Ein mörderisches Spiel

Jörg Meißner über seine Spielereihe KRIMI total

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 03.10.2006
KRIMI total von JMcreative
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Jörg, du veröffentlichst in Essen zwei weitere Fälle aus der Reihe KRIMI total. Kannst du unseren Leserinnen und Lesern bitte in wenigen Sätzen das Spielprinzip der Reihe erklären?
"Gemeinsam mit Freunden gilt es, im Rahmen eines Partyabends einen mysteriösen Kriminalfall zu lösen und den Mörder zu entlarven. Jeder Mitspieler verkörpert im Spiel einen schillernden Charakter mit einem dunklen Fleck in der Vergangenheit. In mehreren Spielrunden werden Hinweise verteilt, die die Geschichte weitererzählen und den Spielern die Möglichkeit bieten, den Fall zu lösen.
Wichtigste Regel: nur der Mörder darf lügen, um nicht überführt zu werden.
Am Ende des Spiels benennt jeder Mitspieler denjenigen, den er für den Täter hält. Der Spieler mit den meisten Stimmen wird verhaftet und hat das Spiel verloren. Sollte der Täter unerkannt geblieben sein, hat er das Spiel gewonnen."

Was steht inhaltlich im Mittelpunkt des neuen Falls Jenseits der Schönheit?
"Bei KRIMI total – Jenseits der Schönheit geht es um einen Mord an einem erfolgreichen Schönheitschirurgen. Der Arzt hatte Freunde und Geschäftspartner zu einer kleinen Feier anlässlich einer Preisverleihung eingeladen. Doch dann wurde er überraschend tot aufgefunden. Die Ermittlungen drehen sich um die Ereignisse und Intrigen in der Welt der Schönen."

In Essen stellst du auch den Fall Der Mythos der Familie vor. Um was geht es dabei?
"KRIMI total – Der Mythos der Familie lässt die Mitspieler in die zwielichtige und gefährliche Welt der Mafiosi im Jahr 1930 eintauchen: Es gab viele Tote in den letzten Tagen - zu viele Tote. Mafia-Boss Don Pedro Caliente hat aus diesem Grund wichtige Mitglieder seiner Familie zu einem geheimen Treffen gebeten.
Auch in diesem Spiel gibt es einen Mordfall zu lösen. Wir haben uns bei diesem Fall dafür entschieden, das Opfer erst zu Beginn des Spiels zu verraten. Natürlich weiß der Mörder, wie bei allen unseren Spielen, von Beginn an Bescheid."

Jörg Meißner denkt sich die spannenden Krimi-Spiele aus von Reich der SpieleWas macht den besonderen Reiz von KRIMI total aus?
"Bei KRIMI total schlüpft man für einen Abend in die Rolle eines anderen Menschen – man kann jemand anderes sein mit Haut und Haaren. Dies ist eine Herausforderung und ein großer Spaß zugleich, sich so zu geben, wie die Spielfigur handeln und reden würde. Es entstehen lustige Situationen, da die Charaktere der Spieler und die Charaktere der Spielfiguren in der Regel wenig übereinstimmen.
Dazu kommt, dass es im Spiel Rätsel zu lösen gilt, was aufmerksames Zuhören, Kombinieren und Argumentieren bedeutet. Schließlich möchte man am Ende des Abends nicht als Hauptverdächtiger und damit als Verlierer dastehen.
An oberster Stelle steht natürlich der Spaß, denn unsere Spiele sind eher eine Partyidee als ein klassisches Gesellschaftsspiel. Dies beginnt bereits Tage vorher mit der Suche nach der passenden Kleidung und den ersten vagen Gedanken, wer wohl die Tat begangen haben könnte. Und auch nach dem Spiel gibt es viel Diskussionsstoff über den Partyabend, die lustigen Situationen und Gespräche. Denn mit der Lösung erfahren alle Mitspieler, wer es doch nicht so ernst mit der Wahrheit genommen hat und welche Indizien man hätte beachten sollen, um den Fall zu lösen."

