Scharfe Spiele - Klaus geht fremd

Interview mit Klaus Zoch, Chili Spiele

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 29.10.2007
Klaus Zoch von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Klaus, mit dem Deutschen Spielepreis in der Kategorie Kinderspiel für Burg Appenzell hat der Zoch Verlag wieder einmal eine begehrte Auszeichnung eingeheimst. Wie schafft ihr es immer wieder, ausgezeichnete Spiele ins Verlagsprogramm aufzunehmen. Was sind eure Kriterien oder Geheimrezepte?
„Geheimrezepte verrät man nicht, so man sie denn hat. Sei’s drum: Ich glaube das Wichtigste beim Entwickeln von Spielen ist, dass die Entwickler selbst gerne spielen. Daran kann es Gott sei Dank in der Zoch- (und auch Huch-) Redaktion keinen Zweifel geben.
Kriterien: Zoch-Spiele sind in der Regel generationsübergreifend. Ein sogenanntes Kinderspiel soll auch von den Eltern und Großeltern mit Freude gespielt werden, soll auch für sie noch eine Herausforderung sein, soll aber den Kindern eine echte Gewinnchance bieten, die nicht nur aus dem Würfelglück resultieren darf. Bei Gulo Gulo ist es zum Beispiel köstlich zu beobachten, wie die Kleinen mit ihren filigranen Fingerchen auch noch Aufgaben lösen, die für die dicken Finger ihrer Väter unmöglich sind.“

Aufsteiger von Reich der SpieleTrotz aller Auszeichnungen gehst du immer wieder „fremd“. Zuletzt hattest unter anderem den Verlag Huch and Friends gegründet – mit durchaus ansehnlichem Erfolg. Reicht der Zoch Verlag nicht aus, um alle deine Ideen oder Vorstellungen zu verwirklichen?
„Wir wollen bei Huch Lernspiele und Wissen vermittelnde Spiele veröffentlichen. Solche Spiele hätten das Gesicht des Zoch Verlages verändert – was wir nicht wollten.“

Dein neuestes Projekt ist Chili Spiele. Wie kam es zu dem Namen?
„Nun ja, wir sind drei Gesellschafter bei Chili und wollten den Verlag eigentlich ‚Drei Drachen Spiele’ nennen. Glücklicherweise hab ich zuvor Johann Rüttinger (Drei Magier Verlag) um Erlaubnis gefragt. Als der um Bedenkzeit bat, war die Entscheidung für Chili gefallen. Ich hoffe, uns werden einige scharf gewürzte Spezialitäten gelingen.“

Cobra von Reich der SpieleWie grenzt dieser Kleinverlag sich zu Huch and Friends und dem Zoch Verlag ab?
„Chili macht Spiele abseits des Massenmarktes, die sich wahrscheinlich für größere Verlage gar nicht rechnen würden. Bei Chili Spiele soll es funktionieren (toi, toi toi!!!), weil wir auf Messen und per Internetshop nur direkt an die Spieler selbst verkaufen.“

Die Auflagen sind teilweise sehr, sehr klein. Es ist sogar von 50 Stück die Rede. Wie lassen sich solche Auflagen bei einem vergleichsweise akzeptablen Preis für die Endverbraucher wirtschaftlich realisieren?
„Geplant sind 500er-Auflagen. Die 50er-Erstauflage von Aufsteiger war eine Notlösung, als die 500er-Produktion zu scheitern drohte. Die sechsfarbigen Klötze sind alles andere, als leicht zu produzieren. Unter anderem deshalb ist das Spiel nicht beim Zoch Verlag erschienen und lag dort – aber auch bei größeren Verlagen - jahrelang im Schrank.“

Immobilienpoker Neue Heimat von Reich der SpieleDie Spiele von Chili bestehen aus viel Holz. Wie wichtig ist dir persönlich das Material d(ein)er Spiele?
„Sehr wichtig. Was nicht heißt, dass wir uns auf Holz festgelegt haben. Es gibt sehr schöne Spielfiguren in Polyresin wie bei Haste Bock oder das neue, von Theta in Essen vorgestellte steinartige Material.“

Welchen Ansprüchen muss ein Spiel genügen, um bei Chili veröffentlicht zu werden?
„Es muss sich in Kleinserien einigermaßen kostengünstig produzieren lassen. Es sollte in unser neues Schachtelformat passen, und last but not least: Es sollte ein Klasse-Spiel sein.“

Wie wird es mit Chili Spiele weitergehen? Wie intensiv kannst du das Projekt neben dem Zoch Verlag und Huch and Friends betreiben?
„Weitere Spiele für die Spiel '08 sind in der Pipeline. Schaun mer mal. Ziele? Hm, ganz prosaisch: Chili sollte unseren dritten Mann ernähren. Man sagte mir eine rein auf Chili basierende Ernährung sei das denkbar Gesündeste, ein langes, glückliches Leben quasi garantiert.“