Britta Stöckmann über ihr Brettspiel Los Incognitos: Alien iacta est

Roter Faden für außerirdische Zeitreisen von unerkannten Wesen

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 15.08.2013
Los Incognitos von Igramoon

Britta, zur Spielemesse in Essen erscheint in deinem Verlag Igramoon das Spiel Los Incognitos: Alien iacta est, das du gemeinsam mit Jens Jahnke entwickelt hast. Der Titel ist Spanisch. Wie kam es zu dieser Titelwahl in einer Fremdsprache? Ein bisschen schimmert Wortwitz durch?
"Eigentlich hatte das Spiel bereits 2012 erscheinen sollen, doch war die Produktion etwas problematisch, so dass schließlich die Zeit knapp wurde und wir uns entschlossen, die Premiere auf 2013 zu verschieben. Im vergangenen Jahr hatten wir zunächst noch andere Titelfavoriten. Aber nachdem zur letzten Messe in Essen zwei Spiele erschienen waren, die diesen sehr nahe kamen, musste etwas Neues her. Daraufhin haben wir – weil es um Besucher aus dem All geht – überlegt, ob es etwas auf Klingonisch sein könnte, da dies ja bislang die einzig bekannte Alien-Sprache auf unserem Planeten ist. Doch hat sich Klingonisch bis dato weder als Lingua franca durchgesetzt, noch ist sie in weiteren Kreisen bekannt, so dass wir uns auf eine geläufige terrestrische Sprache zurückbesonnen haben.
Da die Aliens im Spiel in verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte unterwegs sind, sich dabei aber stets bemühen, ihr Erscheinungsbild der jeweiligen Zeit anzupassen, um nicht aufzufallen, lag es schließlich nahe, sie als ‚Incognitos‘ auf die Reise zu schicken. Und der spanische Artikel bot sich dabei einfach klanglich an. Den ‚lateinischen‘ Untertitel dagegen haben wir einer österreichischen Freundin zu verdanken, die hinsichtlich der Spielelemente Würfel und Außerirdische spontan 'Alien iacta est!' ausrief."

Welches Thema versteckt sich hinter Los Incognitos: Alien iacta est? Was ist Aufgabe der Spieler?
"Bei den Aliens handelt es sich um außerirdische Touristen, die per Zeitreise auf der Erde unterwegs sind, denen es jedoch so gut gefällt, dass sie gar nicht wieder gehen möchten. Das Zeitreisebüro sieht sich also genötigt, seine Kunden wieder nach Hause zu holen – und an dieser Stelle treten die Spieler auf den Plan. Als intergalaktisches Beam-Team machen sie sich auf die Suche nach den vergnügungssüchtigen Monstern und markieren sie mit Kontaktspray, so dass sie ans andere Ende der Galaxie zurückgebeamt werden können.
Die ‚Vorgeschichte‘, wie die Aliens von der Existenz des Blauen Planeten erfahren und sich auf die Reise machen, erzählen wir übrigens in einem kleinen Fortsetzungscomic, der auf unserer Facebook-Seite zu finden ist."

Mit welchen wesentlichen Mechanismen setzt ihr das Thema um? Welche sind entscheidend für den Spielspaß?
"Die Mechanismen in Los Incognitos entsprechen weitgehend denen unseres letzten Spiels Expedition Sumatra - Dadu Dadu. Da wir dieses Spiel nur in einer Miniauflage von 200 handgefertigten Exemplaren anbieten konnten, aber auch als diese bereits lange ausverkauft war, noch Nachfragen erhielten, dachten wir uns, dass der Mechanismus noch ein weiteres Spiel verträgt. Diesmal allerdings mit einem weniger ernsten Thema.
Wie bei Dadu Dadu würfeln die Spieler bei Los Incognitos mit sechs Würfeln, die sie nach und nach für verschiedene Aktionen verwenden. Solange mindestens eine Aktion ausgeführt wurde, darf der Spieler weiter würfeln, bis er nichts mehr tun kann oder alle Würfel verbraucht hat. Aktionen sind dabei: bis zu zwei Würfel aufsparen, sich bewegen, Monster markieren oder Orte erkunden. Ähnlich wie bei Dadu Dadu schreibt man seine Fortschritte mit einem abwischbaren Stift auf den Spielplan und sammelt im Laufe des Spiels Punkte.
Auch demjenigen, dem Dadu Dadu gefallen hat und der gerne neue Spielsituationen erleben möchte, bietet Los Incognitos dabei etwas: Abgesehen davon, dass die Spielpläne nun deutlich größer sind, gibt es neue Ortsfunktionen und optionale Regeln, die andere Spielstrategien als bei Dadu Dadu zulassen."

