Johannes Schmidauer-König über sein Kartenspiel Teamplay

Kooperatives "Plug and Play" am Spieletisch

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 26.08.2015
Schachtel von Teamplay - Foto von Schmidt Spiele

Johannes, zur Spielemesse in Essen 2015 erscheint bei Schmidt Spiele dein neues Kartenspiel Teamplay. Der Titel legt nahe, dass es um ein Spiel im Team geht. Worum geht es inhaltlich genau?
"Bei Teamplay bilden gegenübersitzende Spieler ein Team und können nur gemeinsam gewinnen. Oder eben auch verlieren. Also, jeweils zwei Spieler versuchen, mit ihren Handkarten Aufträge zu erfüllen und sich auch gegenseitig zu helfen.

Wie setzt du das als Mechanismus um? Welcher ist prägend für den Spielspaß?
"Jeder Spieler hat eine Auftragskarte offen vor sich liegen, die kann nur er alleine erfüllen – also auch nicht sein Partner. Außerdem liegt eine offene Auftragskarte in der Tischmitte, die kann jeder Spieler erfüllen.
Ist man am Zug, zieht man zwei Karten auf die Hand – entweder von offen ausliegenden Karten oder vom verdeckten Ziehstapel. Kann man mit seinen Handkarten den vor sich ausliegenden oder den in der Tischmitte ausliegenden Auftrag erfüllen, wirft man die entsprechenden Handkarten offen ab.
Der Kniff dabei ist, du kannst optional bis zu zwei deiner Handkarten deinem Partner zuschieben, in der Hoffnung oder dem Wissen, dieser kann damit was anfangen. Man muss dabei aber aufpassen, da zu Beginn des eigenen Zuges ein Handkartenlimit gilt. Wichtig dabei ist, dass die Partner während des Spiels nicht miteinander kommunizieren. Du kannst also nicht sagen: 'Hast du eine blaue Fünf für mich?' oder 'Kannst du vielleicht ein Zweier-Paar von mir brauchen?'
Dieser Kniff ist von Dog Royal abgeguckt. Dort wird ja zu Beginn einer Runde jeweils eine Karte getauscht. Dieser Moment ist für mich immer besonders spannend: Was bekomme ich? Was will mir mein Partner damit sagen?
Dieser Kniff macht bei Teamplay einen erheblichen Teil des Spielspaßes aus. Und gerade der Umstand, dass nicht kommuniziert wird, führt nach dem Ende des Spiels oft zu Diskussionen. Aus manchen Spielern platzt es freilich auch während des Spiels heraus, etwa: 'Mensch, was machst du denn, du hast doch die rote Eins von mir bekommen!' – für mich ein gutes Zeichen, dass die Spieler mit Emotionen am Tisch sitzen.
Hat ein Team seinen achten Auftrag erfüllt, geht es dem Ende zu. Alle erfüllten Aufträge bringen je nach Schwierigkeitsgrad unterschiedliche Siegpunkte, diese werden zum Schluss je Team addiert."

Karte von Teamplay - Illustration von Schmidt SpieleKannst du uns bitte Beispiele für diese  Auftragskarten bei Teamplay geben?
"Sicher, vorausschicken muss ich dabei, dass bei den Zahlenkarten die Werte 1 bis 8 je viermal vorkommen. Also etwa: 'Ein roter Drilling' – der bringt viele Siegpunkte, weil der schon ganz schön schwer zu erfüllen ist. 'Ein Drilling aus ungeraden Zahlen', wobei hier die Farbe egal ist, oder 'Genau drei blaue Karten, deren Summe Sieben ergibt.'"

Das Spiel ist für drei bis sechs Spieler. Aus ungerade Zahlen bilden sich aber schlecht Zweierteams. Wie löst du dieses Problem in Teamplay?
Teamplay ist in erster Linie für vier oder sechs Spieler gedacht, hier werden zwei bzw. drei Teams gebildet. Zu dritt und zu fünft gibt es eine leicht abgespeckte Regel, der Teamgeist kommt da aber nicht durch. Es ist ähnlich wie bei Dog/Dog Royal. Dieses Spiel sehe ich eigentlich immer in einer Vierer-Besetzung, manchmal auch in einer Sechser-Besetzung – du kannst es natürlich auch zu dritt spielen, aber wer macht das?
Wir haben bei Teamplay an einer Extravariante für drei und fünf Spieler gearbeitet und waren da eigentlich auch schon weit. Letztlich wurde diese dann aber doch als ein 'anderes' Spiel empfunden, sodass wir diesen Gedanken wieder aufgegeben haben.
Teamplay heißt Teamplay weil es genau darum geht. Natürlich spielt Kartenglück eine Rolle, aber letztlich gewinnt meist der, der als Team am besten funktioniert."

