Spielemesse: Eine Wohnung für eine Woche – Wie plant man einen Messestand?

Katrin Reil über die Messevorbereitungen bei Huch and friends

ein spielerischer Artikel von Katrin Reil - 26.09.2011
Katrin Reil am Huch-Stand in Nürnberg 2011 von Huch and friends

Reich der Spiele hat nachgefragt, wie Spieleverlage sich auf die Spielemesse in Essen vorbereiten. Der folgende Artikel stammt von Katrin Reil. Sie ist beim Verlag Huch & friends beschäftigt und für die Pressearbeit für Spiele zuständig. 



Die Kurzversion:
Einen Messestand auf der SPIEL zu organisieren, ist nicht schwer. Das Wichtigste sind Tische (davon gibt’s immer zu wenig). Und Stühle (dito). Fertig.

Die Langversion:
Teppich auf dem Boden, Bilder an den Wänden, reichlich Sitzgelegenheiten: Ein Verlag, der nach Essen fährt, richtet sich dort eine Wohnung für eine (knappe) Woche ein – eine Woche, in der sehr viel Besuch vorbeikommt. Wie viel Aufwand für die Haus-, Verzeihung, Standgäste betrieben wird, ist je nach Verlagsgröße extrem unterschiedlich. Für die folgenden Zeilen gilt: Hutter Trade/HUCH! & friends bewegt sich, was Standgröße und -ausstattung angeht, etwa in der Mitte.

Katrin Reil  von Huch and friends„Und wo hat die Kabine ihre Tür?“ (Der Standplan)
Rund ein Drittel unseres Messestandes ist unsichtbar. Nicht Pumuckl-unsichtbar, sondern unsichtbar im Sinne von „nicht von außen einsehbar“. Das liegt daran, dass Essen neben Nürnberg unsere wichtigste Kontaktbörse ist. Der Vertrieb trifft Händler, der Export Kunden und Partner, die Redaktion Autoren und die Presseabteilung Journalisten. Das alles findet möglichst in geschlossenen Kabinen statt – Preise und Prototypen sind schließlich geheim. Dazu dann noch je eine Kabine für die Partnerverlage, die an unserem Stand mit dabei sind, Lagerfläche für die Belieferung der Händler vor Ort, Platz für Technikkram, und unsere Mini-Küche wollen wir ehrlich gesagt auch nicht missen. Zum Glück bleibt trotzdem noch ein bisschen Spielfläche übrig.

Wenn der Grundriss des vergangenen Jahrs halbwegs funktioniert hat, lassen sich kleine Änderungen leicht einarbeiten und es ist kein Drama, einen neuen Standplan zu zeichnen. Wenn die Änderungen größer ausfallen, dann wird tatsächlich am Rechner oder mit Papierschnipseln so lange hin- und hergeschoben, bis alle (inklusive der Mitaussteller) zufrieden sind. Erst dann kann sämtliches Material genau passend bestellt werden.

„Meinst du, der Teppich hat das richtige Blau?“ (Die Hardware)
Rund 4 Monate bevor es eigentlich losgeht, kommt sie – die Service-CD für Aussteller auf der SPIEL. Vom Stromanschluss bis zum Standmobiliar gibt es hier (fast) alles, was das Herz begehrt. Die Dinge, die relevant für die Sicherheit sind, z.B. also das Thema Brandschutz betreffen, müssen direkt über die Messe geregelt, bzw. von dort genehmigt werden. Ansonsten haben die Aussteller bei der Buchung ihrer Ausstattung aber relativ freie Hand. An unserem Stand stammen zum Beispiel Strom, Wasser und Standwände direkt von der Messe. Beleuchtung und Teppich vergeben wir dagegen an andere Dienstleister, die Möbel bringen wir selbst mit. Ob der bestellte Teppich blau genug oder das Licht hell genug ist, nähert sich im Lauf der Jahre durch Strategie (= hellseherische Planung) und Glücksfaktor (=Trial-and-Error) dem Optimalzustand an.

Die gute Nachricht: Wer alle Anmeldeformulare (jeweils samt detaillierter Standzeichnung) vorher aufs Gründlichste ausfüllt, bekommt hinterher in aller Regel das, was er bestellt hat, und kann sich am Aufbautag „entspannt“ zurücklehnen.

Stand Huch and friends/Hutter Trade Essen 2010 von Huch and friends„Muss ich das jetzt selber basteln?“ (Die Dekoration)
Eine opulente Standdeko ist in Essen eher nicht gefragt. Wenn ein Tisch frei, ein Erklärer verfügbar und das Spiel gut ist, genügt das eigentlich. Warum wir uns trotzdem die Mühe machen? Zum einen sind Banner oder Plakate natürlich Werbefläche, mit der wir auf unsere Neuheiten (und auf uns als Verlag) aufmerksam machen. Vor allem für Spiele, die an der Ausleihe weniger gefragt sind, gilt manchmal auch das Motto „Man muss den Spieler zu seinem Glück zwingen“. Das funktioniert tatsächlich: Im vergangenen Jahr hatten wir eine kleine Deko- und Demofläche zu unserer damals neuen Logikspielreihe, sicher nicht unbedingt der Nabel des Essen-Universums. Am Messesamstag waren die Spiele trotzdem auf der ganzen Messe so gut wie ausverkauft. Strike! Und zu guter Letzt: Wir dekorieren, weil wir Optimisten sind. Wir glauben, dass sich Spieler trotz allem lieber an einen Stand setzen, der „nett“ aussieht. Seht es uns nach, falls wir irren.

„Und wenn jetzt jemand was Anderes spielen will?“ (Die Spieleauswahl)
Jetzt neu mit integriertem Auto-Verlier-Mechanismus. Wer schon einmal in Essen war, weiß: Der Platz reicht nie aus. Gerade für eine Vertriebsfirma wie Hutter Trade, die eigene Spiele veröffentlicht und gleichzeitig Partnerverlage im Programm hat, ist die Spieleauswahl deshalb nicht leicht. „Alte“ Titel daheim lassen? Was, wenn jemand ein tolles Spiel aus dem letzten Jahr testen möchte? Nur Strategiespiele auslegen? Dann kommen die, die Schnelles und Einfaches wollen (ja, die gibt es!) gar nicht mehr zum Zug. Vielleicht ein Zeitlimit? Nicht schön für den, der eine Partie nach der Hälfte abbrechen muss. Schon vorher planen wir grob, welches Spiel auf welchen Tisch soll, und versuchen dies später einzuhalten. Zum Glück sind viele unserer Partnerverlage mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten, andere leisten uns als Mitaussteller Gesellschaft. Beides sorgt dafür, dass es mehr Tische pro Spiel gibt – und seien wir ehrlich, das ist die eigentlich harte Währung in Essen.

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