Mit Kanonen auf Spanier schießen

Spielgefühl: Piraten auf Schatzjagd

ein Spiele-Artikel von Günter Cornett - 20.12.2006
Piraten auf Schatzjagd von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 2 Minuten

Ein Urteil vorweg: Dieses Spiel ist nichts für Frauen! Die Rezension von Marina Roemer auf dieser Webseite macht dies einmal mehr deutlich. Brav beschreibt sie Grundspiel und Profispiel, was man machen muss, wer gewinnt. Aber mal ehrlich: Wen interessiert das? Der Spaß kommt aus den Kanonen. Ein richtiger Kerl schmeißt die Anleitung weg und spielt einfach drauf los. Und anders als beim Aufbau von Ikea-Möbeln klappt das bei Piraten auf Schatzjagd auf Anhieb.

Ich gebe ja zu, als seriöse Rezensenten in der zweiten Lebenshälfte haben mein Mitspieler Jochen Corts und ich uns vor unserem Spieletest selbstverständlich erst einmal die Anleitung erarbeitet. Doch dann durfte Fortunas Liebling Jochens Schiff fast völlig zusammenschießen, bevor dieser sich das erste Mal wehren konnte. Sein Job war es, die steinernen Türme zu versetzen, während ich mit meiner Plastikkanone auf seinen Fahnenmast zielte: zwei Zentimeter vorbei - nachjustiert - getroffen.

Die Kanonen funktionieren genauso wie die kleinen Spielzeugpistolen aus meiner Kindheit. Nur lässt sich mit ihnen wesentlich besser zielen, da sie auf dem Schiff montiert sind, mit sicherem Halt aber doch beweglich genug um jedes Ziel anzuvisieren. So macht es Spaß, nacheinander alle Sollbruchstellen zu bedienen, sich als Francis Drake oder Henry Morgan zu fühlen und die spanische Silberflotte um ihre Last zu erleichtern.

Die interessantere Beschäftigung für Jochen war es unterdessen, meine Kanonenkugeln hinter dem Schiff abzufangen. Nachdem wir keine Lust mehr hatten, auf dem Boden kriechend nach Geschossen zu suchen, hielt er eine Zeitung hinter sein Schiff, um meine gelegentlichen Fehlschüsse abzufangen. Ein piratenmäßig bedrucktes Tuch hätte dem sicherlich ein etwas anderes Flair verliehen als diese seriöse Tageszeitung.

Ich hatte übrigens - obwohl Extrem-Grobmotoriker - keine Schwierigkeiten, mit dem Versetzen des Schiffes. Da fiel nichts ungewollt ab. Möglich, dass die Qualität der Schiffe sehr unterschiedlich ist, möglich auch, dass es mit Spaß an der Sache besser geht. Ist der Kopf frei von überflüssigen Regeln und Gesetzen verschmelzen Pirat und Schiff zu einer Einheit und gleiten sicher über die unendlichen Weiten des mitgelieferten Spielteppichs.

Für diesen Verlag ist Piraten auf Schatzjagd ein recht kriegerisches Spiel. Dennoch vermisse ich neben einer Kugelauffanghilfe eine echte Piraten-Mannschaft. Nun, Menschen als Ziel, das wäre dann wohl doch zu viel des Bösen gewesen. Aber ein paar Playmobil-Figuren wird es in den meisten Kinderzimmern sowieso geben. Nur was machen erwachsene Kinder wie ich? Ein Jammer, dass diese Zielgruppe beim piratenmäßigen Schiffe versenken nicht entsprechend bedacht wurde.