Hermann Hutter: "Ich bin gerne als Trendscout unterwegs"

Über die Arbeit eines Geschäftsführers in der Spielwarenbranche

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 03.12.2010
Hermann Hutter stellt das Börsenspiel an der Börse vor von Huch and friends
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Herr Hutter, Sie sind vor einigen Jahren neu in die Spielebranche eingestiegen. Wie kam es damals dazu?
„Bei der Eröffnung des Legolands in Günzburg im Jahr 2002 sprach mich ein Unternehmer aus der Spielwarenindustrie an, ob ich nicht Interesse hätte, als Gesellschafter beim Zoch Verlag einzusteigen. Nachdem ich zwei Jahre zuvor einen großen Teil meiner Aktivitäten im Bürohandelssektor verkauft hatte, war es für mich spannend, neben der Handelsseite auch die Industrie näher kennenzulernen. Einige Wochen später war ich schon bei Zoch aktiv und schnell folgte dann auch die Gründung von HUCH! & friends.“

Sie kommen eigentlich aus einem anderen Bereich. Welcher ist das? Gibt es in der täglichen Arbeit neben den sich unterscheidenden Produkten spürbare Unterschiede?
„Über Jahre hinweg habe ich mich in erster Linie mit Büroartikeln und Büroeinrichtungen beschäftigt. Hier galt es große Konzerne, aber auch kleine Betriebe im 24-Stunden-Service und mit möglichst 99 Prozent Lieferfähigkeit zu versorgen.
In der Spielebranche stehen dagegen Kreativität, Originalität und Spielspaß mehr im Vordergrund. Die Arbeit beim Spieleverlag ist mehr projektbezogen und auch internationaler.“

Wie würden Sie Ihre Aufgaben als Geschäftsführer bei Huch and friends und bei Hutter Trade beschreiben? Worin unterscheiden sich dabei die Ausübung Ihrer Funktion bei Vertrieb und Verlag
„Der Vertrieb ist sehr auf den Kunden konzentriert und ich betreue auch gerne noch selber etliche Kunden, um das Ohr auf der Schiene zu haben. Der funktionale Prozess wie Einkauf, Logistik und Verwaltung müssen organisiert werden.
Im Verlag beginnt der Prozess dagegen schon mit Themensuche und Autorenkontakten. Viele grundsätzliche Sortimentsentscheidungen sind zu treffen und der Weg von der Idee bis zum fertigen Produkt wird begleitet.“

Was davon macht Ihnen am meisten Spaß? Worauf würden Sie am liebsten verzichten?
„Ich bin gerne als Trendscout unterwegs und schaue mir dauernd interessante Geschäfte an. Dort kann ich natürlich auch viel für unsere Aktivitäten im Einzelhandel mitnehmen. Viel Freude hat man, wenn ein Spiel fertig ist und gelungen ist.
Verzichten würde ich gerne auf Desinteresse, das man manchmal spürt, weil viele Menschen wenig Offenheit für Neues haben.“

Sie haben als Geschäftsführer die Fäden der Entwicklung maßgeblich in der Hand. Sind Sie selbst mit dem Werdegang von Verlag und Vertrieb bisher zufrieden? Wo sehen Sie die größten noch unausgeschöpften Potenziale?
„Wenn man bei Null startet, dann ist es nicht ganz einfach, ein Programm zu entwickeln, eine Organisation aufzubauen und den Weg in die Geschäfte zu finden. Nach sechs Jahren haben wir nun rund 100 Spiele bei HUCH! & friends entwickelt und ein interessantes Programm unserer Verlagspartner im Vertrieb. Viele Auszeichnungen zeugen von der Qualität unserer Arbeit. Ich bin somit sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung. Wir entwickeln uns immer noch zügig weiter und gerade international gibt es noch viel Potenzial HUCH! & friends bekannt zu machen.“

Die Welt der guten Küche: Hermann Hutter mit Starkoch Johann Lafer  von Huch and friendsHutter Trade hat von Anfang an auch kleineren ausländischen Verlagen mit interessanten Spielen eine Chance gegeben. Wie wichtig sind diese Kooperationen für den Vertrieb und welchen Anteil am Geschäft machen ausländische Verlage inzwischen aus?
„Mit unseren internationalen Partnern bringen wir viele innovative Produkte in den deutschsprachigen Raum, die es alleine im Vertrieb sehr schwer hätten. Wir können diese kleineren Verlage vielfältig unterstützen, lernen aber auch viel für unsere Aktivitäten und schaffen ein kleines Netzwerk. Unser Programm ist dadurch vielfältiger und interessanter. Am gesamten Umsatz von Hutter Trade sind diese Verlage mit rund 20 Prozent beteiligt.“

Bei Huch and friends bieten Sie ein sehr breites Spektrum an Brettspielen. Es gibt Logikspiele, Quizspiele, kleine Mitbringspiele und Spiele, die sich fast schon an Freaks richten. Ist das nicht alles ein wenig zu viel querbeet? Wo sehen Sie den Schwerpunkt des Verlages?
„Wir haben vier Schwerpunktthemen: Lernen/Logik, Kommunikationsspiele, Lifestyle- Produkte und Strategiespiele. Gemeinsam ist allen, dass wir hohe Qualität verarbeiten, anspruchsvolle Grafiken  und innovative Mechanismen einsetzen. Wichtig ist vor allem, dass der Spieler Spaß hat, gerne mit unseren Spielen spielt und immer auch ein wenig dabei 'lernt' – mal im übertragenen, mal im unmittelbaren Sinn. Lustigerweise sind gerade Vielspieler oft auch an unseren anderen Themen sehr interessiert und packen auch ein 'Welt des Kaffees' aus.“

Ohne erfolgreiche Brettspiele können kein Verlag und kein Vertrieb dauerhaft existieren. Wie wichtig sind für Hutter und Huch Erfolge bei den Spielepreisen wie zum Beispiel mit Beppo der Bock als Kinderspiel des Jahres? Welches war für Sie der größte Überraschungserfolg?
„Für einen jungen Verlag sind Spielepreise sehr wichtig. Oft kauft der Handel nur altbewährte Spiele oder TV-getriebene Produkte. Auszeichnungen verschaffen mehr Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit und haben schon viele Spiele zu begeisterten Kunden geführt, die diese Spiele sonst gar nicht kennengelernt hätten. Die großen, schönen Überraschungen waren sicherlich Beppo der Bock, Ausgerechnet Buxtehude und Fauna. In diesem Jahr freuen wir uns über einen Supererfolg in vielen Ländern mit Kamisado - das derzeit bei uns schon gar nicht mehr lieferbar ist.“

Wenn Sie mit ein paar Freunden oder Ihrer Familie mal entspannen möchten und das Spielen eines Brettspiels auf dem Programm steht, welches würden Sie dann am liebsten auf den Tisch bringen? Gibt es weitere Lieblingsspiele?
„Schon als Kind habe ich gerne Wirtschaftsspiele gespielt, so freue ich mich schon wieder auf die nächsten Partien mit unserem Börsenspiel. In den Weihnachtsferien im Allgäu werden wir mit Freunden Saustall spielen und eine Partie ego anhängen. Unsere Freunde sind inzwischen schon erfahrene Testspieler. Und letzten Endes findet sich immer das richtige Spiel für die jeweilige Runde, Umgebung oder Laune.“