Wie bist du auf die Idee dieser Serie gekommen?
"Anfang der 90er-Jahre habe ich einmal bei einer Krimiparty mitgespielt. Ich fand diese Idee sehr interessant und hielt immer wieder einmal Ausschau, ob ich so ein Spiel zu kaufen bekomme. Leider Fehlanzeige.
Anfang 2004 entstand dann die Idee, selbst eine Krimispiel-Geschichte zu schreiben. Ich habe mir Gedanken über die Regeln gemacht, habe neue Spielelemente entwickelt und eine Story geschrieben. So entstand Der Duft des Mordes, welches wir zuerst nur im Freundeskreis gespielt haben. Über die Auktionsplattform ebay probierte ich aus, ob das Spiel auch für andere interessant ist. Das Spiel fand sehr großen Anklang, was mich dazu veranlasste, weitere Spiele zu schreiben. In den letzen zwei Jahren sind dann insgesamt fünf Kriminalfälle entstanden, und Ideen für weitere Fälle sind keine Mangelware."

Woher nimmst du immer wieder die Ideen für neue Fälle?
"Aus dem Leben. Wenn ich irgendetwas erlebe und ich denke: Das wäre doch eine interessante Begebenheit für einen Fall, dann schreibe ich ein paar Notizen auf. Die Idee verschwindet dann erst einmal in der Schublade. Da habe ich mittlerweile einen kleinen Ordner voll Zettel mit Stichpunkten für weitere Fälle gesammelt. Im Hinterkopf reifen die Ideen weiter und irgendwann ziehe ich ein Blatt wieder heraus und beginne, zu recherchieren und die Geschichte zu schreiben. Die Idee zu KRIMI total – Im Schatten der Premiere entstand zum Beispiel während eines Prag-Urlaubs."

Was empfiehlst du den Hobby-Detektiven für ihren ersten Fall? Sind Verkleidungen notwendig? Müssen die Spieler schauspielerisches Talent haben?
"Verkleidungen sind nicht zwingend notwendig, wir empfehlen sie aber sehr. Wenn alle Mitspieler entsprechend der Rolle gekleidet sind, entsteht viel mehr Flair und alle können sich besser in die Geschichte hineinversetzen. So machen die Spiele viel mehr Spaß.
Man muss kein Schauspieler sein, um die Spiele spielen zu können. Es gibt kein Drehbuch oder Text, der auswendig zu lernen wäre. Wichtig ist, sich in seine Rolle hineinzuversetzen und am Abend so zu reden und zu handeln, wie es seine Spielfigur tun würde. Dazu gehört zum Beispiel, sich am Abend ausschließlich mit den Rollennamen anzusprechen. Die Hinweise im Spiel sind für alle Figuren natürlich so aufgebaut, dass man sich leicht in die Rollen hineindenken kann.
Also keine Scheu und Zurückhaltung zeigen. Und auch wenn heiß diskutiert wird, immer daran denken: Alles, was am Abend gesagt wird, wird nur im Spiel gesagt."

Welchen deiner Fälle würdest du Neulingen empfehlen, welcher ist der zugänglichste? Welcher die härteste Nuss?
"Da gibt es eigentlich keine Empfehlung. Jeder Fall ist anders, damit es auch beim fünften Fall nicht langweilig wird. Natürlich ist jeder Fall lösbar, wobei es auch vom Geschick des Spielers, der den Täter spielt, abhängt, ob er unerkannt bleibt.
Alle Spiele sind in sich geschlossene Geschichten, sodass es egal ist, in welcher Reihenfolge die Fälle gespielt werden. Man kann sich einfach von den Themen leiten lassen. Was einem thematisch am besten gefällt, sollte gewählt werden.
Wer dennoch eine Empfehlung haben möchte, kann gern mit dem unserem Klassiker KRIMI total – Der Duft des Mordes beginnen. Da diese Geschichte in der heutigen Zeit spielt, ist es für alle Mitspieler recht einfach, sich in die Spielsituation hineinzuversetzen."