Los Incognitos: Alien iacta est ist in vier Szenarien aufgeteilt. Sind diese aufbauend oder unabhängig voneinander und welche verschiedenen Anforderungen stellen diese an die Spieler?
"Grundsätzlich handelt es sich um vier voneinander unabhängige Szenarien, die dieselben Grundregeln aufweisen, aber im Detail unterschiedliche Möglichkeiten bieten. Theoretisch lassen sie sich in beliebiger Reihenfolge spielen, doch für denjenigen, der Dadu Dadu noch nicht kennt, bietet es sich an, die Szenarien in der vorgegebenen Reihenfolge zu spielen, da sie zunehmend etwas komplexer werden, was z. B. die Funktionen der Ortsfelder oder die Bedingungen zum Markieren der Monster angeht."

Gibt es einen kleinen Strategietipp von der Autorin? Was sollten die Spieler in ihrer ersten Partie besonders beachten?
"Im ersten Zug ist es wichtig, erst einmal einen Orter zu würfeln, damit man sich von einem der drei Startfelder wegbewegen kann. Überhaupt ist es sinnvoll, an diversen Punkten zu starten, um sich mehrere Optionen zu bewahren und sich nicht von anderen Spielern den Weg abschneiden zu lassen. Gleichzeitig gilt es im Kopf zu behalten, dass am Spielende die längste zusammenhängende Strecke noch Bonuspunkte gibt, welche oft genug das Zünglein an der Waage sein können."

An wen richtet sich Los Incognitos: Alien iacta est? Wer wird deiner Meinung nach den größten Spaß mit dem Spiel haben?
"Das Spiel richtet sich an diejenigen, die gerne würfeln und anhand des Ergebnisses Entscheidungen treffen, wie sich der Wurf an sinnvollsten nutzen lässt. Zu Dadu Dadu haben wir positives Feedback sowohl von Gelegenheits- wie auch von Familien- und Vielspielern erhalten, so dass wir wohl sagen dürfen, dass auch Los Incognitos für diese Zielgruppen geeignet ist."

Bei Los Incognitos: Alien iacta est greift ihr also auf die Grundmechanismen von Expedition Sumatra – Dadu Dadu zurück. Dieses Spiel ist wiederum eine thematische Erweiterung zu Expedition Sumatra. Ist das ein bewusster roter Faden oder Zufall, dass Teile eurer Spiele auf dem Vorgänger aufbauen? Wie wichtig ist deiner Meinung nach eine besondere Handschrift eines Verlages?
"Dass Dadu Dadu an unser großes Expedition Sumatra anschließt, liegt vor allem daran, dass wir beide Spiele parallel entwickelt haben und einfach im Thema waren. Andererseits ist es für einen kleinen Verlag wie unseren natürlich auch finanziell wie zeitlich nicht unbedeutend, wenn man nicht für sämtliche Elemente des Spiels neue Grafiken anfertigen lassen muss.
Wie es dazu gekommen ist, dass Los Incognitos nun mechanisch an Dadu Dadu anschließt, habe ich ja bereits erläutert. Eine besondere Verlags-Handschrift halte ich persönlich generell für reizvoll, weshalb wir auch selbst im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen, darauf zu achten. Und wenn alles so läuft, wie wir es derzeit planen, hoffen wir, den roten Faden auch im nächsten Jahr auf die eine oder andere Art fortlaufen zu lassen."

In welcher Stückzahl lasst ihr Los Incognitos: Alien iacta est produzieren? Können Besucher der Spielemesse das Spiel bei euch vorbestellen, um sicher eins zu bekommen?
"Los Incognitos hat eine Auflage von 1.000 Stück, die wir prinzipiell nur für die Messe vorgesehen haben. Wer sich ein Exemplar sichern möchte, kann uns natürlich gerne vorab eine Mail an igramoon@igramoon.de schreiben."

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