auch international sind viele Verlage interessiert an De Ontembare Stad und auch an unserem neuen Spiel Skyline Of The World."

Wie ist The Game Master entstanden? Wie lange gibt es den Verlag schon?
"The Game Master ist noch ein sehr junger Verlag, nur zwei Jahren alt. Ich hatte einige Spielideen und ich habe diese mit einigen Freundinnen und Freunden getestet. Sie wahren außergewöhnlich begeistert von den ersten zwei Spielen, De Ontembare Stad und Block It. So habe ich mir gedacht: 'Wenn sie so begeistert sind, würden es nicht viel mehr Menschen auf der Welt ebenso gern diese Spiele spielen wollen?' Das war der Moment, in dem ich den Verlag The Game Master gegründet habe. Dieses Jahr haben wir mit Skyline Of The World das dritte Spiel veröffentlicht. Und ich habe noch mehr als hundert Spielideen im Kopf. Also, wir stehen jetzt erst am Anfang."

Dein neues Spiel Skyline Of The World hat einen ganz einfachen Mechanismus, der aber ein komplexes Spiel ermöglicht. Muss ein gutes Spiel leicht zu verstehen sein?
"Da hast du Recht. Es muss leicht zu verstehen sein, vordergründig einen einfachen Spielablauf haben, aber hintergründig komplex sein. Das nenne ich die Tiefe eines Spieles. Die Kraft eines guten und schönen Spiels ist, dass du jedes Mal beim Spielen wieder überrascht wirst durch die vielen Alternativen. Und dass du deine Strategie ändern musst, um das Spiel zu gewinnen - jedes Mal."

Was ist für dich der besondere Reiz an einer Partie Skyline Of The World?
"Das Finale von Skyline Of The World. Ohne Zweifel. Wenn das erste Penthouse gebaut wird, normalerweise nach einer halben Stunde, dann geht's los. Jeder Spieler muss sich dann auch ein Penthouse anschaffen. Bis zum Finale ist das Spiel noch ein taktisches Katz-und-Maus-Spiel. Aber im Finale, erst dann, muss man strategisch spielen und es wird richtig zu einer Herausforderung, das Spiel zu gewinnen."

Skyline Of The World - Logo   von The Game MasterEin kleiner Mangel bei Skyline Of The World ist das Material. Spieler finden die Plastikteile "billig" und die Karten sind qualitativ sehr schlecht. Hätte man dieses Spiel nicht besser ausstatten müssen, um die Spieler zu überzeugen?
"Die Karten sind zu dünn, das finde ich auch. Die Farbe der Plastikteile sind gerade gewählt für Menschen die farbenblind sind. Aber sie könnten ein wenig blasser sein. Die Plastikteile und die Karten sind qualitativ nicht sooo schlecht, aber wir haben die Absicht, das Material in Zukunft zu verbessern. Das ist auch für uns eine Lehre."

Gab es bei der Entwicklung von Skyline Of The World eine andere Herangehensweise als bei der Entwicklung von De Ontembare Stad?
"Skyline Of The World ist entstanden aus einem taktischen Spielmechanismus. Der Kern des Spieles ist der Mechanismus, dass man aufeinander bauen muss und dass man dafür an diese Spieler eine Summe Geld bezahlen muss. Der ’Trick’ beim Spiel ist, dass man mit diesem Geld eine höhere Etagen kaufen kann, um in einer der nächsten Runde wiederum auf diese Spieler bauen zu können. Dieser Mechanismus ist sehr einfach, aber sehr ausbalanciert und wirkt wie ein Uhrwerk.
De Ontembare Stad ist auf eine ganz andere Weise entstanden. Dieses Spiel ist entstanden aus einem Bild einer runden Stadt. Anfangs nur das. Wie eine Traum. Und ich habe eine Zeichnung davon gemacht. Es war eine Freundin, die mich gefragt hat, was das für eine Art Spiel sei. Ich habe gesagt: Das ist ein sehr schönes Spiel, ich werde es noch entwickeln. Und Sie hat mich noch einmal gefragt: 'Weißt du das nicht?' Und dann habe ich eigentlich gleich die Spielregeln erklärt. Das Spiel war schon in meinen Kopf und ich wusste es nicht. Und nur das Bild von der runden Stadt war der Schlüssel."

Bei De Ontembare Stad thematisierst du das Mittelalter. Unsere Rezension bemängelt allerdings, dass die Illustrationen eine andere Zeit (Hochrenaissance) zeigen und dass Ritter in der Stadt sind (waren sie in der Realität nicht) und Aquädukte nicht am Wasser gebaut werden dürfen. Wie konnte es zu solchen "Fehlern" in der thematischen Umsetzung kommen?
"De Ontembare Stad hat seinen Ursprung im Mittelalter, wie man auch in den Spielregeln lesen kann. Mann kann dort auch lesen, dass später in der B- und C-Phase des Spieles neue Gebäude gebaut werden können. Und diese Gebäude sind auch aus der Hochrenaissance. Also vielleicht sollte der Kritiker die Spielregel noch einmal gut lesen. Und es gab jedenfalls Ritter in der Stadt. Die Tempelritter, ein sehr bekannter Ritterorden, haben viele Gebäude wie Kirchen, Kathedralen und so weiter gebaut. Sie haben auf ihren Kreuzzügen auch die Baukunst aus ihrer eigenen Heimat mitgenommen und kaum entwickelte Gebiete bereichert. Die letzte Bemerkung ist ein bisschen komisch. Ein Aquädukt transportiert doch nur das Wasser. Weil die Stadtgebäude sehr wichtig sind für die Entwicklung der Stadt, ist es nicht erlaubt, eines der Stadtgebäude über einem Fluss zu bauen, weil sonst die Aquädukte bei eine Überschwemmung Schaden nehmen könnten. Deswegen ist es nicht erlaubt. Das Wasser kommt natürlich von einem (anderen) Fluss, aber ich begreife nicht, dass so etwas so viel Aufregung erzeugt. Also, es sind keine thematischen Fehler. Der Rezensent sollte ein wenig mehr Vorstellungskraft entwickeln, dann würde er auch mehr Spaß haben, ein solches schönes Brettspiel zu spielen."

In Essen auf der Spiel 2005 hattest du einen großen Stand. Wie wichtig ist für dich die Präsentation deiner Spiele speziell in Essen und in Deutschland allgemein?
"Natürlich ist Deutschland das Mekka für jeder Liebhaber von Spielen und Brettspielen. Hier findet man alles - Spieler und Verlage. Und für uns ist es wichtig, auf der Spiel einen guten Platz zu haben, weil wir sehr viel von den Besuchern lernen. Für mich persönlich, auch ein Liebhaber von Spielen, ist die Spiel der Beginn des Jahres. Und Deutschland ist wichtig für uns, nicht nur weil es ein großer Markt ist, sondern mehr weil Deutschland tonangebend für Brettspiele ist. Aber passt auf! Die Holländer sind wachgerüttelt. The Game Master entwickelt auch in diesem Moment schöne neue Spiele und ich denke, dass wir den Rückstand jedes Jahr verkleinern. The Game Master hat sich zum Ziel gesetzt, innovative Spiele zu entwickeln, die einfach zu lernen sind, Tiefgang haben und Spaß machen für alle. Und wir haben gerade erst angefangen. Das große Interesse von mehreren deutsche Verlagen für unsere drei Spiele De Ontembare Stad, Block It! Und Skyline Of The World ist kein Zufall."