Kooperatives Gewusel

Michi und Hermann Huber über ihr Spiel Herkules Ameise

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 09.10.2008
Herkules Ameise von Haba
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Michael und Hermann Huber, Sie veröffentlichen zur Spiel '08 in Essen das Kinderspiel Herkules Ameise. Um was geht es dabei thematisch und wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?
Michi: „Bei einem Urlaub in Kärnten sind uns beim Wandern immer wieder enorm große Ameisenhügel aufgefallen und wir haben ganz fasziniert zugesehen, wie diese kleinen Tiere unermüdlich Unmengen von Baumaterial herbeischaffen.Trotz allem Chaos auf diesen ‚Ameisenstraßen’ hatten wir immer das Gefühl, dass das Miteinander im Mittelpunkt steht. Dieses Miteinander ist auch in unserem Spiel der entscheidende Faktor.“   
Hermann: „Ich hatte zudem immer schon eine Neigung, in meine Überlegungen für Kinderspiele Tierarten einzubeziehen, die sich nicht geradezu aufdrängen, so zum Beispiel Spinnen in Susi Spinne (zusammen mit Helga Huber; HABA, 1997) oder Schlangen in Papa Klapper (Piatnik, 2005). Nun sind es eben Ameisen.“   

Wie kam es zu dem Titel?
Hermann: „Es sollte ein kurzer, spannender Titel sein, der die Stärke der Ameisen betont. Daher hat sich der Verlag nach einem internen Brainstorming  für Herkules Ameise entschieden.“
Michi: „Unser Prototyp hieß 'Amelie Ameise'.“

Herkules Ameise von HabaMit welchen Mechanismen setzen Sie dieses Spiel um? Welche sind entscheidend für den Spielspaß der Kinder?
Hermann: „Ein bisschen Strategie, ein wenig Sammelspaß, etwas Würfelglück und vor allem Zusammenarbeit.“
Michi: „Die Tests beim Verlag haben gezeigt, dass den Kindern das ‚Miteinander’ und das Bauen der Ameisenstraße am meisten Spaß gemacht haben. Die Kinder haben sich immer gemeinsam beraten, was sie als nächstes machen sollten. Und natürlich war der Ameisenbär, also der zufallsgesteuerte Gegenspieler, immer ein großer Spannungsfaktor.“

Das Spiel ist kooperativ. Was reizt Sie, ein solches Spiel zu gestalten? Ist dies schwerer als ein Spiel, bei dem jeder um den eigenen Sieg spielt?
Hermann: „Das Entwickeln kooperativer Spiele ist auch so eine Marotte von mir, zum Beispiel Sambesi (Haba, 1994) und Der gute Hirte (zusammen mit Helga Huber; Hänssler, 1996). Rein kooperative Spiele sind natürlich nur für die ganz kleinen Spielerinnen und Spieler interessant. Für die etwas älteren sollte schon auch ein Wettkampf-Aspekt mit an Bord sein.“
Michi: „Entscheidend ist, dass das Spiel auch in der ‚Wettkampfvariante’ nur gewonnen werden kann, wenn alle zusammen helfen und der Ameisenhügel fertig gebaut ist, bevor der Ameisenbär den Hügel erreicht.“

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Spielverlauf und welche Erfahrung bringt das den Spielerinnen und Spielern?
Michi: „In der Anfangsphase spielen die Kinder sehr chaotisch. Da werden die Ameisen einmal hierhin und einmal dahin gesetzt und so ist das Spiel oft zu Ende, lange bevor der Ameisenhügel fertig gestellt ist. Aus diesen Erfahrungen lernen die Kinder, dass es wichtig ist, strukturiert zu planen; und sie beginnen gemeinsam, die besten Wege zu suchen und die Ameisen so umzustellen, dass auch die weiter entfernten Äste eingesammelt werden können. Die Kindergartentests haben ergeben, dass die Kinder sehr schnell lernen, den Ameisenweg längerfristig zu planen.“

Herkules Ameise von HabaGerade bei Kinderspielen ist die Ausstattung häufig sehr wichtig. Auf was können sich die Kinder bei Herkules Ameise freuen?
Hermann: „Die Kinder können sich auf ein wirklich toll ausgestattetes Spiel freuen. Viele Ameisen, die über den Spielplan wuseln, ein toller Ameisenhügel, der immer weiter, Stockwerk für Stockwerk, in die Höhe wächst, sowie witzige und detailreiche Illustrationen. Insgesamt stecken in dem Spiel 90 Teile, fast die Hälfte davon aus Holz.“

Für welche Altersgruppen ist das Spiel vorrangig geeignet? Sollten die Kinder in Begleitung eines Erwachsenen spielen?
Hermann: „Haba hat das Spiel für Kinder ab sechs Jahren eingestuft. Ein erstes Spiel mit einem Erwachsenen ist natürlich sinnvoll, aber nach ein bis zwei Spielen sind die Regeln klar und das Spiel kann ohne Erwachsene gespielt werden.“
Michi: „Da ja miteinander gespielt wird, achten alle gemeinsam darauf, dass die Regeln eingehalten werden, und weil der Ameisenbär die Rolle des Gegenspielers übernimmt, kann ein Kind sogar alleine großen Spaß an dem Spiel haben.“

Michi (r.) und Hermann Huber von Hermann HuberWodurch unterscheidet sich die Wettkampfvariante von der kooperativen und was ist dabei die größte Herausforderung?
Michi: „Die Wettkampfvariante sollte erst gespielt werden, wenn die Kinder das Spiel schon kennen. In dieser Variante erwirbt jeder mit seiner ‚persönlichen’ Ameise zusätzlich Punkteplättchen, die man verdeckt vor sich ablegt, sodass nie jemand weiß, wer gerade führt. Obwohl man gegeneinander spielt, braucht man die Hilfe der anderen Spieler, denn wie in der Hauptvariante kann man nur gewinnen, wenn der Ameisenhügel fertig wird, bevor der Ameisenbär den Hügel erreicht.“
Hermann: „Hier ist wirklich zu bemerken, dass zu Beginn sehr stark gegeneinander gespielt wird, aber so kann man das Ziel normalerweise nicht erreichen.“

Hermann Huber, was bedeutet es für Sie persönlich, Spiele zu erfinden?
Hermann: „Für mich ist das Entwickeln von Spielen eine Möglichkeit, abseits des Berufsalltages, in dem ich mich mit Mathematik und Budgetfragen beschäftige, kreativ tätig zu sein. Dabei ist die inhaltliche Recherche zu den Themen mindestens so spannend, wie das Brüten über den Mechanismen. Zum Beispiel habe ich mich zuletzt für das Spiel Paulus (zusammen mit Helga Huber; Uljö, 2008) sehr intensiv mit den Briefen und mit den Reisen dieses Völkerapostels auseinander gesetzt.“

Michi Huber, was beschäftigt dich neben dem Spieleerfinden noch in deiner Freizeit?
Michi: „Ich lerne E-Bass und versuche mich im Jonglieren, Zaubern, Computer bauen und ich betreibe gerne Sport, soweit mir eben die Schule Zeit dafür lässt.“