Marco Teubner über sein Spiel Safranito

Gewürze zusammenwerfen

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 30.08.2010
Safranito (geplante Schachtelgrafik) von Zoch Verlag
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Marco, dein Spiel Safranito erscheint zur Spiel 2010 beim Zoch Verlag. Was bedeutet der Titel und wie ist er entstanden?
„In dem Spiel geht es ja um einen Gewürzhandel in Indien, bei dem unter anderem auch Safran gehandelt wird. Der Titel Safranito ist im Hause Zoch Verlag wohl in Gedanken an das teuerste Gewürz, dem Safran, entstanden und so wurde aus meinem Prototypen mit dem Arbeitstitel Masala das jetzt veröffentlichte Safranito.“

Bitte erklär uns kurz, worum es im Spiel inhaltlich geht.
„Ich zitiere einmal aus der Spielanleitung: ‚Was wäre die weltberühmte indische Küche ohne ihre exotischen Gewürze! In Mumbai aber sind die Gewürzpreise explodiert. Alle Köche sind in heller Aufregung. Da hilft nur noch ein Besuch bei Rajive auf dem Schwarzmarkt. Rajive hat seine Seele dem Spiel verschrieben. Statt langwierig zu feilschen, wechseln die ersehnten Gewürze bei einem riskanten Spielchen ihren Besitzer. Gelingt der große Wurf, steht einem gelungenen mumbasischen Hähnchencurry an Mangochutney auf Safranreis nichts mehr im Wege.’
Die Spieler versuchen durch geschicktes Einwerfen ihrer Chips (schwere Pokerchips mit Loch), in den neun Gewürzschalen das richtige Verhältnis herzustellen und so durch Kauf und Verkauf von Gewürzen das nötige  Kleingeld zu verdienen, um dann die für die Wertung notwendigen Gewürze zu kaufen.“

Marco Teubner mit seinen Kindern von Marco TeubnerMit welchem Mechanismus setzt du dieses Thema um? Was macht Safranito zu etwas Besonderem?
„Das Besondere an diesem Spiel ist sicherlich die Kombination zwischen Geschicklichkeit (also dem Einwerfen der Pokerchips) und dem Handeln (also wann kaufe beziehungsweise verkaufe ich zu welchen Preisen welche Gewürze?). Diese Kombination verschiedener Spielegenre war der Reiz bei der Entwicklung von Safranito. Eines Tages hatte ich einen Stapel Pokerchips in der Hand und war fasziniert von der Haptik dieser schweren Spielsteine. Auch wenn ich Pokerprofis beobachte, wie sie diese Chips durch ihre Finger gleiten lassen, bin ich von dem Sound fasziniert, den diese Chips von sich geben. Diese Materialität und Haptik ist für mich einer der wesentlichen Aspekte bei ‚klassischen’ Brettspielen. Und so wollte ich genau das in dem Mittelpunkt dieser Spielentwicklung rücken.“

Was heißt das für die Spieler? Worauf müssen sie besonders achten? Kannst du vielleicht einen Tipp für die erste Partie geben?
„Das Spiel an sich ist so einfach, dass es keines besonderen Tipps bedarf. Daher mein Tipp: Einfach hinsetzen und Spaß an dem Thema und mit dem Spielmaterial haben! Und wenn ich dem Tipp geben würde, doch vor dem ersten Spiel ein paar Probewürfe zu machen, dann ist das eigentlich nicht notwendig, da man das intuitiv sofort tut, sobald man den Spielplan vor sich liegen hat und die Chips in der Hand hält.“

Das Spiel erscheint beim Zoch Verlag, einem Verlag für Kinder- und Familienspiele. An wen richtet sich Safranito, wer wird es mögen, wer sollte es meiden?
Safranito ist ein klassisches Familienspiel. Jeder, der ein einfaches, schnelles und relativ kurzes Spiel mag und nichts gegen Geschicklichkeitsspiele einzuwenden hat, dem könnte Safranito gefallen. Es ist sehr interaktiv! Spieler, die es nicht so sehr schätzen, wenn die Mitspieler ihre Pläne durchkreuzen, sollten das Spiel wohl besser meiden.“  

Marco Teubner von Marco TeubnerDu hast in den letzten Jahren sehr viele Kinderspiele veröffentlicht. Nun mal wieder ein Spiel für Familien. Unterscheidet sich die Arbeit für diese beiden „Zielgruppen“ voneinander? Wo liegen die größten Unterschiede?
„Ja es gibt natürlich Unterschiede. Ich denke, der größte Unterschied liegt darin, dass man bei Kinderspielen immer den Entwicklungsstand der Kinder mit berücksichtigen muss. Ein Kinderspiel zu entwickeln, bedarf einer ganz anderen Herangehensweise.  Ich persönlich tue mich mit der Entwicklung von Kinderspielen leichter. Das hat sicher mit meinen Erfahrungen in den Bereichen Pädagogik und Psychologie zu tun. Auch merke ich, dass ich bei der Entwicklung von sogenannten anspruchsvollen Spielen noch häufig an meine Grenzen stoße. Sei es nun die Stochastik oder das Balancing von Spielen – da muss ich noch viel lernen. Aber auch diese Bereiche sind für mich spannend und eine Herausforderung. Doch in absehbarer Zeit sind von mir sicher keine Spiele der Kategorie Agricola zu erwarten.“

Du experimentierst immer wieder mit neuen unverbrauchten Mechanismen und Ideen. Wo holst du dir Anregungen für deine Ideen und wie wichtig sind diese Besonderheiten für deine Spiele – mehr ein Bonus oder mehr das Herz?
„Das Neue, Unentdeckte ist der Reiz beim Entwickeln neuer Spiele! Somit würde ich auf jedem Fall sagen, dass dies das Herz und das Blut der Spiele sind. Doch ist es auch eine Gratwanderung. Immer wieder tauchen beim Entwickeln folgende Fragen in meinem Kopf auf: Wie innovativ darf ein neues Spiel sein? Wie spielimmanent ist die Innovation - wirklich innovativ oder doch nur Gimmick?
Ich denke, die Anregungen für Innovationen umgeben uns tausendfach. Die Schwierigkeit liegt in der Wahrnehmung. Die Notwendigkeit einer Innovation zu erkennen und das Neue, was sprichwörtlich vor dir liegt, wahrzunehmen, das ist das eigentlich Schwere.“