Kommentar zur Auswahlliste Spiel des Jahres 2001

Die Auswahlliste unter der Lupe

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 05.06.2001
Spiel des Jahres 2001: Carcassonne von Hans im Glück
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Es wurde in den letzten Monaten viel über die beiden großen Auszeichnungen  Deutscher Spiele-Preis und Spiel des Jahres diskutiert, ja geradezu angefeindet. Während die Stimmen des einen Preises aufgrund schwacher Resonanz mit einem Multiplikator versehen wurden, steht das Spiel des Jahres wegen Unübersichtlichkeiten der Finanzierungsstruktur und offensichtlich auch persönlichen Animositäten der Jury-Mitgliedern in der öffentlichen Diskussion.

Nun, der Spiele-Preis scheint wieder auf einem guten Weg zu sein. Der Abstimmungsmodus wurde in viele Richtungen überarbeitet und lässt kaum noch fundierte Kritik zu. Durch eine Absicherung über den Wählernamen können größere Manipulationen nahezu ausgeschlossen werden.

Die Auszeichnung Spiel des Jahres steht da vor ganz anderen Problemen. Immerhin war die öffentliche Auseinandersetzung zwischen den ausgetretenen und verbliebenen Jury-Mitgliedern teilweise mehr als nur das Waschen von schmutziger Wäsche. Man wird genau beobachten müssen, ob die Jury unter diesen Umständen tatsächlich eine unbefangene Arbeit verrichten kann. Die Öffentlichkeit wird genau hinsehen und bei jedem Fehler laut aufschreien.

Wir haben uns die diesjährige Auswahlliste mal näher angesehen (siehe Link). Es fällt doch eine merkwürdige Ausgewogenheit auf. Jeder größere Verlag scheint mit wenigstens einem Spiel vertreten zu sein. Ob das immer der Qualität entspricht oder nur ein Zugeständnis an die Industrie ist, kann von uns nicht beurteilt werden. Auf alle Fälle scheint es nicht unbedingt Zufall zu sein. Warum nun Ravensburger samt seiner Marke Alea drei Spiele in der Auswahlliste hat, ist schon die größere Frage.

Von Seiten der Autoren kann man nicht klagen. Das Who is Who der Spielemacher ist bis auf wenige Ausnahmen beisammen. Lediglich das Auszeichnungs-Abo von Klaus Teuber scheint gestoppt zu sein, wobei er doch mit Gnadenlos und Die neuen Entdecker durchaus zwei würdige Spiele veröffentlicht hat. Aber Kosmos hat ja bereits ein anderes Spiel auf der Liste... Das Duo Moon/Weissblum stellt gleich drei Kandidaten zum Spiel des Jahres und dürfte damit rein rechnerisch die größten Chancen auf die begehrte Auszeichnung haben. Aber der Preis wird ja nicht durch mathematische Formeln, sondern von Experten vergeben.

Zu den Spielen selbst kann man nur sagen, dass es sich insgesamt um eine sehr gute Liste handelt, die dem Anspruch des Preises, ein gut spielbares und unterhaltendes Familienspiel zu küren, voll gerecht wird. Der Aufschrei in einigen Medien war schon groß, warum das Spiel Medina nicht auf der Liste enthalten ist, laut unserer Kritik ist dort Royal Turf aber ebenso überflüssig. Es gibt halt immer Kleinigkeiten, die jeder anders und vielleicht auch besser machen würde. Ob nun Knizia mit dem Pferderennspiel aber Chancen hat, endlich mal den roten Pöppel zu gewinnen, ist fraglich. Auch der große Außenseiter Ebbe und Flut wird aufgrund der besonderen Preisgestaltung kaum Chancen auf den Preis haben, die Aufnahme in die Liste wird eher ein Zugeständnis von Seiten der Jury sein. Dass das Spiel ausgesprochen gut und durchaus etwas besonderes ist, kann man unter Kritiken bei uns nachlesen.

Unser Favorit auf den Gewinn ist wohl Zapp Zerapp. Dieses Spiel erfüllt eigentlich alle Anforderungen, die der Preis stellt: Es ist ein Familienspiel (vielleicht sogar mehr als jedes andere der letzten Jahre), es hat einfache und leicht verständliche Regeln, das Spielmaterial ist sehr schön ausgewählt und der Bewegungsmechanismus ist sehr eigen. Zudem stellt das Spiel Anforderungen an den Hörsinn, was nun bei einem Brettspiel wirklich nicht häufig ist.

Auch wenn Zapp Zerapp nicht Spiel des Jahres werden sollte, ist eigentlich jetzt schon sicher, dass man mit der Juryentscheidung leben kann. Es wird ja kein Preis für das beliebteste Spiel für Vielspieler vergeben (dann müssten wohl zum Teil ganz andere Spiele nominiert werden), sondern eben die Auszeichnung Spiel des Jahres, Dieser Preis hat dazu beigetragen, dass das Spiel bei uns den großen Stellenwert erhielt, den es derzeit hat. Von daher macht die Jury da weiter, wo sie vor den internen Streitereien aufgehört hat. Die Auswahlliste und die Art der Zusammenstellung mag diskussionswürdig sein, die einzelnen Spiele wären aber aus dem einen oder anderen Grund gute Preisträger - und sei es, dass Knizia endlich auch mal die Auszeichnung bekommt.