Die Faszination des Dilemmas

Autor Kris Burm über sein Spiel Tzaar

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 03.10.2007
Tzaar von Smart
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Kris, Tzaar is ein weiteres abstraktes Zweipersonenspiel. Wie kommt es, dass du „immer“ diese Art von Spielen entwickelst?
„Der Grund liegt auf der Hand: Weil ich sie mag! Ich mag die Reinheit, die verschiedenen Ebenen, den Mix aus Einfachheit und Komplexität. Ich mag ebenso Spiele mit einem Thema wie zum Beispiel Aquire, El Grande und Durch die Wüste. Aber bisher hat mich keines dieser Spiele so fasziniert oder überrascht wie ein gutes abstraktes Spiel – wie zum Beispiel Lines Of Actions oder Gyges. Und ich meine das nicht auf einem intellektuellen Niveau. Ich finde es nicht nötig, sich bei einem Spiel das Gehirn zu zermartern. Ich möchte nur Spaß haben - wie jeder andere auch – und das hat nichts damit zu tun, ob es ein Thema gibt oder nicht. Die einzige entscheidende Frage ist: Ist das Spiel gut genug, um Spaß zu haben? Die Tatsache, dass ein Spiel abstrakt ist, hält mich nicht davon ab, es mit Freude zu spielen. Ehrlich, ich verstehe nicht, warum so viele Spieler abstrakte Spiele 'trocken' finden. Ist das ein Mangel an Vorstellungskraft? Ich habe kein Problem damit, Gipf mit dem selben Herangehensweise zu spielen wie eine Partie Mensch ärgere Dich nicht, 6 nimmt oder Lost Cities.“

Um was geht es bei Tzaar?
„Es ist ein Spiel, in dem die Spieler die Pflicht haben, jede Runde einen Stein zu schlagen zu machen. Das Ziel ist also, den Gegenüber in eine Position zu bringen, aus der heraus er dies nicht mehr schafft. Man hat zwei Züge pro Runde. Der erste ist das verpflichtende Schlagen, beim zweiten Zug hat man die Wahl: Entweder schlägt man einen zweiten Stein oder man bildet einen Stapel, indem man mit einem eigenen Stein auf einen anderen eigenen springt. Dies ist wichtig, da die Höhen der Stapel ihre Stärken bestimmen. Um einen gegnerischen Stapel zu schlagen, muss der eigene Stapel mindestens die gleiche Höhe haben. Wenn man zu häufig schlägt, können die eigenen Steine und Stapel zum Spielende hin zu schwach werden. Wenn man zu häufig auf eigene Steine springt, riskiert man, dass man dem Gegenspieler eine bessere Position ermöglicht. Das ist das eine Dilemma, in dem man steckt.
Aber da gibt es noch ein zweites. Jeder Spieler hat drei verschiedene Arten von Spielsteinen: 15 Totts, neun Tzarras und nur je sechs Tzaars. Die zweite Möglichkeit zu gewinnen, ist den Gegner dazu zu bringen, seinen letzten Stein einer dieser Sorten zu verlieren. Das gibt von Start an ein zusätzliches Ziel vor. Zu Beginn sind die Tzaars die schwächsten Steine, weil man nur sechs davon hat. Um diese zu verteidigen, muss man sie stärken. Man springt mit ihnen auf die anderen beiden Spielsteinarten, um Stapel mit Tzaars oben auf der Spitze zu bilden. Dies macht in der Tat die Tzaars stärker, aber schwächt die anderen beiden Sorten Spielsteine. Dies ist das zweite Dilemma.“

Ist Tzaar schwer zu spielen? Oder ist es leicht zu verstehen, aber schwer zu gewinnen?
„Ist es schwer, Fußball zu spielen? Hauptsache ist, dass man es auf jedem Level spielen kann - ganz egal wie alt man ist. Und das gilt für alle Spiele des Project Gipf, auch für Tzaar. Davon abgesehen glaube ich, dass Tzaar und Yinsh für den Anfang die zwei leichtesten Spiele im Project Gipf sind. Aber das heißt nicht, dass es leicht ist, gut darin zu werden.“

Wer wird das Spiel lieben, wer hassen?
„Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich kann nur hoffen, das es ein paar Spieler ausprobieren, die sonst eher keine abstrakten Spiele spielen.“

Kannst du ein paar Tipps geben, worauf man bei einer Partie Tzaar achten sollte?
“Eine sehr wichtige Sache, auf die man in den ersten Partien aufpassen sollte ist: Behalte stets deine drei Arten von Spielsteinen im Auge. Anfänger versuchen häufig zu sehr, die drei Spielsteinarten des Gegenüber zu schlagen, vergessen aber, dass dies auch der Gegenüber bei ihnen versucht.“

Tzaar sieht nicht nur so aus, als ob es zum Project Gipf passen würde, es ersetzt dort auch zukünftig Tamsk. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
„Für mich war das Project Gipf immer eine Serie von sechs Spielen und an dieser Zahl will ich festhalten. Nenn es eine Art Treue zu meiner Ursprungsidee. Abgesehen davon habe ich festgestellt, dass einige Spieler der Gipf-Community Tamsk für das schwächste der Spiele des Projektes halten. Aber dies ist sicher nicht der Grund, warum dort herausgenommen wird. Es gibt nämlich auch eine Reihe von Spielern, die Tamsk sehr gerne mögen – und ich bin einer davon. Ich glaube sogar, dass es eines der besten Spiele ist, die ich je entwickelt habe. Aber das heißt nicht automatisch, dass es gut zum Project Gipf passt.
Wie du weißt, war Tamsk das zweite Spiel des Project Gipf. Nachdem ein paar weitere Spiele hinzukamen, wurde mehr und mehr deutlich, dass Tamsk irgendwie sonderbar und weniger strategisch ist, wenn man es mit den anderen Spielen vergleicht. Nun, da das Projekt komplett ist, kann ich herangehen und es zu einem Ganzen verbessern, es zu einer einheitlichen Serie von Spielen machen. Das heißt: Jetzt, da Tamsk durch Tzaar ersetzt wird, kann es sein, dass ich früher oder später wieder etwas verändere. Ich behalte mir das einfach vor. Ich habe Project Gipf immer als Experiment angesehen und es wird ein Experiment bleiben.“