Michael Schacht über sein Spiel Felinia

Fantasievolle Katzenwesen auf dem Weg zur Profivariante

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 22.09.2010
Felinia von Michael Schacht
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Michael, zur Spiel in Essen veröffentlichst du bei Matagot das Spiel Felinia. Das ist ein schön klingender Name, was bedeutet er?
Felinia ist ein Spiel von Editions du Matagot, einem kleinen französischen Verlag, der in Deutschland von Asmodee vertrieben wird. Der Name ist mehr oder weniger ein Kunstwort und bezieht sich auf eine barocke, ferne Welt, in der das Spiel stattfindet. Diese ist nämlich bevölkert von besonderen Wesen, halb Katze - halb Mensch.” 

Um was geht es entsprechend inhaltlich im Spiel? Was ist Aufgabe der Spieler?
”Ein Spieler braucht – wie so oft – möglichst viele Punkte, um zu gewinnen. Im Grunde besteht Felinia aus drei Teilen, die mehrfach durchgespielt werden. Beim ersten Teil geht es im Wesentlichen darum, in der Hauptstadt Geld einzunehmen und damit verschiedene Waren zu erwerben oder einzutauschen. Die Waren werden hauptsächlich dafür benötigt, die im Hafen wartenden Schiffe mit Spielfiguren besteigen zu dürfen. Jedes Schiff erfordert eine bestimmte Kombination an Waren und die Plätze für die Passagiere sind begrenzt. Im zweiten Teil fährt ein Teil der Schiffe zur nahe gelegenen Insel. Im letzten Teil landen die Schiffe an und die Passagiere erkunden nach und nach das Eiland. Dabei gilt es, wertvolle Güter einzusammeln, doch die Zugweite ist begrenzt und vieles ist zu Beginn noch unbekannt. Die Spielfiguren siedeln sich schließlich dort an, wo ihre Reise aufhört. Und Punkte gibt es für alles, was man einsammelt und für die Positionen der Siedler.“ 

Wie setzt du diesen Hintergrund um? Welche Hauptmechanismen tragen das Spiel und welche sind für den Spielspaß verantwortlich?
„Wie schon angedeutet zeichnet sich Felinia durch eine Reihe miteinander verwobener Elemente aus. Kaufen, Laufen, Sammeln, Entdecken und Siedeln sind die wesentlichen Merkmale. Außerdem wird das Spiel von einem Bietmechanismus getragen, der an die Versteigerung aus Die Speicherstadt erinnert. Dessen Autor Stefan Feld und ich haben offensichtlich in die gleiche Richtung gedacht und unabhängig voneinander etwas Ähnliches entwickelt. Interessanterweise war es bei uns beiden eine ältere Idee aus ungefähr der gleichen Zeit, die zunächst keine Verwendung fand und letztlich war Stefan beim Veröffentlichen einfach schneller.
Seit ich Spiele mache, beobachte ich dieses Phänomen. Es scheint eine Art gemeinsames Autorenbewusstsein zu geben, das die offenen Enden der Entwicklungslinien weiterspinnt. Anders ausgedrückt scheinen die Dinge einfach in der Luft zu liegen.
Nach dem ersten Schreck, war es für mich spannend zu beobachten, wie die Unterschiede beim Mechanismus ein ganz anderes Spielgefühl erzeugen. Zum Glück muss eine Parallelentwicklung nicht immer das 'Aus' für eine Idee bedeuten und als 'Zweiter' ist es auch möglich, mit seinem Spiel zu bestehen, wie seinerzeit bei Caylus und Die Säulen der Erde.“   

Michael Schacht von Michael SchachtAn wen richtet sich Felinia? Ist es eher ein Familienspiel oder sollte man über einige Spielerfahrung verfügen?
“Trotz der einfachen Regel ist es, wie viele meiner Brettspiele, an der Obergrenze des Familienspiel-Bereichs einzuordnen – der Bietmechanismus erfordert schon einige Dinge zu bedenken. Aber es hat einen sehr lebendigen Spielablauf und Spielmaterial mit hohem Aufforderungscharakter, wie beispielsweise die Schiffe. Hier hat der Illustrator, Julien Delval, ganze Arbeit geleistet.
Auf der anderen Seite werden aber auch Spielerfahrene auf ihre Kosten kommen, denn es gibt eine echte Profiregel mit eigenem Spielplan, die auf der Grundregel aufbaut.“ 

Kannst du vielleicht noch Spielern Tipps für ihre erste Partie geben? Gibt es Punkte, die besonders im Auge behalten werden müssen?
“So viel kann ich verraten: Wer das Einsteigerspiel beherrscht, sollte sich im Profispiel nicht auf bewährte Strategien verlassen. Die Konzentration auf einen Punktelieferanten ist zwar möglich, reicht aber normalerweise nicht aus. Und die Option, außer der Reihe Waren verkaufen zu können, wird oft übersehen, ist aber sehr hilfreich, wenn man dringend Geld für Einkäufe benötigt.“ 

Du veröffentlichst fast jedes Jahr mehrere Spiele. Meines Wissens bist du aber eigentlich Grafiker. Wo nimmst du die Zeit und deine Ideen her, diese Vielzahl von guten Spielen zu entwickeln? Was treibt dich beim Spieleentwickeln am meisten an?
“Seit rund sechs Jahren bin ich hauptberuflicher Spieleautor und nur in Ausnahmefällen als Grafiker aktiv. Dadurch hätte ich theoretisch mehr Zeit zum Erfinden als vorher. Genau betrachtet binden jedoch Seitenprojekte wie meine Webseite viel der Arbeitskraft. Aber das ist genauso, wie ich es mir eigentlich wünsche – die Dinge so zu machen, wie ich es mir persönlich vorstelle. Unterm Strich bin ich also sehr froh über die Situation, bei der ich mich weiterzuentwickeln kann, und hoffe den Zustand noch eine Weile beibehalten zu können. Langweilig wird mir jedenfalls nicht. :-)“