Hanno Kuhn über sein neues Spiel Seidenstraße

Edelsteine erhandeln

ein Spiele-Artikel von admin - 15.10.2009
Seidenstraße von DDD Verlag
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Hanno, in Essen präsentiert Dausenddodedrolle dein neues Spiel Seidenstraße. Wie bist du auf dieses Thema gekommen?
"Das läßt sich heute nicht mehr so genau sagen, aber die Idee dazu ist zu einer Zeit entstanden, wo es in der deutschen Verlagslandschaft noch kein Spiel zu diesem Thema gab. Die Lücke war da.
Eigentliche Inspirationsquelle waren eine Reihe von Büchern zu diesem Thema  (unter anderem Peter Hopkirks 'Die Seidenstraße', engl. 'Foreign Devils of the Silk Road'). In fast allen diesen Büchern waren das Wegenetz der 'Seidenstraße' abgebildet. Diese Steilvorlage  kann kein Autor ignorieren. Interessanterweise ist die 'Seidenstraße' ein Handelsnetz und keine eindimensionale Straße. Damit ist schon einmal eine Struktur vorgegeben, die man spielerisch nutzen kann.  
Das Thema ist auch noch deshalb interessant, weil es historisch, aber primär nicht kriegerisch ist, weil es global die halbe Welt umspannt und verschiedene Kulturkreise tangiert. Es regt die Fantasie an. Den ersten Prototypen, auf den die jetzige Veröffentlichung basiert, habe ich erstmals in Göttingen 2005 präsentiert."     

Seidenstraße - Spielbrett von DDD VerlagEs gibt bereits mehrere Spiele zur Seidenstraße. Worin hebt sich dein Spiel besonders ab?
"Es ist tatsächlich anders als die anderen. Das Besondere an dem Spiel ist der Design-Kniff, daß jeder Spieler jede der drei Karawanen bewegen darf und mit seinem Warenvorrat an den Verkäufen immer beteiligt sein kann. Des weiteren kommt das Spiel ohne Geld oder Zählleiste aus, es wird direkt in Edelsteinen bezahlt."  

Das klingt "natürlich" nach einem Handelsspiel. Um was geht es im Spiel inhaltlich?
"Ja, die Spieler sind Händler, die ihre Waren im Wegenetz der Seidenstraße an bestimmten Märkten verkaufen. Dafür erhalten sie Edelsteine. Verschiedene Edelsteinsorten sorgen für unterschiedliche Wertigkeiten. Wer am Ende die wertvollste Sammlung an Edelsteinen hat, gewinnt das Spiel."

Mit welchen Mechanismen setzt du das um? Was sind die Schlüsselhandlungen?
"Umgesetzt haben wir (Co-Autor Wilfried Kuhn und ich) das Ganze mit sehr einfachen Mechanismen. Ein Spielzug besteht aus erstens Warenkarten ausspielen, zweitens eine Karawane bewegen und drittesn Karten nachziehen. Diverse Aktionsfelder bringen noch Atmosphäre und weitere Interaktionen ins Spiel.
Etwas genauer betrachtet, sind die Waren in ein Kartensystem projiziert. Die Spieler kaufen keine Waren, sondern erhalten sie über die klassische Kartenaufnahme (von Auslage oder Talon ziehen). Der Pfiff liegt nun darin, dass die Aufnahme an die Bewegung der Karawane gekoppelt ist.
Die Bewegung der Karawanen wird über das Ausspielen der Waren in den eigenen Vorrat gesteuert. Die Anzahl der gespielten Karten bestimmt die Zugweite. Welche Karawane der Spieler zieht, entscheidet er nach seinen taktischen Überlegungen.
Am Ende seines Zuges zieht der Spieler eine Karte nach. Hat er eine Ware ausgespielt, die von seiner gerade bewegten Karawane transportiert wurde, erhält er eine Bonuskarte. Das ist zum Beispiel einer der  Schlüsselmomente im Spielverlauf."

Seidenstraße - Spielkarten von DDD VerlagAn welche Spielergruppen richtet sich das Spiel deiner Meinung nach? Wer wird den meisten Spaß haben?
"Es gibt einiges zu bedenken im Spiel. Deshalb wird in erster Linie die Gruppe der Vielspieler angesprochen. Wegen der relativ kurzen Spieldauer bedingt auch Familien, solche zumindest, die clevere Kinder haben."

Kannst du den Spielern für ihre erste Partie einen Tipp geben? Worauf sollten sie am meisten achten?
"Das Spiel hat viele taktische Finessen. Aber ganz wichtig ist es, für genügend Kartennachschub zu sorgen. Wie bereits oben angedeutet, sollte man möglichst häufig die Bonuskarte in Anspruch nehmen. Beim Sammeln der Edelsteine sollte man die Wertung von Anfang an verstanden haben."

Der Verlag veröffentlicht mit Seidenstraße nach Fantasy-Rollenspielprodukten und Kartenspielen erstmals ein Brettspiel. Worin unterscheidet sich die Arbeit bei einem Brettspiel im Vergleich zu Kartenspielen für Autor und für Verlag?
"Ein Brettspiel hat mehr Raum. Da es sich bei Die Wiege der Renaissance und bei Uruk – Wiege der Zivilisation um zwei brettspielartige Kartenspiele handelt, unterschied sich die Arbeit in Sachen Aufwand und Intensität überraschenderweise kaum. Es gibt sicher einen proportionalen Zusammenhang zwischen Regeldichte und Arbeitsaufwand. Aber aus Sicht des Spielers ist der resultierende Spielspaß entscheidend. Und da haben wir mit Seidenstraße dieses Jahr wieder etwas zu bieten."