Angespielt: Zwei Neuheiten von Czech Games Edition

Kurzeindrücke von Galaxy Trucker und Sechsstädtebund

ein Spiele-Artikel von Frank Biesgen - 10.10.2007
Galaxy Trucker von Czech Games Edition
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Sogenannte „German Games“ stammen schon lange nicht mehr nur aus Deutschland. Nach Spieleautoren aus Großbritannien, Frankreich oder Italien betritt zur Spiel `07 in Essen mit Czech Games Edition ein weiterer tschechischer Verlag die Bühne - und das mit zwei höchst unterschiedlichen Spielen.

Bei Galaxy Trucker von Vlaada Chvatil versuchen zwei bis vier Wagemutige, in entlegenen Ecken des Universums ihr Glück als Händler zu machen. Dabei gilt es für jeden zunächst, aus Schrottteilen ein flugfähiges Raumfahrzeug zu konstruieren. Gleichzeitig und unter Zeitdruck bedient man sich vom Haufen verdeckter Plättchen in der Tischmitte, auf der Suche nach Motoren und Kanonen, Stauraum und Pilotenkabinen. Danach müssen die Schiffe ihren Härtetest im Einsatz bestehen: Verschiedenste Abenteuer, dargestellt durch Karten, die nacheinander aufgedeckt werden, wollen bestanden werden. Und so wird man von Meteoriten bombardiert, entdeckt verlassene Raumstationen oder erwirbt Waren auf fremden Planeten, während das eigene Gefährt Stück für Stück unter einem auseinanderfällt. Schließlich ist das Universum eine harte Sache.

Galaxy Trucker ist eine enorm spaßige Angelegenheit. Das beginnt schon mit der Anleitung, die auf den ersten Blick durch ihren Umfang abschreckt, aber Schritt für Schritt alle nötigen Details erklärt, und das in bester Douglas Adams-Manier. Die befürchtete Hektik beim Schiffbau tritt kaum ein, da der Zeitdruck nicht durch das Spiel, sondern durch den schnellsten Spieler eingebracht werden kann (aber nicht muss). Doch gibt es dabei so viele Dinge zu beachten, dass das perfekte Schiff eine Illusion bleibt. Beim Flug selbst ist man nicht vollends dem Zufall ausgeliefert, denn die meisten anstehenden Abenteuer darf man sich, wenn man möchte, vorab anschauen. Falls die Würfel einem nicht geneigt sind, steht man trotzdem schnell mal vor dem Aus. Aber da meist alle Spieler in ähnlichem Maße betroffen sind, sieht man das Geschehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge – geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid.

Sechsstädtebund von Czech Games Edition

Nach drei Runden gewinnt der Spieler mit den höchsten Geldeinnahmen - und das ist nicht unbedingt der, der am besten gebaut oder gespielt hat, sondern manchmal ganz einfach der Glücklichere. Was ja nicht unbedingt verkehrt sein muss, solange der Weg zum Ziel so stimmt wie hier. Wer etwas Außergewöhnliches sucht, das es in dieser Form auf dem Brettspielsektor noch nicht gab, für den könnte Galaxy Trucker genau das Richtige sein.

Eher konventionell kommt dagegen die zweite Neuheit daher. Bei Sechsstädtebund von Vladimir Suchy trachten drei bis fünf Steuereintreiber danach, die Gunst ihres Königs zu erringen. In einer ersten Phase feilschen sie um die Stadt, in der sie ihrer Berufung nachzugehen wünschen. Ähnlich wie bei Amun-Re, überbieten die Spieler sich gegenseitig, bis einer den Rückzug in einen anderen Ort antritt – nicht ohne sich vorher vom Gewinner auszahlen zu lassen. Das Geschehen wogt hin und her, bis jeder für sich allein ist. Nun erhalten die Spieler aus „ihrer“ Stadt unterschiedliche Waren sowie Knappenkarten (zum Bieten) und Pferde (für die folgende Lieferphase). Damit die Orte unterschiedlich interessant sind, wird zu Beginn jeder Runde zufällig durch Marker festgelegt, wie viel, jedoch nicht was diese abwerfen; dies bleibt in der Wahl der Spieler.

Es folgt die Lieferphase – hier werden die Punkte gemacht. Der Spieler, der zuvor die meisten Pferde erhielt, sucht eines von acht Lagern aus, in die er seine Waren liefern möchte. Schaffte er dies, was meistens der Fall ist, nicht alleine, müssen die übrigen Spieler im Uhrzeigersinn folgen. Jeder so abgegebene Warenstein bringt unterschiedlich viele Gunstpunkte. Ein komplett gefülltes Lager bringt demjenigen, der es auswählte, zusätzlich einen Bonus: Entweder weitere Punkte oder eine offen liegende Karte, welche bis zu fünf Symbole aus drei unterschiedlichen Bereichen zeigt. Danach wählt der Besitzer der zweitmeisten Pferde aus und so weiter, bis alle Waren untergebracht oder nicht mehr geliefert werden können. Insgesamt sechs Runden lang wird so geboten, geliefert und kassiert. Zum Schluss gibt es dann noch Punkte für Mehrheiten in den drei Bereichen, deren Karten zwecks Erhaltung der Spannung verdeckt gehalten wurden.

Sechsstädtebund führt die Spieler zunächst auf gewohnte Pfade. Nach Lektüre der Anleitung kann man kaum ahnen, wo der Spielspaß stecken soll. Aber eine Partie hat es in sich. Viele auf den ersten Blick unscheinbare Mechanismen sind so fein miteinander verzahnt, dass sich ein ein ausgewogenes, spannendes Ganzes mit viel Interaktion ergibt, bei dem bis zum Ende der Sieger offen bleibt. Es gibt genügend Möglichkeiten, die Mitstreiter zu ärgern, sowohl beim Bieten auf die Städte als auch beim späteren Liefern der Waren. Durch die flexiblen Stadtmarker und Lager wird man in jeder Runde vor neue Herausforderungen gestellt, ohne sich durch Zufall oder Glück gespielt zu fühlen. Eine Freude für Strategen, ein Spiel, das ebenso gut bei alea oder Ystari hätte veröffentlicht werden können und den Vergleich mit einem Caylus nicht zu scheuen braucht.

Nach jeweils zwei Runden ist es natürlich viel zu früh, um ein abschließendes Urteil fällen zu können. Doch wenn die Werke auch in punkto Ausstattung das halten, was Spielwitz und Grafik der Prototypen versprechen, dann wird Czech Games Edition ein großartiges Debüt feiern. Beide Spiele dürften ihr Geld wert sein – Galaxy Trucker als ungewöhnlicher, sehr gut spielbarer Spaß, Sechsstädtebund als strategisch-taktische Herausforderung für den Kenner.