An wen richtet sich deiner Einschätzung nach Teamplay? Wer wird viel Spaß, wer gar keinen mit diesem Kartenspiel haben?
"Es richtet sich an 'Plug-and-Play-Spieler'. Also auspacken, höchstens fünf Minuten erklären, losspielen.
Dass jemand keinen Spaß daran hat, kann ich mir unmöglich vorstellen – nein, Spaß beiseite: Wer ein richtig komplexes Spiel sucht, ist natürlich definitiv hier an der falschen Adresse. Bevor Teamplay zum 'Kennerspiel des Jahres' nominiert wird, heiratet der Papst Angela Merkel und wird vierfacher Vater."

Hast du vielleicht einen Tipp für Spieler, die Teamplay das erste Mal ausprobieren? Worauf sollten sie besonders achten?
"Achte darauf, welche Karten dein Partner von den offen ausliegenden Karten auf die Hand nimmt. Welche davon spielt er aus? Je besser du die Kartenhand deines Partners kennst, desto eher kannst du ihm helfen bzw. dir selbst helfen lassen.
Manchmal übersieht man, dass man nicht nur selbst den Auftrag aus der Tischmitte erfüllen kann, sondern auch der Partner. Wenn ich also knapp an diesem Auftrag dran bin, kann ich vielleicht auch meinem Partner dazu verhelfen. Das ist allerdings risikoreich, wenn ich keinen blassen Schimmer von seiner Kartenhand habe."

Weitere Spielkarte von Teamplay - Illustration von Schmidt SpieleNach Dog Royal und Vienna ist dies meines Wissens deine dritte Veröffentlichung. Alle erscheinen bei Schmidt Spiele. Wie kam es zu diesem fruchtbaren Verlagskontakt?
"Da kann ich glücklicherweise ein wenig korrigieren. Zum einen veröffentlicht Amigo Spiele im Herbst ein Spiel von mir  – Die Portale von Molthar – zum anderen ist bei Schmidt Spiele noch was 'reingerutscht' – Cornwall, ein pfiffiges Legespiel.
In meiner Anfangszeit als Autor habe ich Spieleanleitungen meist gleichzeitig an mehrere Verlage geschickt. Mit der Idee zu Dog Royal war klar, dass ich mich dabei nur an Schmidt Spiele wenden kann. Es war dann interessant und lehrreich zu sehen, wie ein Verlag noch an einem Spiel weiterarbeitet. Was alles weggelassen wird, auf welche Kleinigkeiten, etwa Anzahl des Spielmaterials, geachtet wird. Wenn ich jetzt an einem Spiel arbeite, versuche ich, im Vorfeld schon zu überlegen, welcher Verlag dafür besonders in Frage kommen könnte. Schon von Beginn an versuche ich, das Spiel in Material und Regelwerk so schlank wie möglich zu halten. Inzwischen versende ich meine Anleitungen nur mehr an einen Verlag, auch wenn dann eine Idee mal länger liegen bleiben kann – Ideen haben aber glücklicherweise meist kein Ablaufdatum. Passt das Spiel zu Schmidt Spiele, ist der Verlag aufgrund der bisherigen sehr positiven Erfahrungen meist auch meine erste Wahl."

Worauf legst du als Autor bei der Spielentwicklung besonderen Wert? Gehst du von der Mechanik aus oder vom Thema? Gibt es etwas Besonderes bei deiner Spielekonzeption?
"Das hält sich die Waage. Bei meinen letzten Spielen ist es aber zunehmend ein Thema, das ausschlaggebend ist. Beim schon vorhin angesprochenen Cornwall war es meine Frau, die dort für ein paar Tage Urlaub gemacht hat. Ihre Eindrücke und Erzählungen haben mich inspiriert. Manche Ideen schlummern schon ein paar Jahre lang in einer verborgenen Schublade. Da ist ein Mechanismus, der auf ein Thema wartet, dort ist ein Thema, das noch nicht recht weiß, wie es umgesetzt werden kann."

Alle drei Spiele sind eher für Familien und auch für „Gelegenheitsspieler“ geeignet. Sind eher zugängliche Spiele auch deine Vorliebe? Welche Spiele oder Spielearten sind deine Favoriten?
"Ich spiele zwar immer wieder Schwergewichte, meine Vorliebe gilt aber dem leicht gehobenen Familienspiel. Für eine Partie Zug um Zug bin ich immer zu haben, gleiches gilt für Divinare und dem Allzeitklassiker in unserer Familie: Sequence. Kooperativen Spielen wie Pandemie oder Die vergessene Stadt bin ich sehr zugetan. Sobald genau fünf Leute am Tisch sitzen kommt vor mir mit Regelmäßigkeit der Vorschlag Linq."

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