Spielgefühl: Scrabble Türme

Auf Sand gebaut

ein Spiele-Artikel von Axel Bungart - 22.10.2018
Scrabble Türme - Foto von Mattel
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Ist aus Buchstaben Wörter zu bilden nicht eigentlich eine Aufgabe für Kindergärtnerinnen und deren Schützlinge? Mitnichten, wie uns schon vor etwas länger Zeit Tintenherz (Kosmos) oder jüngst Krazy Wordz (Ravensbuger) und gefühlte 250 weitere Wortfindungsspiele lehrten. Und – Ehre, wem Ehre gebührt – der unvergessene Klassiker Scrabble, dem Sohn des Kreuzworträtsels.

Scrabble Türme: Türmchenbau mit Buchstaben

Das Spiel im Einsatz - Scrabble Türme - Foto von Axel BungartAus dem Hause Mattel stammt nun Scrabble Türme. Die Verwandtschaft zum Scrabble ist offensichtlich, wenn auch das Eine – das Spielbrett - viel kleiner und dafür das Andere – die Buchstabensteine – viel größer sind. Schon bald wird klar, dass hier einiges anders funktioniert als beim klassischen Buchstabenkreuzen. Von neun Buchstabentürmen darf man aus den obenliegenden eine Kette von Buchstaben bilden, die dann im optimalen Fall ein sinnvolles Wort ergibt. Die verwendeten Buchstaben nimmt man von dem jeweiligen Turm herunter und türmt sie wiederum vor sich auf. Wer viel Glück oder auch Geschick hat, kriegt gleich noch ein bis drei Bonussteine dazu. Und am Ende gewinnt, wer den höchsten Turm hat.

Die wenigen Spielregeln sind in einer Minute erklärt und schon legen wir los: A-Q-K-R-S-I-Z-H-W. Was lässt sich daraus bauen? HARZ ginge, aber dafür müssten die Buchstaben auch eine Kette bilden, was sie nicht tun. WIR geht aber. Das sind nur drei Steine + einen Bonusstein. Aber kein schlechter Anfang. Das W, I und R verschwindet als Turm vor dem Mitspieler. Dafür erscheinen C-B-R. Zum Glück ist das A noch da, was zu einer BAR reicht. Glück gehabt! Mit dem A verschwindet aber der zweite und letzte Vokal. Und es erscheint leider auch keine neuer. Noch bevor der dritte Spieler an die Reihe kommt, lässt sich aus den verbleibenden Konsonanten leider kein „sinnvolles“ Wort mehr basteln. Was sagt die Regel dazu? Nichts. Sinngemäß: Wenn ein Spieler kein Wort bilden kann, ist der nächste an der Reihe. Ja, und was soll der?? Er hat doch dieselben Buchstaben zur Verfügung. Fehlt da ein Blatt der Spielregel? Offenbar nicht.

Die Partie wird als beendet erklärt und eine neue gestartet. Dieses Mal können die ersten drei Spieler ein Wort bilden. Doch der Vierte guckt wieder in die Röhre. Mangels Vokalen. Das ist der Zeitpunkt, an dem Scrabble Türme wieder in der Verpackung verschwindet. Nach zehn Minuten, Erklärzeit eingerechnet und unter zustimmendem Nicken der Mitspieler. Und so wie es aussieht, wird es da auch bleiben. Scrabble Türme ist, wenn man es ketzerisch ausdrücken wollte, typisch Mattel der 80er-Jahre: viel buntes Plastik ohne spielerischen Wert. Das Spiel funktioniert in der vorliegenden Form schlicht nicht. Das ist das Schlimmste, was man über ein Spiel sagen könnte, aber so eindeutig ist mir das lange nicht mehr untergekommen.

So nicht!

Wir haben diskutiert, Abkürzungen zuzulassen, damit man wenigstens ein Z(um) B(eispiel) legen kann. Aber das sprengt den Rahmen des sinnvollen, zumal man solche Abkürzungen nicht klassifizieren kann: ist HDL auch eine zulässige Abkürzung, nur, weil sie in Chats als Liebesbezeugung verwendet wird? Sicher nicht. Ist VRS (Verkehrsverbund Rhein-Sieg) eine zulässige Abkürzung, wenn ich es in Stuttgart spiele? Höchsdwahrscheinlich ned. Opa Scrabble würde sich im Grab herumdrehen. Ein fehlerhaftes Grundkonstrukt gepaart mit einer uninspirierten Spielregel. Das steht schon grundsätzlich im krassen Gegensatz zur Erwartungshaltung an ein Spiel, und einmal mehr, wenn es den Namen Scrabble auf der Packung trägt. So bitte nicht!